Hocheffiziente Mikroelektronik– von der Biologie inspiriert: TU Ilmenau startet Forschungsprojekt

Hocheffiziente Mikroelektronik– von der Biologie inspiriert: TU Ilmenau startet Forschungsprojekt neuroNODE

ID: 2220348
(PresseBox) - Im Forschungsprojekt neuroNODE, das am 1. Januar startet, entwickeln Forscher der Technischen Universität Ilmenau superschnelle Mikroelektronik-Komponenten, die dennoch extrem energiesparend sind – ein Gebot der Stunde, denn der Energiebedarf durch die weltweite Digitalisierung wächst rasant. Die supraleitenden Schaltungen sind von der menschlichen Biologie inspiriert, denn die ist extrem energieeffizient: Ähnlich den Spannungsimpulsen auf den menschlichen Nervenbahnen tauschen sie Informationen und Signale aus. Das neuroNODE-Projekt wird vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus mit 482.000 Euro für drei Jahre gefördert.

Alle benutzen das Internet: Wirtschaft und Industrie ebenso wie die Verwaltung und Privatpersonen. Durch den Gebrauch von Smartphones, Tablets und Laptops für milliardenfache Anfragen in Suchmaschinen, dann durch das Aufkommen von Streaming-Diensten ist der Energiebedarf in bislang unbekannte Größen angestiegen – im technischen Hintergrund bewältigt durch Rechenzentren von gewaltigem Ausmaß. Der Boom der Künstlichen Intelligenz hat den Energieverbrauch noch einmal explodieren lassen. Allein das Training des Chatbots ChatGPT 4 hat geschätzt 50 Millionen Kilowattstunden Energie verbraucht – damit könnte man über 10.000 Drei-Personen-Haushalte ein ganzes Jahr lang mit Strom versorgen. Aktuelle Zahlen aus den USA gehen davon aus, dass sich der Stromverbrauch für IT-Anwendungen seit den Anfängen der Künstlichen Intelligenz, also in den letzten acht Jahren, verdoppelt hat. Nach Schätzungen des Lawrence Berkeley National Laboratory wird bis 2028 mehr als die Hälfte des Stroms, den Rechenzentren verbrauchen, nur für KI eingesetzt.

Der schnelle Fortschritt der digitalen Revolution droht, an einem nicht mehr zu deckenden Energiebedarf zu scheitern. Daher suchen Forscherinnen und Forscher weltweit nach alternativen Technologien für die mikroelektronischen Schaltkreise: Sie müssen nicht nur etwas, sondern sehr viel energieeffizienter arbeiten als die bisher verwendeten Chips.



Forschungsprojekt neuroNODE für ultraschnelle, extrem energiesparende Mikroelektronik-Komponenten

Führende Thüringer Forschungsteams führen im Forschungsprojekt „Optoelektronisch-supraleitende Netzwerke für neuromorphes Computing (neuroNODE)“ unter der Leitung von Professor Hannes Töpfer, Leiter des Fachgebiets theoretische Elektrotechnik der TU Ilmenau, ihre Lösungsansätze zusammen. Ihr Ziel: ultraschnelle Mikroelektronik-Komponenten, die dennoch extrem geringe elektrische Verluste aufweisen, also sehr energiesparend sind. Damit aber ist es nicht getan. Es braucht auch innovative Wege, die Chips möglichst energiesparend zu Recheneinheiten zu verschalten, und sie an optische Module anzubinden – kurz: es braucht vollkommen neue optoelektronisch-supraleitende Netzwerke.

Das ist nicht einfach, weil völlig verschiedene Materialsysteme miteinander verträglich in einem System untergebracht werden müssen. So werden die Forscherinnen und Forscher um Professor Töpfer wegen der ihnen innewohnenden Quanteneffekte supraleitende Materialien einsetzen. Sie mit anderen Werkstoffsystemen so zusammenzubringen, dass sich die gewünschte Funktion einstellt, ist eine Herausforderung. Für das Forscherteam gilt es, alle einzelnen Bestandteile so zu optimieren, dass sie im Zusammenspiel stabil und verlässlich arbeiten.

Supraleitende Schaltungen – Energieeffizienz nach dem Vorbild der menschlichen Nervenbahnen

Der Weg, den das Forschungsteam beschreitet, ist inspiriert von der menschlichen Natur. Supraleitende Schaltungen nutzen verschiedene Quanteneffekte, mit denen sie Informationen und Signale in Form sehr kurzer Impulse austauschen – genau wie die Spannungsimpulse, die auf den menschlichen Nervenbahnen laufen. Bereits in den 1950er Jahren von dem großen Computerpionier John von Neumann als Vision vorweggenommen, haben die Thüringer Forscher nun die Technologien und das Knowhow, dieses Wissen auf mikroelektronische Schaltungen zu übertragen.

Der Grund, weswegen die Forscher sich von der Biologie inspirieren lassen, ist einfach: Die Natur ist in ihrer Energieeffizienz unübertroffen. Mit 20 Watt verbraucht das menschliche Gehirn für die Lösung komplexer Aufgaben nur einen Bruchteil der Energie, die ein Computer dafür benötigt. Das gelingt ihm durch eine besondere Eigenschaft: Die Signale werden durch kurze Pulse ausgetauscht, Energie wird also nicht ständig, sondern nur dann aufgewendet, wenn es etwas mitzuteilen oder zu steuern gibt. Genau so sollen die neuroNODE-Mikroelektronik-Komponenten funktionieren.

