Zirkulärer Wirtschaftsstandort

Zirkulärer Wirtschaftsstandort

ID: 2241472

Mit starker Vernetzung und innovativen Projekten Kreislaufwirtschaft fördern und nachhaltiges Wachstum schaffen.



(PresseBox) - Stellen wir uns eine Stadt vor, in der Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft in geschlossenen Kreisläufen zusammenspielen: Gebäude sind modular und langlebig konzipiert, Materialien lassen sich sortenrein zurückbauen und erneut einsetzen. Erneuerbare Energien sichern die Versorgung, Wasser- und Abfallsysteme folgen regenerativen Prinzipien. Produkte werden repariert statt entsorgt und digitale Plattformen erleichtern Tausch und gemeinsame Nutzung. In begrünten Quartieren entstehen Orte der Begegnung, wo Reparaturinitiativen, Secondhand-Angebote und Sharing-Modelle den Alltag prägen. So wächst eine urbane Gemeinschaft, die Ressourcen schont und soziale Nähe stärkt. Mit der Idee der Kreislaufstadt und einem klar definierten städtischen Leitbild als realistisches Zukunftsmodell für urbane Räume, liegt es in der Hand von Städten und Gemeinden, Grundlagen für mehr Resilienz, Lebensqualität und Unabhängigkeit zu schaffen.

Die Stadt Haar bei München hat dies lange erkannt und geschärft als Circular City gleichzeitig ihr Profil als innovativer Wirtschaftsstandort. Mit der Unterzeichnung der europäischen Circular Cities Declaration (CCD) verpflichtet sich Haar als aktiver Gestalter nachhaltiger Wirtschaftsprozesse freiwillig, die Grundsätze einer konsequenten Kreislaufwirtschaft einzuhalten. Vernetzung und Innovation stehen dabei immer im Fokus. „Die linear ausgerichtete Wirtschaft nach dem Prinzip take–make–waste hat ausgedient. Haar will diesem Wandel nicht zuschauen, sondern ihn aktiv gestalten“, sagt Dr.

Mit dem Circular Summit hat die Stadt dafür ein zentrales Forum geschaffen, das 2025 erstmals rund 160 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vereinte. In Keynotes und Diskussionspanels wurden Impulse und Lösungswege entwickelt, wie sich Stoffkreisläufe gemeinsam schließen lassen, welche Chancen KI und Digitalisierung bieten und wie rechtliche Rahmenbedingungen als Motor für Innovationen genutzt werden können. Viele Teilnehmende nutzen die Gelegenheit, direkt neue Projekte anzustoßen – von neu gedachten Baustoffen bis zu zirkulären Wasserzählern oder digitalen Produktpässen. Nach dem erfolgreichen Auftakt soll der Summit künftig regelmäßig in Haar stattfinden. Über Pitches auf der Circular Impact Procurement Initiative (CIPI) des Yunus Environment Hub sucht die Stadt gezielt auch den Schulterschluss zu internationalen Partnern.



Zahlreiche Praxisbeispiele zeigen, wie umfassend der Wandel zur Kreislaufwirtschaft in Haar bereits umgesetzt wurde. Im geplanten Business Campus der Stadt werden zirkuläre Prinzipien bereits in die Planung integriert, ebenso bei der Revitalisierung brachliegender Gewerbe- und Industrieflächen. „Wachstum und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch. In Haar finden Unternehmen optimale Rahmenbedingungen, um zirkuläres Wirtschaften erfolgreich umzusetzen“, betont Andreas Bukowski. Durch das Projekt „Digitaler Zwilling“ wird die infrastrukturelle Unterstützung auf ein neues Niveau gehoben, indem Gebäude, Straßen und weitere Infrastrukturen digital abgebildet und perspektivisch um detaillierte Daten zu Materialien, Energieverbrauch und Zustand ergänzt werden. Digitale Gebäudepässe sollen transparent machen, welche Rohstoffe in Gebäuden stecken, um bei Sanierungen oder Abrissen sinnvoll wiederverwendet oder recycelt zu werden. Simulationen testen im Vorfeld, wie Ressourcen geschont und Kreisläufe geschlossen werden.

Kein Müll soll zurückbleiben, alle Materialien wiederverwendbar sein: Nach dem Vorbild der Natur entsteht in Haar das neue Jugendzentrum. Bei Planung und Bau wird auf sortenreine, rückbaubare Komponenten statt auf Verbundstoffe gesetzt. Im Innenbereich kommen überwiegend C2C-zertifizierte Produkte wie Bodenbeläge aus recyceltem Kautschuk oder Möbel aus aufbereiteten Textilien zum Einsatz. Die Gebäudehülle soll aus einer kreislauffähigen Holz-Stroh-Konstruktion bestehen, außerdem sind ein integriertes Regenwassermanagement und die Energieversorgung über eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher aus Recyclingkomponenten geplant. Ein weiteres Projekt in der Umsetzung ist der Bau eines kreisförmigen Müll- und Gerätehauses aus Recyclingbeton und Holz mit Gründach.

Um den zirkulären Gedanken auch in Verwaltung und Alltag der Bürger zu verankern, informiert das monatliche Rathaus-Blatt über Wege zu einem kreislauffähigen Lebensstil, gedruckt in einer C2C-zertifizierten Druckerei. Mehrwegsysteme, Repair-Cafés, Kleidertauschpartys und Initiativen wie „Haar geht den Mehrweg“, ein Test für ein kommunales Mehrwegsystem, minimieren Abfallströme und sensibilisieren. Der Wertstoffhof wurde bereits zum „Mehrwerthof“ für alle Bürger weiterentwickelt: mit Upcycling-Stationen, Second-Hand-Börse, Büchergarage und sortenreiner Materialsammlung.

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Datum: 31.03.2026 - 08:00 Uhr
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