Bündnis Zukunft Presse zeichnet / Jimmy Lai, Cathrin Kahlweit und Jan Jessen mit dem Pressefreiheitspreis aus
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(ots) - Bundestagspräsidentin Julia Klöckner: Pressefreiheit ist Voraussetzung dafür, dass Demokratie atmen kann | Preisträger unterstreichen Bedeutung unabhängiger Berichterstattung für Demokratie und Freiheit | Mit 30.000 Euro dotierter Preis vom Bündnis Zukunft Presse in Berlin verliehen
Der inhaftierte Hongkonger Verleger Jimmy Lai, die langjährige Österreich-Korrespondentin der "Süddeutschen Zeitung" Cathrin Kahlweit sowie der Krisen- und Konfliktjournalist der FUNKE Mediengruppe Jan Jessen sind heute Abend in Berlin mit dem Pressefreiheitspreis des Bündnisses Zukunft Presse ausgezeichnet worden. Damit würdigen die im Bündnis vereinten Organisationen - der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der Medienverband der freien Presse (MVFP) - drei herausragende Persönlichkeiten, die unter schwierigen Bedingungen für Pressefreiheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit der Informationen einstehen.
Julia Klöckner, Präsidentin des Deutschen Bundestages und Schirmherrin der Veranstaltung, hob in ihrer Keynote vor rund 160 Gästen aus Medien, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Bedeutung freier Presse als Grundlage demokratischer Ordnung hervor: "Das beste Mittel gegen Unrecht ist Demokratie. Sie braucht freie Presse. Und freie Presse braucht Demokratie. Wenn Journalistinnen und Journalisten Gewalt erleben und in die Selbstzensur gedrängt werden, ist das daher kein privates Berufsrisiko. Es fordert die wehrhafte Demokratie heraus. Pressefreiheit ist kein Luxus. Sie ist die Bedingung dafür, dass Demokratie atmen kann. Deshalb: Streiten wir über Themen. Und schützen wir die, die sie ans Licht bringen. Das schulden wir übrigens auch denjenigen, die in Autokratien für Pressefreiheit kämpfen."
Die Laudatio auf Jimmy Lai hielt die Ukrainerin Oksana Brovko, CEO der Association of Independent Regional Press Publishers of Ukraine (AIRPPU) in Kiew. "Diese Auszeichnung gilt Jimmy Lai. Aber sie steht auch für etwas Größeres. Sie steht für den Moment, in dem ein Mensch entscheidet, nicht zurückzuweichen", würdigte Brovko Lais Kampf für Demokratie und Pressefreiheit in Hongkong. "Freiheit geht nicht verloren, wenn sie angegriffen wird. Sie geht verloren, wenn wir uns entscheiden, sie nicht zu verteidigen."*
Den Preis nahm stellvertretend Sebastian Lai, einer der Söhne Jimmy Lais, in Berlin entgegen. In seiner Ansprache machte er auf die dramatische Situation seines Vaters aufmerksam und betonte die Dringlichkeit internationaler Unterstützung: "Mein Vater ist ein Mann von Stärke, Mut und Überzeugung. Doch nachdem er nun fast 2.000 Tage in Einzelhaft verbracht hat, steht sein Leben auf dem Spiel. Die heutige Auszeichnung ist ein weiterer wichtiger Meilenstein in der internationalen Kampagne für die Freilassung meines Vaters, bevor es zu spät ist. Wir würdigen alles, was er für Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechte geleistet hat, und treten gemeinsam für seine Freilassung ein."**
Annette Ramelsberger, Gerichtsreporterin der Süddeutschen Zeitung und selbst mehrfach preisgekürt, würdigte in ihrer Laudatio Cathrin Kahlweit als eindringliche Stimme des Auslandsjournalismus: "Cathrin Kahlweit ist nicht nur eine mutige, eine furchtlose Krisenreporterin, sie ist viel mehr - glasklare Analytikerin, unbestechliche politische Beobachterin. Und: Sie mag die Menschen, über die sie berichtet. Sie sind nicht nur Futter für ihre Story. Sie ist zu ihrer Stimme geworden."
"Dass es zum Maidan kam, zur Selbstermächtigung einer ganzen Gesellschaft, das war auch mutigen Journalisten zu verdanken, die ein korruptes und Moskau-höriges Regime anprangerten. Sie wirkten mit am Fundament für ein neues Selbstbewusstsein, eine neue Unduldsamkeit, einen neuen contract sociale - denn auch dazu braucht es die Vielstimmigkeit einer freien Presse in einer jungen Demokratie", betonte Cathrin Kahlweit in ihrer Dankesrede die Rolle des unabhängigen Journalismus für demokratische Transformationsprozesse. "Der russische Krieg gegen die Ukraine war und ist auch ein Versuch, den freien Willen einer Nation abzutöten. Todesmutige Menschen in den besetzten Gebieten und Journalisten in der freien Ukraine kämpfen dagegen an."