Projektleiter Professor Hannes Töpfer ist zuversichtlich, dass die Komponenten nicht nur sehr schnell, sondern auch extrem energieeffizient sein werden: „Wenn unsere Technologie erst einmal in Rechenzentren angewendet und dann nach und nach verbessert wird, schätze ich, dass wir für dieselbe Rechenleistung nur noch halb so viel Energie wie heute aufwenden müssen.”

neuroNODE – Mikroelektronik für Quantencomputer von morgen

Weltweit wird derzeit die Entwicklung einer völlig neuen Generation extrem leistungsstarker Computer unter Hochdruck vorangetrieben: Quantencomputer. Wenn sie erst einmal so weit sind zu funktionieren, werden genau solche Bausteine, wie sie im Ilmenauer neuroNODE-Projekt erforscht werden, benötigt, um die Vielzahl der Komponenten störungsfrei miteinander zu verschalten. „Gibt es sie nicht“, so Professor Töpfer, „wird sich die erforderliche Anzahl an Quantenbits gar nicht beherrschen lassen. Sie sind mithin für Quantencomputer von existenzieller Bedeutung. Insofern startet unser Projekt gerade zur rechten Zeit.“ Technologieplaner in den USA gehen davon aus, dass der Einsatz von optisch-supraleitenden Elektronikmodulen ab etwa 2035 alternativlos sein wird.

Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  JS#Smuggler: Gefahr für Unternehmen und wie Sie sich davor schützen WORTMANN AG spendet 165.000 Euro
Bereitgestellt von Benutzer: PresseBox
Datum: 19.12.2025 - 10:47 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2220348
Anzahl Zeichen: 6051

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Marco Frezzella
Stadt:

Ilmenau


Telefon: +49 (3677) 69-5003

Kategorie:

New Media & Software



Diese Pressemitteilung wurde bisher 226 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Hocheffiziente Mikroelektronik– von der Biologie inspiriert: TU Ilmenau startet Forschungsprojekt neuroNODE"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Technische Universität Ilmenau (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

6. Mai– Quantum Photonics Messe Erfurt: TU Ilmenau startet 4-Millionen-Euro-Projekt zur hochpräzisen Realisierung großflächiger Nanostrukturen mit atomarer Präzision ...
Mit einem Kick-off am 6. Mai auf der Quantum Photonics Messe in Erfurt starten Thüringer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein großangelegtes Forschungsprojekt zur Entwicklung einer neuen Hochpräzisionsmaschine, die Nanostrukturen künftig auf bis zu einem Quadratmeter Ausdehnung realisier

TU Ilmenau auf der Hannover Messe ...
Die Technische Universität Ilmenau und das Landespatentzentrum Thüringen (PATON) präsentieren auf der Hannover Messe, der weltweit führenden Industriemesse für Technologien rund um die industrielle Transformation, wegweisende Erfindungen und Lösungen für den Einsatz in Industrie und im privat

Smarte Fertigung im Fokus: Industrieforum in Meiningen zeigt Wege zu mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit – 22. April 2026 bei Adtran Networks SE ...
Wie können Unternehmen der Elektronik- und Gerätefertigung ihre Produktivität steigern, Kosten senken und gleichzeitig wettbewerbsfähig bleiben? Antworten darauf liefert das Industrieforum „Smarte Fertigung – Automatisierung und Robotertechnik in der Elektronik- und Gerätefertigung“, das


Weitere Mitteilungen von Technische Universität Ilmenau


JS#Smuggler: Gefahr für Unternehmen und wie Sie sich davor schützen ...
Aufgrund der steigenden Anzahl von Cyberattacken haben Unternehmen verstärkt ihre Mitarbeiter bezüglich dem Umgang mit E-Mails und Webseiten sensibilisiert. Datensicherheitstrainings schärfen das Bewusstsein der Anwender und sorgen dafür, dass Onlineinhalten nicht blind vertraut wird oder aktive

Neuvorstellung: CMT A2202– 22 GHz VNA der nächsten Generation ...
. Produktneuheit und Überblick Neu von Copper Mountain Technologies: Der A2202 2-Port 22 GHz Vector Network Analyzer. Wir freuen uns, Ihnen die neueste Entwicklung im Bereich der Vektor-Netzwerkanalyse vorstellen zu dürfen, den A2202 von Copper Mountain. Mit einem Frequenzbereich bis zu 22 GHz, ho

Shopware 6.7 und mehr: Die wichtigsten Plattform-Updates 2025 ...
Das Jahr 2025 war ein Wendepunkt für alle, die auf Shopware setzen. Mit dem Major Release Shopware 6.7 und einer Reihe strategischer Minor-Updates hat die Plattform nicht nur ihre technische Basis gefestigt, sondern Dir auch mächtige neue Werkzeuge an die Hand gegeben. Diese Updates sind weit me


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z