3sat: "NANO TALK" über Leben im Multiversum
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(ots) - Was wäre, wenn unsere Wirklichkeit nur eine von vielen ist? Lange galt die Multiversum-Theorie als Science-Fiction oder rechnerische Spekulation. Neueste physikalische Berechnungen deuten darauf hin, dass unser Universum Teil einer weit größeren Struktur sein könnte. Was bedeutet das für uns Menschen, wenn wir nur ein winziger Teil in einem Kosmos aus unzähligen Blasen-Universen wären? Am Donnerstag, 26. März 2026, 21.00 Uhr, diskutiert Stephanie Rohde im "NANO TALK: Leben im Multiversum – Gibt es uns unendlich oft?" mit ihren Gästen darüber, welche Fragen diese kosmologischen Gedankenexperimente für unser Selbstverständnis aufwerfen.
Unendlichkeit als Voraussetzung für Multiversum-Theorien
Wir leben in einer Welt der Endlichkeiten: Lebenszeit, Ressourcen, Möglichkeiten sind begrenzt. Uns fehlt ein Gefühl für Unendlichkeit. Hier kann ein Gedankenexperiment des französischen Mathematikers Émile Borel nützlich sein: das Infinite-Monkey-Theorem. Es besagt, dass wenn unendlich viele Affen auf Schreibmaschinen zufällig herum tippen, irgendwann einer von ihnen unweigerlich "Hamlet" schreiben würde. Das Experiment veranschaulicht, wie Unendlichkeit selbst extrem unwahrscheinliche Ereignisse hervorbringt. Die Annahme von Unendlichkeit macht viele der diskutierten Multiversum-Szenarien überhaupt erst möglich und zwingt uns, unser Verständnis von Realität, Zufall und freiem Willen neu zu denken. Denn in einem unendlichen Multiversum wäre es denkbar, dass Kopien von uns existieren. Dann wären wir lediglich eine von unzähligen möglichen Varianten unseres Selbst. Eine Vorstellung, die unser Weltbild herausfordert.
Von Mythen zum Multiversum: Die Faszination paralleler Welten
Von Platons Ideenlehre über den Weltenbaum Yggdrasil aus der nordischen Mythologie bis zu modernen filmischen Erzählformen: Auf den Menschen hat die Vorstellung paralleler Wirklichkeiten schon immer eine Faszination ausgeübt. Über Jahrtausende und Kontinente hinweg findet sich ein bemerkenswert ähnliches Motiv: Die Wirklichkeit ist nicht einzigartig und das Sichtbare nicht alles. Diese Vorstellungen spiegeln eine zutiefst menschliche Intuition wider – lange bevor die moderne Physik ähnliche Konzepte mathematisch formuliert hat. In diesem Licht wirkt das Multiversum weniger wie eine wissenschaftliche Hypothese, sondern wie ein Spiegel unserer Sehnsucht danach, dass Möglichkeiten nicht vergehen und dass Wirklichkeit mehr sein könnte als das, was wir sehen. Was fasziniert uns an der Idee des Multiversums, das in so vielen Filmen und Serien neue Möglichkeiten unserer Existenz entwirft? Wenn die Expansion des Alls einem präzisen – wenn auch hochkomplexen – mathematischen Muster folgt: Bleibt dann noch Raum für Geist, Freiheit und Verantwortung? Darüber diskutiert Stephanie Rohde im "NANO TALK" mit Sibylle Anderl, Astrophysikerin, Philosophin, Wissenschaftsjournalistin und Co-Ressortleiterin "Wissen" bei der ZEIT, Simon Friederich, Wissenschaftsphilosoph an der Universität Groningen, sowie Jean-Luc Lehners, Physiker und Autor des Buches "Der Anfang von Raum und Zeit".
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Datum: 18.03.2026 - 15:35 Uhr
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