Die soziale Kraft der Bürgerenergie / Neue Studie zeigt Wege zu einer gerechten Energie- und Wärme

Die soziale Kraft der Bürgerenergie / Neue Studie zeigt Wege zu einer gerechten Energie- und Wärmewende

ID: 2226133

(ots) - Bürgerenergiegenossenschaften können einen wichtigen Beitrag für das Gelingen einer sozial gerechten Energiewende leisten. Wie das gelingen kann, zeigt eine neue Studie des Öko-Instituts im Auftrag der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG.

Die Energiewende schreitet trotz mancher Herausforderungen technisch und ökonomisch voran. Es wird allerdings immer deutlicher, dass die soziale Dimension, die dieser Wandel mit sich bringt, bislang nicht genügend berücksichtigt wurde. Die neue Studie (https://www.ews-schoenau.de/export/sites/ews/ews/presse/.files/studie-buergerenergiegenossenschaften.pdf) "Bürgerenergiegenossenschaften für eine sozial gerechte Energie- und Wärmewende: Handlungsmöglichkeiten und Hemmnisse", erstellt vom Öko-Institut zeigt: Bürgerenergiegenossenschaften verfügen über ein breites, bislang nur teilweise genutztes Potenzial, die Energie- und Wärmewende sozial gerechter zu gestalten.

Soziale Lücke schließen - fossile Lock-ins vermeiden

Steigende Energiepreise, hohe Lebenshaltungskosten und die Folgen der Energiekrise treffen vor allem Haushalte mit geringem Einkommen. Gleichzeitig profitieren bislang vor allem diejenigen von der Energiewende, die über Eigentum und Investitionsspielräume verfügen. Mieter:innen, einkommensschwache Haushalte oder Eigentümer:innen mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten haben oft keinen eigenen Zugang zu Solaranlagen, Wärmepumpen oder günstiger erneuerbarer Energie. Sie drohen schlimmstenfalls in einem fossilen Lock-in zu verbleiben, während andere bereits von klimafreundlichen und langfristig günstigeren Lösungen profitieren.

"Als Energiegenossenschaft in Bürgerhand ist es uns wichtig, dass die Energiewende nicht nur dezentral und demokratisch, sondern auch sozial gerecht gestaltet wird", sagt Armin Komenda, EWS-Vorstandsmitglied.

Ansatzpunkte und Gestaltungspotential haben Bürgerenergiegenossenschaften durch ihre demokratische Struktur, ihr nicht ausschließlich profitorientiertes Selbstverständnis und durch ihre starke regionale Verankerung.



Wirtschaftliche und soziale Teilhabe

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Wirkung entsteht vor allem durch direkte Versorgungsmodelle. Mieterstromprojekte und Co, bei denen lokal erzeugter Solarstrom ohne Umwege an die Bewohner:innen geliefert wird, können Stromkosten senken.

Auch der Zugang zur Genossenschaft selbst ist entscheidend. Hohe Mindestanteile stellen für viele Menschen eine Hürde dar. Die Studie zeigt jedoch zahlreiche Lösungsansätze, etwa niedrige Einstiegssummen, Geschenk- oder Patenschaftsanteile sowie solidarische Fonds. Ein inspirierendes europäisches Beispiel ist die belgische Genossenschaft Ecopower, die gemeinsam mit einer Kommune einkommensschwächeren Haushalten den Zugang zur Mitgliedschaft ermöglicht hat.

Neben finanzieller Entlastung braucht soziale Teilhabe auch Information, Beratung und Mitbestimmung. Energiegenossenschaften können als lokale Multiplikatorinnen Vertrauen schaffen und Handlungswissen vermitteln. Europäische Beispiele zeigen, dass niedrigschwellige Energieberatungen und Workshops wirksame Angebote sein können. Mit rund 220.000 Mitgliedern bundesweit sind Energiegenossenschaften zudem eine relevante gesellschaftspolitische Stimme, die sich mit ihren Verbänden zunehmend auch für soziale Aspekte in der Energiepolitik einsetzen können.

Was Bürgerenergiegenossenschaften tun können und was die Politik tun muss

In mehreren Praxisbeispielen macht die Studie deutlich: Wo passende Rahmenbedingungen, Kooperationen und Förderstrukturen vorhanden sind, können Bürgerenergiegenossenschaften ihre soziale Wirkung deutlich ausbauen. Ihr bislang noch nicht vollständig ausgeschöpftes Potenzial liegt weniger an fehlendem Engagement als an strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen. Gerade kleinen und ehrenamtlich organisierten Genossenschaften fehlen die Kapazitäten für zusätzliche sozial ausgerichtete Angebote. Deshalb braucht es eine doppelte Befähigung von Energiegenossenschaften und von vulnerablen Haushalten.

Empfohlen werden für Bürgerenergiegenossenschaften unter anderem Kooperationen mit Kommunen, Sozialverbänden und Energieagenturen, die Zugang zu Zielgruppen haben oder deren Bedürfnisse kennen. Ebenso empfiehlt die Studie, Zugangshürden für vulnerable Gruppen durch niederschwellige Beteiligungsmodelle abzusenken. Denkbar sind auch solidarische Modelle wie freiwillige "Soli-Cents" oder gezielte Investition in Projekte mit sozialen Maßnahmen.

Seitens der Politik braucht es geeignete politische Rahmenbedingungen, etwa bessere Anreize für Energy Sharing und mehr Teilhabe, Akzeptanz und Netz-/Systemdienlichkeit. Wichtig ist auch, dass die Politik den Zugang zu Fremdkapital für Genossenschaftsprojekte ermöglicht, etwa durch ein bundesweites Bürgschaftsprogramm und dass Förderprogramme wie die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) beibehalten werden.

EWS: Energiewende als Gemeinschaftsaufgabe

Für die EWS Schönau bestätigt die Studie den eingeschlagenen Weg und zeigt gleichzeitig neue Möglichkeiten auf. "Wir übernehmen in unserer Region mit dem Bau von Nahwärmenetzen Verantwortung für eine sozialverträgliche Dekarbonisierung der Wärmeversorgung - gerade im ländlichen Raum. Und auch mit unserem Förderprogramm Sonnencent leisten wir mit der Unterstützung von sozialen Projekten einen solidarischen Beitrag für eine sozial gerechte Energiewende", sagt EWS-Vorstandsmitglied Armin Komenda.

Download Studie (https://www.ews-schoenau.de/export/sites/ews/ews/presse/.files/studie-buergerenergiegenossenschaften.pdf)

Pressekontakt:

Petra Völzing
Telefon: +49 176 23712047
p.voelzing@ews-schoenau.de


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