Krise der Transportbranche verschärft sich

Krise der Transportbranche verschärft sich

ID: 2249660

(ots) -
- Zahl der Insolvenzen bei Speditionen dürfte 2026 deutlich steigen
- Jedes vierte kleine und mittelständische Unternehmen akut gefährdet
- Steigende Lebensmittelpreise zu erwarten
- Nichtzahlungsmeldungen liegen nach vier Monaten bereits über den Gesamtzahlen der Vorjahre

Die Logistikbranche ist durch die Eskalation im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus massiven Belastungen ausgesetzt. Hohe Dieselpreise, schwache Margen, steigende Personalkosten und intensiver Wettbewerbsdruck sorgen für eine zunehmende Anspannung der Lage. "Die Krise der deutschen Transport- und Logistikbranche verschärft sich. Seit Jahren zählt sie zu den Segmenten mit den höchsten Insolvenzzahlen in Deutschland - und in diesem Jahr ist mit einem weiteren Anstieg der Firmenpleiten zu rechnen", sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland beim internationalen Kreditversicherer Atradius.

Viele Speditionen müssen Diesel sofort bezahlen, während Kundenrechnungen erst nach 60 Tagen beglichen werden. Besonders betroffen von der derzeitigen Preisentwicklung sind kleine und mittelständische Unternehmen. Angesichts von Margen von unter drei Prozent führt diese Vorfinanzierungslast bei den Speditionen zu erheblichen Problemen. Hinzu kommen steigende Personalkosten, der akute Fahrermangel, Wettbewerbsdruck - insbesondere durch osteuropäische Speditionen und Fahrer - sowie die Kosten für die Digitalisierung. "Jedes vierte kleine und mittelständische Unternehmen aus der Transportbranche ist nach unserer Einschätzung gefährdet", so Frank Liebold. "Das zeigt sich auch in unseren Nichtzahlungsmeldungen. Diese liegen in den ersten Monaten dieses Jahres bereits weit über den Vergleichswerten der vergangenen fünf Jahre. Das belegen zudem aktuelle Zahlen der Logistikbranche: Im vergangenen Jahr meldeten 469 Logistikunternehmen Insolvenz an. Darunter waren 19 Firmen mit einem Umsatz von mehr als zehn Millionen Euro. Die Insolvenzquote stieg im Vergleich zum Jahr 2024 um 5,6 Prozent.



Der globale Verkehrssektor ist der größte Abnehmer von raffinierten Erdölprodukten und sieht sich mit erheblichen Beeinträchtigungen konfrontiert. Aktuell rechnet Oxford Economics für 2025 mit einem Wachstum von 2,4 Prozent für die weltweiten Verkehrs- und Logistikleistungen, was bereits 1,0 Prozentpunkte unter den vor dem USA-Israel-Iran-Krieg abgegebenen Prognosen liegt. Ausgehend von der Annahme, dass der Konflikt und die Beeinträchtigung der Straße von Hormus die kommenden sechs Monate anhalten, könnte in einem von Atradius errechneten Negativszenario das Wachstum auf null sinken. Zudem rechnet der internationale Kreditversicherer Atradius in diesem Jahr mit einem Rückgang im Transport- und Logistiksektor in Deutschland um 2,1 Prozent. Oxford Economics geht davon aus, dass sich die Stimmung in den meisten Industriezweigen schneller erholt als die Produktion und dass es bis etwa zum Jahresende dauern wird, bis eine echte Belebung einsetzt.

Unmittelbare Auswirkungen auf die Verbraucher

Der Dieselpreis macht sich aber nicht nur bei den Speditionen bemerkbar, sondern schlägt sich auch unmittelbar in den Transportkosten für Lebensmittel nieder. Nach Ansicht von Atradius könnten die Preissteigerungen bei Lebensmitteln kurz- und mittelfristig bei bis zu 10 Prozent liegen. Steigende Energiepreise machen sich in jedem Schritt der Lebensmittelproduktion bemerkbar, von der Aussaat und Ernte über die Verarbeitung und Lagerung bis hin zum Transport. Die Frage ist, inwieweit die gestiegenen Kosten an die Konsumenten eins zu eins weitergegeben werden können. "Dass Preissteigerungen kommen werden, scheint unausweichlich", schätzt Frank Liebold und ergänzt: "Logistik ist nicht nur 'LKW fahren', sondern auch das Nervensystem der Wirtschaft. Wird der Treibstoff zu teuer, ist nicht nur die Spedition bedroht, sondern die Just-in-Time-Produktion in Deutschland."

Maßnahmen der Bundesregierung unzureichend

Die aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung scheinen angesichts der massiven Herausforderungen unzureichend. Andere EU-Länder haben bereits die Mineralölsteuer gesenkt oder Notreserven freigegeben. Eine "Diesel-Gewerbe-Sicherung" gibt es in Deutschland bislang nicht. "Ob die 17-Cent-Senkung den gewünschten Effekt für Verbraucher und Wirtschaft haben wird, ist fraglich. Den kleinen Speditionen wird das nicht ausreichen", sagt Frank Liebold. Es sei nur allzu verständlich, dass auch die Verkehrsverbände unter anderem niedrigere Energie- und Stromsteuern, die Abschaffung der CO2-Doppelbelastung im Straßengüterverkehr sowie kurzfristige Entlastungen wie Preisdeckelungen oder Ausgleichszahlungen fordern.

Schub für alternative Antriebe?

Der aktuelle Preisschock könnte allerdings auch die Umstellung auf E-LKW und Wasserstoff-Antriebe beschleunigen und einen entsprechenden Nachfrageimpuls auslösen. "Allerdings stellt sich hier die Frage, ob den Unternehmen in der aktuellen Situation nicht das Kapital für diese teuren Investitionen fehlt", so Frank Liebold. Vor diesem Hintergrund bedürfe es seitens der Bundesregierung beispielsweise Unterstützung bei der Umstellung auf alternative Antriebe.

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