App statt Arzt - Systemänderung zu Lasten der gesetzlich Versicherten geplant
ID: 2248658

(ots) - Die Digitalstrategie aus dem Hause Warken zeigt in der Umsetzung des Referentenentwurfs zum neuen "Gesetz für Daten und digitale Innovation (GeDIG)" das Ziel einer grundlegenden Veränderung des Gesundheitswesens, das vor allem gesetzlich Versicherte betrifft.
Im Koalitionsvertrag von 2025 wurde angekündigt, ein "verpflichtendes Primärarztsystem" in Deutschland einzuführen. Würde bedeuten, dass Patienten immer zuerst zu Hausärztin oder Hausarzt gehen müssen, um sich eine Überweisung zum Facharzt zu holen. Eindeutiger Plan von Politik und Kassen dabei: Die Inanspruchnahme und damit auch die Finanzierung der Arztpraxen im ambulanten System zu reduzieren, obgleich die ambulanten Praxen in der Versorgung am kostengünstigsten sind.
"Die Probleme bei dieser Zielsetzung wurden aber auch schnell klar", erklärt Dr. Silke Lüder, Fachärztin für Allgemeinmedizin und stellvertretende Bundesvorsitzende der Freien Ärzteschaft heute in Hamburg. "Jetzt sind schon 5000 Hausarztsitze bundesweit unbesetzt, und es werden in den nächsten Jahren sicher noch mehr werden. Seit Monaten wird nun nicht mehr vom 'Primärarztsystem', sondern stattdessen von einem 'Primärversorgungssystem' gesprochen", so Lüder. Und hier geht es absolut nicht um ein semantisches Problem - hier wird ein völlig anderes System geplant!"
"Künftig soll über eine App zur elektronischen Patientenakte unter Verwaltung der Krankenkassen der Patient eine verpflichtende Ersteinschätzungs-APP durchlaufen. Also zum Beispiel 30 Fragen beantworten, wie beim bisher in der Notfallmedizin genutzten SMED-Algorithmus. Dann leitet die Kassen-APP ihn weiter an eine Terminbuchungsplattform. Das Ergebnis der 30 Fragen wird der Kasse offen angezeigt. Dabei kann das Resultat sein: Zuhause bleiben, Arztbesuch nicht nötig. Oder: Morgen zum Hausarzt, oder: Der Patient wird zur Terminbuchungsplattform weitergeleitet, um sich einen Facharzttermin zu besorgen. Da die Politik bei der Facharztmedizin jedoch deutlich sparen will, wird es dort künftig deutlich weniger Termine geben. Der Patient hat also nach dem Konzept des 'GeDIG' in Zukunft keine Möglichkeit eines einfachen, direkten Zugangs zum Arzt oder zur Ärztin mehr - weder zur Hausärztin noch zum Facharzt. Freie Arztwahl ist dann genauso abgeschafft wie eine sinnvolle unabhängige Steuerung, die bisher meistens durch die Arztpraxen erfolgt.", kritisiert Lüder. "Die Politik wird es nicht zugeben. Aber hier erfahren die gesetzlich Versicherten offenkundig eine deutliche Leistungseinschränkung", ergänzt Lüder. "Und es werden natürlich alle Bürger ausgegrenzt, die keinen Zugang zur ePA-App nutzen können - und damit wird auch die vermeintliche Freiwilligkeit zur Teilnahme an der e-Patientenakte kompromittiert".
Krankenkassenziel: Vom Payer zum Player
Seit Jahrzehnten geplant, kommen die Krankenkassen diesem Ziel jetzt nahe: Sie können laut dem Gesetzentwurf zum GeDIG nicht nur deutlich mehr Daten auswerten als bisher. Zusätzlich dürfen Kassenmitarbeiter direkt auf die Versicherten zugehen, oder sie beraten, zum Beispiel nach Auswertung ihrer schon vorhandenen Daten (Raucherstatus, Gewicht, Alkoholabusus usw.). Das ist bisher die verantwortungsvolle Aufgabe des Haus- oder Facharztes, und unter einem geschützten Vertrauensverhältnis ja auch häufig erfolgreich, so Lüder. "Eine so genannte Beratung durch fraglich kompetente Krankenkassenmitarbeiter ist da eher kontraproduktiv. Politik und Krankenkassen legen hier die Axt an unser Gesundheitswesen mit hoch professionalisierten Ärztinnen und Ärzten, die im Interesse ihrer Patienten handeln - aber ohne ihre Ziele ehrlich zu kommunizieren. Diese Systemänderung muss gestoppt werden!
