Firmengeheimnisse in der Cloud: Wie sicher sind KI-Anwendungen wirklich?

Firmengeheimnisse in der Cloud: Wie sicher sind KI-Anwendungen wirklich?

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(ots) - Immer mehr Unternehmen integrieren KI-Tools in ihre Prozesse – von Vertragsanalysen über Marketingtexte bis hin zu internen Entscheidungsmodellen. Doch oft müssen dazu sensible Daten in cloudbasierte Systeme eingespeist werden, deren Infrastruktur außerhalb des eigenen Unternehmens liegt. Damit rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Wie sicher sind Geschäftsgeheimnisse, Kundendaten und strategische Informationen, wenn cloudbasierte KI-Anwendungen im Hintergrund mitlernen?

Viele Unternehmen unterschätzen, dass KI nicht nur ein Effizienztool ist, sondern auch ein Datenrisiko sein kann. Hier erfahren Sie, welche rechtlichen und technischen Risiken bestehen, wie sich Datenlecks vermeiden lassen und welche Sicherheitsstandards erfüllt sein sollten, bevor sensible Informationen in KI-Systeme eingespeist werden.

Vertraulichkeit: Wer Zugriff auf die Daten hat

Das drängendste Risiko einer Cloud-KI betrifft die Vertraulichkeit. Dahinter stehen zwei Fragen. Erstens: Wie gut schützt der Anbieter die Daten seiner Nutzer? Nicht jedes Unternehmen, das KI anbietet, verfügt über starke Sicherheitsmaßnahmen. Kommt es zu einem Datenleck, können eingegebene Informationen öffentlich und dann kaum noch kontrolliert werden.

Zweitens geht es darum, wofür der Anbieter die Daten selbst nutzt. Viele Cloud-KI-Systeme verwenden Eingaben standardmäßig für das weitere Training ihrer Modelle. Das bedeutet: Daten könnten theoretisch bei späteren Abfragen wieder auftauchen. Teilweise lässt sich diese Nutzung deaktivieren. Bei vielen integrierten KI-Funktionen in bestehenden Cloud-Anwendungen fehlt diese Möglichkeit jedoch. Fast jede größere Cloud-Anwendung bringt heute irgendeine KI-Funktion mit. Was mit den eingegebenen Daten geschieht, bleibt für Nutzer dabei oft unklar.

Gerade für Unternehmen ist das riskant. Denn wer Kundendaten, interne Notizen oder projektspezifische Informationen eingibt, gibt unter Umständen Inhalte preis, die klar dem eigenen Haus zuzuordnen sind. Werden sie öffentlich, leidet nicht nur der Ruf. Auch rechtliche Folgen sind möglich.



Integrität: Wenn Auswertungen auf falschen Grundlagen beruhen

Ein weiteres Risiko ist die Integrität der Daten. Gemeint ist damit die Frage, ob die verarbeiteten Informationen korrekt und unverändert bleiben. Wer Daten in eine KI eingibt und anschließend Abfragen darauf aufbaut, geht meist davon aus, dass die Grundlage stimmt. Genau das ist aber nicht immer der Fall.

KI-Systeme können Inhalte verfälschen, falsch deuten oder fehlerhafte Ergebnisse liefern. Das fällt nicht immer sofort auf. Gerade darin liegt die Gefahr. Denn Entscheidungen werden dann auf einer Basis getroffen, die nicht verlässlich ist. Statt Klarheit entsteht Unsinn, mitunter an Stellen, an denen Präzision unverzichtbar ist.

Besonders kritisch ist das bei Auswertungen, Dokumenten oder Analysen, auf die sich Unternehmen verlassen. Offene Fehler lassen sich oft noch erkennen. Schwieriger sind die kleinen Abweichungen, die erst auffallen, wenn bereits ein Schaden entstanden ist.

Verfügbarkeit: Wenn ein System plötzlich nicht mehr da ist

Neben Vertraulichkeit und Integrität spielt auch die Verfügbarkeit eine zentrale Rolle. Ein KI-Werkzeug hilft nur dann dauerhaft, wenn es morgen noch ebenso nutzbar ist wie heute. Gerade bei Funktionen, die als Beta-Version in ein Cloud-Produkt eingebaut wurden, ist das keineswegs sicher.

Anbieter können Funktionen wieder abschalten, stark verändern oder ganz einstellen, wenn sie sich im Einsatz nicht bewähren. Für Unternehmen kann das zum ernsten Problem werden. Denn vielleicht wurden bereits Daten eingegeben, Abläufe darauf abgestimmt oder feste Prozesse aufgebaut. Fällt die Funktion dann weg, sind Daten womöglich nicht mehr zugänglich oder nicht mehr sinnvoll nutzbar. Gleichzeitig muss schnell Ersatz gefunden werden.

Wer eine Cloud-KI produktiv einsetzt, sollte daher nicht nur fragen, wie modern das System ist. Ebenso wichtig ist, wie stabil der Anbieter aufgestellt ist und wie verlässlich seine Lösung langfristig bleibt.

Was Unternehmen konkret tun können

Ganz schutzlos sind Unternehmen nicht. Beim Thema Vertraulichkeit lässt sich zumindest ein Teil des Risikos durch klare vertragliche Regelungen mindern. Wer mit dem KI-Anbieter festhält, dass eingegebene Daten nicht für Trainingszwecke genutzt werden dürfen, schafft eine verbindliche Grundlage.

Eine andere Möglichkeit sicherzustellen, dass eine Cloud-KI den eigenen Sicherheitsstandards entspricht, ist, auf einschlägige Zertifizierungen des Cloud-KI-Anbieters zu achten: Zertifizierungen nach den internationalen Standards ISO 27001 und 27017 oder dem deutschen Standard BSI C5 zeigen meist, dass ein Unternehmen gut aufgestellt ist.

Reicht das nicht aus, bleibt nur der konsequenteste Weg: eine eigene KI auf der eigenen Infrastruktur. Das heißt, die Lösung läuft auf einem unternehmenseigenen Server, wird selbst betrieben und gegebenenfalls auch selbst trainiert. Einfach ist das nicht. Der Aufwand ist deutlich höher als die fertige Cloud-KI-Lösung “von der Stange” zu nutzen, technisch wie organisatorisch. Dafür bleibt die Kontrolle dort, wo sie hingehört: im eigenen Unternehmen.

Wenn Datenschutz und Vertraulichkeit keine Kompromisse erlauben, ist aber genau das oft die sicherste Lösung. Cloud-KI kann viel leisten. Blindes Vertrauen ist jedoch fehl am Platz. Wer die Risiken kennt und sauber prüft, nutzt die Technik klüger und deutlich sicherer.

Über Joachim Reinke

Joachim Reinke ist Experte für Informationssicherheit und Mitglied des Teams von einfachISO. Er begleitet IT-Dienstleister, Software-Agenturen und SaaS-Unternehmen auf ihrem Weg zur ISO 27001-Zertifizierung. Sein Schwerpunkt liegt auf klar strukturierten, praxisnahen Lösungen speziell für kleine und mittlere Unternehmen. Bereits über 100 Unternehmen hat er erfolgreich bis zur Zertifizierung geführt. Weitere Informationen unter: https://einfachiso.de/

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