Für Jan Jessen laudatierte Susanne Koelbl, Auslandskorrespondentin des SPIEGEL und Preisträgerin 2025 des Pressefreiheitspreises. "Jan Jessen berichtet aus den Kriegen, was die Gewalt mit dem Leben der Menschen macht", betonte Koelbl in ihrer Rede. "Er ist ein Vorbild für die Branche und Kollegen. Er zeigt, dass es mit Mut und Entschlossenheit möglich ist, sich aufzumachen, um sich vor Ort ein Bild zu machen und hinter die Kulissen der Weltpolitik zu sehen. Etwas, das die KI niemals ersetzen wird."
Jan Jessen machte in seiner Annahmerede deutlich, dass er die Auszeichnung nicht nur als wichtige Wertschätzung seiner Arbeit verstehe. "Ich nehme ihn stellvertretend für all die Kolleginnen und Kollegen an, die draußen sind und ihr Leben und ihre Freiheit riskieren, um sich der Wahrheit anzunähern. Der Informationsraum wird mit immer mehr Desinformationskampagnen und Fake News geflutet. Wir müssen weiter dagegenhalten."
Philipp Welte, Vorstandsvorsitzender des MVFP und Sprecher des Bündnisses, betonte bei der Preisverleihung: "Für uns in der Welt der Verlage ist Pressefreiheit nicht nur ein Recht - sie ist den Verlagen und den Familien, die hinter ihnen stehen, Verpflichtung. Und sie ist eine Leistung von Journalistinnen und Journalisten, die recherchieren, einordnen und publizieren und dafür einstehen, dass die Wahrheit nicht zum Gerücht verkommt." Matthias Ditzen-Blanke, Vorstandsvorsitzender BDZV und ebenfalls Sprecher des Bündnisses, unterstrich: "Dieser Abend ist ein Signal. Ein Signal nach innen - in unsere Branche. Und ebenso nach außen - in Gesellschaft und Politik. Denn die Preisträgerinnen und Preisträger dieses Abends stehen für das, was Pressefreiheit heute bedeutet: für Verantwortung. Für Wirkung. Und für Journalismus, der Orientierung schafft. Diese Form von Journalismus braucht Rahmenbedingungen, die die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten ermöglichen und sichern."
Die Preisverleihung fand als "Abend der Pressefreiheit" in der Vertretung des Freistaates Bayern beim Bund in Berlin statt. Durch den Abend führte Tatjana Ohm, Journalistin, Chefmoderatorin und Mitglied der Chefredaktion von WELT TV.
Der Pressefreiheitspreis: Ein Impuls für die Branche
Der mit je 10.000 Euro dotierte Pressefreiheitspreis ehrt Journalistinnen und Journalisten, Verlage sowie Organisationen, die trotz widriger Bedingungen für die Freiheit der Presse und damit für die Freiheit der Meinung einstehen - und die in ihrer Arbeit zeigen, was professionellen Journalismus im Kern ausmacht: Verantwortung, Verlässlichkeit und Vielfalt.
Die Auszeichnung versteht sich zugleich als Appell an Politik und Gesellschaft: Eine liberale Demokratie braucht eine ökonomisch stabile und unabhängige Presselandschaft. Investitionen in die journalistische Infrastruktur - ob in Lokalredaktionen oder in der Auslandsberichterstattung - sind direkte Investitionen in die Stabilität unserer Demokratie.
*Original-Zitat Oksana Brovko: "This award is about Jimmy Lai. But it is also about something bigger. It is about that moment when a person decides not to step back. Freedom is not lost when it is attacked. It is lost when we decide not to defend it."
**Original-Zitat Sebastian Lai: "My father is a man of strength, courage and conviction, but as he nears 2000 days in solitary confinement, his life hangs in the balance. Today's award is another important marker in the international campaign to free my father before it is too late. As we applaud all he has done for democracy, press freedom and human rights, we stand together to demand his release."
Druckfähige Fotos der Veranstaltung finden Sie im Laufe des Abends hier.
Pressekontakt:
Anja Pasquay
Leiterin Kommunikation
Telefon: 030/726298-214
E-Mai pasquay@bdzv.de
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Datum: 06.05.2026 - 20:26 Uhr
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