Der Mensch bleibt der Pilot: KI als strategische Führungsaufgabe im Projektmanagement

Der Mensch bleibt der Pilot: KI als strategische Führungsaufgabe im Projektmanagement

ID: 2241037

(ots) - Unter dem Motto "KI in Projekten anwenden" versammelten sich über 100 Projektverantwortliche im Frankfurt Airport Hilton zum ersten GPM Focus, einem neuen, praxisorientierten Arbeitsformat der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V.

Die zentrale Erkenntnis des Tages: Der Einsatz von KI ist kein reines IT-Thema, sondern primär eine Führungs- und Gestaltungsaufgabe, bei der der Mensch als "Pilot" die Letztverantwortung (Accountability) behält, während die KI als "Co-Pilot" operative Aufgaben (Responsibility) übernimmt.

In mehreren Workshops wurde zudem die Erkenntnis deutlich, dass Projekte heute häufiger an einem Mangel an Vertrauen als an technologischen Defiziten scheitern, weshalb Governance und Compliance als entscheidende Gestaltungsleitplanken definiert wurden, die Sicherheit im Umgang mit der neuen Technologie geben.

Die Experten betonten zudem, dass der erfolgreiche Einsatz von KI den Übergang von einem reinen "Tool-Denken" hin zu einem ganzheitlichen System-Denken erfordert, um die exponentielle technologische Entwicklung passgenau in den individuellen Projektkontext zu übersetzen. Letztlich soll der gezielte Einsatz von KI-Agenten, die zunehmend als aktive Teammitglieder agieren, den Projektleitern den Rücken freihalten, um wieder wertvolle Kapazitäten für die zwischenmenschliche Kommunikation und strategische Führung zu gewinnen.

Im Workshop "Leadership im KI-Zeitalter" erarbeiteten die Teilnehmenden unter Leitung von Marc Widmann einen Future Leadership Canvas, der verdeutlichte, dass KI zunehmend zum aktiven Teammitglied wird, das vorentscheidet und eskaliert. Ein Ethik-Check machte dabei deutlich, dass unterschiedliche KI-Modelle auf dieselbe moralische Fragestellung völlig verschieden reagieren können, weshalb die Steuerung dieser Modelle eine Kernkompetenz moderner Führungskräfte sein muss.

Der Workshop "KI-gestütztes Risikomanagement" mit Prof. Dr. Helge Frank Wild zeigte auf, dass der Einsatz von LLMs (Large Language Models) die Zufriedenheit im Risikomanagement überproportional steigert: "Risikomanagement ist das 'ungeliebte Kind' im Projektmanagement. Wir wissen jedoch, dass es nachweislich sehr positiv auf die Projekterfolgswahrscheinlichkeit wirkt", erklärte Helge Wild. Daher sei es nur folgerichtig, die Möglichkeiten und Grenzen der KI-Anwendung auszuloten. "Im Workshop haben wir von ganz einfachen bis sehr fortschrittlichen Methoden alles einmal angeschaut, ausprobiert und diskutiert. Die Teilnehmer werden jetzt mit ganz anderen, und vielleicht wohlwollenderen Augen, auf das Thema Projekt-Risiko-Management mit KI schauen", resümierte Wild.



Unter dem Titel "Wirksame Projektkommunikation mit KI" vermittelte Katrin Friedel, dass Kommunikation keine Frage des Talents, sondern der Struktur ist: "Projekte scheitern selten an schlechten Plänen, sie scheitern an Kommunikation, die nicht ankommt. In meinem Workshop haben wir genau das angeschaut: Warum erfahrene Projektmanagerinnen und Projektmanager trotz bester Absichten oft nicht das kommunizieren, was sie sagen wollen, und wie ein klares Framework gemeinsam mit KI dabei hilft, das zu ändern", berichtete Friedel. KI dient hierbei als wertvoller Sparringspartner, um Perspektivwechsel für verschiedene Stakeholder vorzunehmen, emotionale Justierungen in Drucksituationen vorzunehmen und komplexe Informationswüsten in entscheidungsrelevante Fakten zu verdichten.

Bernhard Schwab adressierte im Workshop "Wenn Mitarbeitende ausfallen" die Resilienz von Teams und demonstrierte, wie KI als digitaler Sparringspartner fachliches Wissen sichern und Expertiseverluste kompensieren kann. Besonders bei hoher Fluktuation oder Krankheit hilft die KI dabei, Wissen schnell zu rekonstruieren und auch jüngere Teammitglieder sicher durch komplexe Aufgaben zu führen.

Im Fokus von Tanja Försters Workshop "KI-Tools & Microsoft 365 Copilot" stand die Nutzung von Bordmitteln anstatt eines unübersichtlichen "Tool-Zoos". Die Teilnehmenden erarbeiteten konkrete Workflows, um administrative Aufgaben wie Meeting-Zusammenfassungen und E-Mail-Sortierung an die KI zu delegieren, damit Projektleiter wieder mehr Freiraum für die persönliche Kommunikation gewinnen.

Der "PM KI Design Sprint" von Torsten J. Koerting und Anja Holz bot ein Framework, um den gesamten Projektlebenszyklus systematisch nach KI-Nutzenpotenzialen zu durchleuchten. Ziel war der Transfer der exponentiell wachsenden technologischen Möglichkeiten in den konkreten individuellen Projektkontext, wobei jeder Teilnehmer einen eigenen KI-Einsatzplan für seine spezifischen Rahmenbedingungen entwickelte.

Michael Schmid und Carsten Wittmann zeigten im Workshop "Governance & Vertrauen", dass Projekte heute häufiger an Vertrauensverlust als an technologischem Versagen scheitern. Sie positionierten Compliance und Datenschutz nicht als Bremse, sondern als Gestaltungswerkzeug, das dem Team Sicherheit gibt und klare Leitplanken für den verantwortungsvollen Umgang mit Daten setzt.

Zum Abschluss der Veranstaltung entwarfen die Teilnehmenden im Plenum erste Skizzen für ihre eigenen KI-Agenten, die über reines Prompting hinausgehen und als automatisierte digitale Projektmitarbeiter zukünftig echte Entlastung im Alltag bieten sollen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung: www.gpm-ipma.de/focus26-trends

Pressekontakt:

Sebastian Wieschowski
GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.
E-Mail: s.wieschowski@gpm-ipma.de
Internet: https://www.gpm-ipma.de
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