Über die Freie Ärzteschaft e.V.
Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf als freien Beruf verteidigt. Er wurde 2004 gegründet und vertritt vorwiegend niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.
Pressekontakt:
V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V.,
Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen, Tel.: 0201 68586090,
E-Mail: mail@freie-aerzteschaft.de, www.freie-aerzteschaft.de
Original-Content von: Freie Ärzteschaft e.V., übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 04.05.2026 - 10:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2248658
Anzahl Zeichen: 4721
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Essen/Hamburg
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Diese Pressemitteilung wurde bisher 161 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"App statt Arzt - Systemänderung zu Lasten der gesetzlich Versicherten geplant"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Freie Ärzteschaft e.V. (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Trotz der massiven Kritik derer, die in Deutschland Medizin machen, wollen Ministerin Warken und die Bundesregierung ihr Gesundheits-Spargesetz Ende Juni in erster Lesung durch den Bundestag bringen. "Mit Ignoranz wird im Gesundheitswesen am falschen Ende gespart und rationiert, und letztlich w
Freie Ärzteschaft: "Kassen-App statt Arzt" ist keine Lösung für die Medizin der Zukunft! ...
Der neue Referentenentwurf für das "Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG)" war beim 130. Deutschen Ärztetag in Hannover ein zentraler Schwerpunkt. Bereits in der Eröffnungsveranstaltung wurde der neue Gesetzentwurf als "völlig übergriffig" bez
Freie Ärzteschaft Nordrhein: Nicht kostendeckende Behandlungen können von Ärztinnen und Ärzten immer weniger erbracht werden ...
"Infolge des geplanten Spargesetzes in der gesetzlichen Krankenversicherung ist zu erwarten, dass ärztliche Leistungen, die bisher gerade noch kostendeckend waren, künftig unterhalb der betriebswirtschaftlichen Kostendeckung vergütet werden", erklärt Wolfgang Bartels, Orthopäde und Mi
Weitere Mitteilungen von Freie Ärzteschaft e.V.
Studie und Film der R+V Versicherung zeigen: Mentale Belastung von Familien sehr hoch / Familien unter Dauerdruck: Tabuthema offen ansprechen ...
Die Zahlen sind deutlich: Vier von fünf Familien in Deutschland fühlen sich im Alltag mental belastet. Dies zeigt eine repräsentative Familienstudie der R+V Versicherung. Der Spagat zwischen Familie, Arbeit und Alltag kann auf Dauer krank machen - und einfach weitermachen hilft nicht. Sichtbar wi
Neue Studie zum Alkoholkonsum Jugendlicher: Prävention bleibt wichtig ...
Mehr als zwölf Prozent der Jugendlichen in Deutschland weisen Hinweise auf ein problematisches Trinkverhalten auf. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Stiftung Gesundheitswissen hervor, für die 2.006 Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren befragt wurden. Die Ergebnisse machen deutlich:
KörperManagement zeigt Unternehmen den strukturierten Weg zur Betrieblichen Gesundheitsförderung ...
Weiterstadt, 04. Mai 2026. KörperManagement informiert Unternehmen in einem Beitrag vom 23. April 2026 darüber, wie sich der Steuerfreibetrag von bis zu 600 Euro pro Mitarbeitendem für Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) einsetzen lässt. Der Anlass ist für Arbeitgeber relev
Tai Chi Zentrum Koblenz präsentiert Wochenendkurs zur Tai Chi Schwertform ...
Koblenz, 30.05.2026 - Das renommierte Tai Chi Zentrum Koblenz leitet den Sommer 2026 mit einem exklusiven Workshop für die Handhabung der traditionellen Tai Chi Schwertform ein. Am 30. und 31. Mai, bietet das Zentrum einen Wochenendkurs, welcher einen umfassenden Einblick in die Schwerform des Yang




