Öffentliches Finanzierungsdefizit im 1. bis 3. Quartal 2025 bei 108 Milliarden Euro
ID: 2222643

(ots) -
- Langfristig steigende Steuereinnahmen, Ausgabenwachstum leicht abgeschwächt
- Finanzierungslücke bei den Gemeinden weiter so groß wie noch nie
In den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 hat der Öffentliche Gesamthaushalt 5,6 % mehr ausgegeben und 6,0 % mehr eingenommen als im Vorjahreszeitraum: Einnahmen von 1 490,5 Milliarden Euro standen Ausgaben von 1 598,0 Milliarden Euro gegenüber. Damit verzeichneten die Kern- und Extrahaushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung in den ersten drei Quartalen 2025 ein - in Abgrenzung der Finanzstatistik errechnetes - Finanzierungsdefizit von 107,6 Milliarden Euro. Das Defizit lag somit nahezu auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums (-67 Millionen Euro). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Ergebnissen der vierteljährlichen Kassenstatistik weiter mitteilt, verzeichneten alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts - Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung - ein Minus. Zwar trug der Bund wie in den Vorjahren seit 2020 den größten Anteil des Gesamtdefizits, jedoch ist das Finanzierungsdefizit bei den Gemeinden weiter gewachsen.
Steuern und Beitragseinnahmen der Sozialversicherung gestiegen - Grundsteuereinnahmen nach Reform bislang weitgehend unverändert
Aus Steuern und steuerähnlichen Abgaben wurden in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 rund 1 285,8 Milliarden Euro eingenommen (+7,1 %). Der deutliche Anstieg wurde getragen von den Beitragseinnahmen der Sozialversicherung (+9,1 %) und den Landessteuern (+33,3 %). Gemeinden und Stadtstaaten verbuchten auch nach der Grundsteuerreform Einnahmen aus Grundsteuern auf der Höhe des Vorjahresniveaus (rund 12,5 Milliarden Euro). Die für das Gesamtaufkommen wichtigen Gemeinschaft- und Bundessteuern stiegen jeweils um etwa 5 %. Bei den Bundessteuern gab es gegenläufige Effekte: Einerseits laufen die Einnahmen aus dem EU-Energiekrisenbeitrag (Abschöpfen von "Überschussgewinnen" bei Unternehmen, die Kohle oder Erdöl abbauen oder verarbeiten) aus. Andererseits wurde die Tabaksteuer erhöht, was in den ersten drei Quartalen Mehreinnahmen von rund 2 Milliarden Euro erbrachte.
Deutlicher Anstieg der Zinsausgaben bei den Ländern
Beim Bund stiegen die Zuschüsse an Sozialversicherungsträger um 5,3 Milliarden Euro. Von den zugunsten der Sozialversicherungen geplanten Darlehen wurden 2 Milliarden Euro an die Arbeitslosenversicherung ausgezahlt. Auch zahlte der Bund 5,3 Milliarden Euro als Eigenkapitalerhöhung an die Deutsche Bahn, was die Ausgaben "zum Erwerb von Beteiligungen" entsprechend ansteigen ließ.
Bei den Ländern stiegen die Personalausgaben um 5,2 % und die Sachausgaben um 2,2 %. Die Ausgaben für Kreditmarktzinsen stiegen deutlich um 9,7 % auf 9,2 Milliarden Euro. Allgemeine, sonstige und investive Zuweisungen der Länder an ihre Gemeinden und Gemeindeverbände erreichten zusammengenommen 110,3 Milliarden Euro (+3,1 %)
Die Gemeinden mussten nicht nur eine gegenüber Bund und Ländern höhere Steigerungsrate der Personalkosten finanzieren (+6,7 % auf 79,3 Milliarden Euro). Bei ihnen stiegen auch die Ausgaben für Zuweisungen und Zuschüsse an andere Bereiche (u. a. Sozialausgaben) mit +6,6 % stärker als die Einnahmen (+5,5 %).
Alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts defizitär, Gemeinden mit Rekorddefizit
Die Ausgaben des Bundes in den ersten drei Quartalen 2025 betrugen 461,9 Milliarden Euro, das waren 4,3 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen stiegen um 2,7 % auf 394,9 Milliarden Euro. Somit ergab sich ein Finanzierungsdefizit von 66,9 Milliarden Euro, das waren 8,7 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum.
Bei den Ländern ergab sich mit Ausgaben von 414,5 Milliarden Euro (+2,4 %) bei gleichzeitigen Einnahmen von 413,4 Milliarden Euro (+4,0 %) ein Defizit von 1,2 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch bei 7,3 Milliarden Euro gelegen.
Bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden wuchsen die Ausgaben (+5,9 % auf 303,4 Milliarden Euro) weiter etwas stärker als die Einnahmen (+5,5 % auf 275,1 Milliarden Euro). Das Finanzierungsdefizit vergrößerte sich auf 28,3 Milliarden Euro. Das waren 2,4 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum und auch mehr als das Rekorddefizit (24,8 Milliarden Euro), das sich für das Gesamtjahr 2024 ergeben hatte.
Bei der Sozialversicherung ging das Finanzierungsdefizit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,9 Milliarden Euro auf 11,2 Milliarden Euro zurück. Die Ausgaben stiegen um 7,3 % auf 696,7 Milliarden Euro, die Einnahmen um 8,3 % auf 685,5 Milliarden Euro.
