Herzstillstand: Wie mit Reanimation 10.000 Leben gerettet werden könnten
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(ots) - Nur 55 Prozent der Deutschen beginnen bei Herzstillstand mit Wiederbelebung der betroffenen Person. Experten fordern Reanimationstraining an Schulen.
Täglich erleiden in Deutschland 370 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand, nur fünf Prozent überleben. Das muss nicht sein: Experten sind überzeugt, dass 10.000 zusätzliche Leben pro Jahr gerettet werden könnten - wenn mehr Menschen wüssten, wie Wiederbelebung funktioniert. Das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" zeigt, wie hierzulande die Reanimationsquote gesteigert werden könnte.
Minuten, die über Leben und Tod entscheiden
Bei einem Herzstillstand zählt jede Sekunde. "Ein plötzlicher Herzstillstand ist ein sehr zeitkritisches Ereignis", sagt Prof. Dr. Camilla Metelmann vom Arbeitskreis Notfallmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und stellvertretende Selektionsleiterin der Notfallmedizin am Universitätsklinikum Ulm. Denn hört das Herz auf zu schlagen, wird die Blut- und damit die Sauerstoffversorgung des Körpers unterbrochen. Schon nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff sterben die ersten Gehirnzellen unwiederbringlich ab. Der Rettungsdienst braucht im Schnitt acht Minuten, auf dem Land oft länger. Genau diese Lücke müssen Laien mit Herzdruckmassage überbrücken. Dadurch können sich die Überlebenschancen ohne bleibende Schäden verdoppeln bis verdreifachen.
Doch nur bei 55 Prozent aller Herzstillstände in Deutschland beginnen Anwesende vor Eintreffen der Profis mit der Wiederbelebung. In Dänemark, Norwegen und Tschechien liegt diese Quote bei über 80 Prozent. "Deutschland ist in Sachen Reanimation nur unteres Mittelmaß", kritisiert Prof. Dr. Bernd Böttiger, Notfallmediziner, Vorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung und Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes. "Hierzulande sterben viel zu viele Menschen inmitten von Menschen, die untätig auf den Rettungsdienst warten."
Die Forderung: Reanimationstraining ab Klasse 7
Böttiger sieht die Politik in der Pflicht und fordert: Ab der siebten Klasse sollten Schüler jährlich zwei Stunden Reanimationstraining erhalten. Das Vorbild Dänemark zeigt, dass es funktioniert: Seit Einführung des Reanimationstrainings im Jahr 2000 stieg die Laien-Reanimationsquote von unter 20 auf über 80 Prozent. Die Folge: Dreimal so viele Menschen überleben. Die Schulkinder wirken in der Gesellschaft wie Multiplikatoren und tragen ihr Wissen in die Familien hinein. Und sie beweisen, dass Reanimation buchstäblich kinderleicht ist:
- Prüfen, ob die Person reagiert.
- Die 112 anrufen.
- Mit der Herzdruckmassage beginnen - fest und schnell auf den Brustkorb drücken, etwa im Takt von "Stayin' Alive".
Beatmung oder der Einsatz des Defibrillators sind für Laien nicht nötig. Und ja, dabei können Rippen brechen - das ist aber weit weniger schlimm als der Tod oder bleibende Hirnschäden.
Die meisten Fälle passieren zu Hause
Über 70 Prozent aller Herzstillstände ereignen sich im häuslichen Bereich. "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Angehöriger Hilfe braucht, ist also viel höher, als dass man einer fremden Person helfen muss", sagt Dr. Tanja Mansfeld vom Deutschen Roten Kreuz. Ihre Empfehlung: Erste-Hilfe-Kurse besuchen und im Notfall die 112 wählen. Die Leitstelle gibt am Telefon Anweisungen, wie die Wiederbelebung durchzuführen ist.
Was hält Menschen davon ab zu helfen? Vor allem Unwissenheit und die Angst, Fehler zu machen. "Aber das Einzige, was man falsch machen kann, ist, nichts zu tun", stellt Böttiger klar. Denn was in den ersten Minuten versäumt wird, können auch Ärzte im Krankenhaus nicht mehr aufholen.
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Datum: 16.02.2026 - 08:30 Uhr
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