Besuch bei Studio Wachowicz/Fret und Grotowski Institut - Wroclaw, Polen …

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ID: 2248530

THE BORDER und MAIDS (ZOFEN)-Materials: Zwei Inszenierungen des Studio Wachowicz/Fret mit hervorragenden Darstellerinnen, die lange nachhallen



Foto PPS-Bauer, MAIDS MATERIAL Monika Wachowicz, Linora Dinga und Mara OprisFoto PPS-Bauer, MAIDS MATERIAL Monika Wachowicz, Linora Dinga und Mara Opris

(firmenpresse) - Monika Wachowicz schloss ihr Studium der Philosophie an der Schlesischen Universität in Kattowitz ab. Sie ist Schauspielerin, Theaterpädagogin, Dozentin und Organisatorin von Theaterveranstaltungen. Seit 2021 arbeitet sie in Zusammenarbeit mit dem Grotowski-Institut in Breslau.
Jaroslaw Fret ist Gründer und Leiter von Teatr ZAR, Theaterregisseur und Schauspieler sowie Direktor des Grotowski-Instituts. Er hat mehrere Aufführungen, Konzerte, Filme und eine Oper inszeniert. Zudem hat er zahlreiche polnische und internationale Projekte des Grotowski-Instituts initiiert und koordiniert.


The Border

Zu Beginn erscheint ein eher feminines Gesicht auf dem Bildschirm, trägt eine vom Krieg gezeichnete Uniform der ukrainischen Armee, spricht ruhig, beinahe zart - ein schlichtes Self-Tape, irgendwo an der Front aufgenommen.

Diese Soldatin nennt sich Antonina Romanova, eine nicht-binäre Künstler*in, die mit ihrem Mann, ebenfalls dem Theater verbunden, in Kyiv lebte, als Russland im Februar 2022 die Ukraine überfiel. Doch Flucht ist den beiden nicht fremd: Schon 2014 mussten sie ihre Heimat, die Krim, verlassen, als die von Russland annektiert wurde. Nach einer einzigen Nacht im Luftschutzkeller von Kyiv fassen sie einen Entschluss - nicht noch einmal fliehen, nicht im Verborgenen leben, sondern sich den Streitkräften anschließen und für Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben kämpfen.

Hier setzt die eindringliche Hommage des Studio Wachowicz/Fret an: In nur vierzig Minuten verdichtet sich eine Welt aus Druck, Gefahr und Hoffnung - der Krieg selbst ebenso wie der lange, oft mühsame Weg hin zu gleichen Rechten für schwule, trans und nicht-binäre Menschen.
Dabei erhebt die Inszenierung die dringliche Forderung, dass Stimmen wie die von Romanova nicht verstummen dürfen - selbst dann nicht, wenn der Krieg ihnen die Ausübung ihrer Kunst beinahe unmöglich macht.


The Maids-Material

Die Textflächen dieser Arbeit speisen sich aus "Die Zofen" von Jean Genet, aus "Stabat Mater Furiosa" von Jean-Pierre Simeon und aus "Dying As a Country" von Dimitris Dimitriadis. Entstanden ist die Inszenierung am Grotowski Institute in Wroc?aw; sie dauert fünfundsiebzig Minuten - doch wirkt noch lange nach.



Alles führt zurück ins Jahr 1970 zu einem Festival im iranischen Shiraz. Dort verabschiedet sich Jerzy Grotowski vom inszenierten Theater und hommagiert zugleich Jean Genet, dessen Sprache er als "Wort der Menschheit" begreift. Aus diesem Moment heraus entfaltet die Regie von Jaroslaw Fret ein Geflecht aus Texten, Stimmen und Fragmenten. Aus einem Augenblick, halb Abschied, halb Verheißung, wächst The Maids (Die Zofen) - Materials, ein Geflecht von Stimmen, in dem sich Genets Text mit Simeons Klage, Dimitriadis düsterer Vision und selbst mit den Artikeln der französischen Verfassung verschränkt, als würde Sprache hier zugleich Zuflucht und Kampfplatz sein.

Drei Frauen, aus verschiedenen Teilen Europas, sitzen in einem Schutzraum für Geflüchtete. Sie spielen. Sie proben. In einer Abfolge unterschiedlicher Spiele und intimer Mikro-Performances versuchen die drei, ihre verborgenen Identitäten freizulegen und sich dem Publikum mitzuteilen, in einer Sprache, die sie gerade erst erfinden und die ihnen doch immer wieder entgleitet. Diese Begegnung, die zwischen Vorsprechen und Bewerbungsgespräch bei einer Arbeitsvermittlung oszilliert, verschiebt die Frage nach Identität in den Hintergrund. In den Vordergrund tritt etwas Drängenderes: Würde - hier und jetzt.

Auf der Bühne begegnen sich Künstlerinnen unterschiedlicher Herkunft: die Pädagogin/Darstellerin Monika Wachowicz (Polen) und die Schauspielerinnen Linora Dinga (Portugal) und Mara Opris aus Rumänien.
Ihre Stimmen überlagern sich, widersprechen einander, finden sich neu - und lassen etwas entstehen, das vielleicht mehr ist als Theater: eine fragile, flüchtige Behauptung von Menschlichkeit.

Auch bei dieser Performance hat mich eine Inszenierung der Güte von Wachowicz/Fret in ihren Bann gezogen, war ich von einer Vorstellung diesen Kalibers gefesselt.



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Datum: 03.05.2026 - 12:40 Uhr
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