Methodische Hinweise:
Die Angaben beziehen sich auf vorläufige Ergebnisse der Kern- und Extrahaushalte der vierteljährlichen Kassenstatistik. Sie weichen ab vom Finanzierungssaldo des Staates in Abgrenzung des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010), an dem sich die Einhaltung des Referenzwertes des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts (Maastricht-Defizitquote) bemisst (vergleiche Pressemitteilung Nr. 311 vom 22. August 2025). Die Abweichungen sind in methodischen Unterschieden begründet.
Wegen der Einführung des Deutschlandtickets und der damit verbundenen größeren Abhängigkeit von öffentlichen Zuweisungen wurden ab dem 2. Quartal 2023 etwa 440 Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) als Extrahaushalte in den Öffentlichen Gesamthaushalt einbezogen. Das Hinzurechnen der Ausgaben und Einnahmen dieser Einheiten sorgte für Sondereffekte. Mit dem Übergang auf das Berichtsjahr 2025 sind Vorjahresvergleiche wieder uneingeschränkt möglich.
Weitere Informationen:
Weitere Ergebnisse für den Öffentlichen Gesamthaushalt in den ersten drei Quartalen 2025 werden im Statistischen Bericht "Vierteljährliche Kassenergebnisse der Kern- und Extrahaushalte des Öffentlichen Gesamthaushalts" voraussichtlich Mitte Januar 2026 veröffentlicht.
Diese Pressemitteilung ist, gegebenenfalls ergänzt mit weiteren Informationen und Verlinkungen zum Thema, veröffentlicht unter www.destatis.de/pressemitteilungen.
Weitere Auskünfte:
Öffentlicher Gesamthaushalt
Telefon: +49 611 75 4261
www.destatis.de/kontakt
Pressekontakt:
Statistisches Bundesamt
Pressestelle
www.destatis.de/kontakt
Telefon: +49 611-75 34 44
Original-Content von: Statistisches Bundesamt, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 08.01.2026 - 08:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2222643
Anzahl Zeichen: 6657
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
WIESBADEN
Kategorie:
Freizeitindustrie
Diese Pressemitteilung wurde bisher 195 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Öffentliches Finanzierungsdefizit im 1. bis 3. Quartal 2025 bei 108 Milliarden Euro"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Statistisches Bundesamt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
- Energieverbrauch im Straßenverkehr seit 2021 weitgehend konstant unter dem Rekordniveau des Jahres 2019 - 98,0 % des Energieverbrauchs im Straßenverkehr im Jahr 2024 durch konventionelle Kraftstoffe, Stromanteil bei 1,0 % - 155 Millionen Tonnen CO2-Emissionen durch den Straßenverkehr Der Stra
Zahl der Adoptionen sinkt im Jahr 2025 auf niedrigsten Stand seit der deutschen Vereinigung ...
- Langfristiger Rückgang setzt sich fort: Zahl der Adoptionen sinkt 2025 um 4 % gegenüber dem Vorjahr auf 3 517 adoptierte Kinder - Trend zur Stiefkindadoption bei gleichgeschlechtlichen Frauenpaaren hält an - Fremdadoptionen, Adoptionsbewerbungen und zur Adoption vorgemerkte Kinder ebenfalls au
Durchschnittlich knapp 1 400 Krankenhausbehandlungen im Jahr bedingt durch Hitze und Sonnenlicht ...
- Sterbefälle in Hitzewochen der vergangenen Jahre teilweise mehr als 20 % über dem Vergleichswert der Vorjahre - Hitzeperioden führen laut RKI-Schätzungen zu mehreren tausend hitzebedingten Sterbefällen Extreme Hitze geht für die Menschen in Deutschland mit gesundheitlichen Problemen einher
Weitere Mitteilungen von Statistisches Bundesamt
Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im November 2025: +5,6 % zum Vormonat / Auftragseingang ohne Großaufträge: +0,7 % ...
Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe November 2025 (real, vorläufig): +5,6 % zum Vormonat (saison- und kalenderbereinigt) +10,5 % zum Vorjahresmonat (kalenderbereinigt) Oktober 2025 (real, revidiert): +1,6 % zum Vormonat (saison- und kalenderbereinigt) -0,7 % zum Vorjahresmonat (kalender
Uelzen stellt sich der Schneemann-Challenge: "Der Schnee kann kommen - wir bauen Schneemänner!" ...
Schneemann-Challenge am Rathaus Uelzen: Spontane Winter-Mitmachaktion Nach aktuellen Wetterprognosen wird mit viel Neuschnee in der Hansestadt Uelzen gerechnet. Anlass für das Stadtmarketing, kurzfristig zu einer winterlichen Mitmach-Aktion einzuladen: Am Freitag, 9. Januar, von 13.30 bis 14.30 U
GlücksSpirale und Zusatzlotterie Sieger-Chance mit sechs Spitzengewinnen im Jahr 2025 ...
"Die GlücksSpirale und die Sieger-Chance bescherten ihren Spielteilnehmerinnen und Spielteilnehmern auch 2025 in ganz Deutschland attraktive Gewinne, und das insgesamt im Wert von fast 97 Millionen Euro." Diese Bilanz zieht Dr. Carolin Kerschbaumer, GlücksSpirale-Vorsitzende im Deutschen
Eurojackpot macht Millionäre / Gewinnerbilanz 2025 ...
Eurojackpot macht Millionäre! Allein im abgelaufenen Jahr waren es 63. Zwei von ihnen knackten sogar den Maximaljackpot in Höhe von 120 Millionen Euro. Diese beiden Glückspilze hatten ihre Tipps in Baden-Württemberg und Berlin abgegeben. Außerdem wurden 858 Spielteilnehmern in den 19 europäisc




