Erschüttertes Vertrauen / Kommentar von Raimund Neuß zum Korruptionsskandal in der Ukraine
ID: 2211940

(ots) - Welch ein Zynismus: Schwere russische Luftangriffe führen zu Strom- und Heizungsausfällen in großen Teilen der Ukraine. Und das Geld, das zum Schutz von Energieanlagen bestimmt war, ist offensichtlich zum Teil in den Taschen eines gewissen Timur Minditsch und seiner Komplizen verschwunden. Man kann nur hoffen, dass sich die Befürchtung nicht bewahrheitet, Minditsch habe auch bei Rüstungsgeschäften den Staat geschädigt - einen Staat, der um seine Existenz kämpft.
So oder so ist das öffentliche Vertrauen in Wolodymyr Selenskyj erschüttert. Minditsch soll, so die Ermittler, seine "freundschaftlichen Beziehungen" zum Präsidenten für seine Aktivitäten genutzt haben. Das erregt den Verdacht eines Verstoßes gegen Compliance-Regeln und wirkt wie eine Wiederholung der Comedy-Serie "Diener des Volkes". Da hatte Selenskyj einen Lehrer gespielt, der Präsident wird und ein Küchenkabinett aus alten Freunden um sich schart. Die Satire ist leider Realität geworden.
Zu Realität gehört aber auch: Die Verdächtigen werden verfolgt. Es gibt Ministerrücktritte statt der im russischen Brauchtum üblichen Fensterstürze. Während Russland keine unabhängigen Medien duldet, arbeiten sich ukrainische Zeitungen seit Monaten an Vorwürfen gegen Minditsch ab. Versuche der Regierung, die Antikorruptionsbehörde unter Kuratel zu stellen, haben zum Massenprotest geführt. Der hatte Erfolg. Mitten im Krieg.
Paradoxerweise zeigt sich gerade in dieser Krise die Stärke der Ukraine. Die Stärke einer Zivilgesellschaft, die um rechtsstaatliche Transparenz kämpft. Diese Zivilgesellschaft ist es, die der russische Präsident Wladimir Putin seit mehr als zehn Jahren als Bedrohung seiner Macht empfindet. Die Ukrainer führen den russischen Nachbarn Tag für Tag vor, dass es auf dem Boden der ehemaligen Sowjetunion eine Alternative zum autoritären Gesellschaftsmodell gibt - zu Willkürjustiz, Folter und, ja, auch zu Korruption. Die Ukraine steht in der Rangliste von Transparency International nicht gut da, aber weit besser als Russland. Sie bekämpft Korruption. So steckt in den schlechten Nachrichten zum Fall Minditsch eine gute.
Pressekontakt:
Kölnische Rundschau
Raimund Neuß
Telefon: 0221/1632-555
print@kr-redaktion.de
Original-Content von: Kölnische Rundschau, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 13.11.2025 - 18:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2211940
Anzahl Zeichen: 2427
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Köln
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 320 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Erschüttertes Vertrauen / Kommentar von Raimund Neuß zum Korruptionsskandal in der Ukraine"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Kölnische Rundschau (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Auf das Aufatmen folgte das Entsetzen: Die Erinnerung an den historischen Sieg der ukrainischen Armee in der Schlacht um Kiew ist untrennbar mit der an die Aufdeckung der Massaker in Butscha und anderen Vororten der ukrainischen Hauptstadt verbunden. Die Morde von Butscha sind nicht damit zu erklä
Wider jedes Königsgehabe - Frank Überall (Kölnische Rundschau) über die Demonstrationen gegen Donald Trump in den USA ...
Königliches Gehabe passt nicht zu einer Demokratie - jedenfalls nicht, wenn es statt um bloße Repräsentation darum gehen soll, einsam und allein Entscheidungen zu treffen. Die "No Kings"-Demonstrationen in den USA zeigen, dass in Krisenzeiten der Ruf nach einer ordnenden Hand zwar durch
Auch ein Sieg kann Sorgen machen / Raimund Neuß zum Wahlergebnis in Rheinland-Pfalz ...
Rückkehr in die Staatskanzlei nach 35 Jahren: Die rheinland-pfälzische CDU von Gordon Schnieder jubelt. Endlich, endlich hat sie die Wählerinnen und Wähler überzeugen können, dass sie ein plausibles personelles und inhaltliches Angebot hat. Seit dem Sturz von Bernhard Vogel 1988 hatte sich ei
Weitere Mitteilungen von Kölnische Rundschau
Fehlendes Tempo ...
Dem Neuanfang des Wehrdienstes wohnt zwar kein Zauber inne. Aber die schwarz-rote Koalition hat nach langem Streit einen Kompromiss hinbekommen, mit dem die Bundeswehr arbeiten kann. Wünschenswert wäre ein höheres Tempo gewesen, das für alle Bereiche der Verteidigungspolitik noch fehlt, damit si
"nd.DieWoche": Die neue Klassenarmee - Kommentar zur Einigung von Union und SPD auf ein neues Wehrdienstgesetz ...
Die Bundeswehr sei "viel besser als der Ruf", versichert Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Man könnte auch sagen: Die Bundeswehr - besser als man denkt! Der Kompromiss zur Wehrpflicht ist beschlossen - diese soll weiterhin hauptsächlich auf Freiwilligkeit basieren, und weil di
AfD und Russland - Intellektuell beschämende Verharmlosung von Putin ...
Es ist schon erstaunlich: Während Russlands Panzer ukrainische Städte in Schutt legen und westliche Demokratien mit Cyberattacken und Propaganda bombardiert werden, schickt die AfD Liebesgrüße nach Moskau. Wo andere eine Bedrohung sehen, erkennt die AfD "berechtigte Interessen". Die Pa
Politik braucht Standhaftigkeit - nicht den dritten Abgang ...
Neubrandenburg/Waren (Müritz) - Die politischen Schlagzeilen aus Mecklenburg-Vorpommern überschlagen sich: Wieder einmal sorgt ein Austritt mit viel Inszenierung für Aufmerksamkeit - und erneut geht es weniger um Inhalte als um Egos. Dabei zeigen genau solche Momente, wie wichtig echte Führun




