Wenn das Werkstor früh schon offensteht – Wie Sie OT-Cyberrisiken minimieren und Ihre Systeme härten
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Aus dem Tagebuch eines Pentesters
Historisch gewachsene Infrastrukturen, Legacy-Systeme mit Lebenszyklen von über 20 Jahren und der absolute Vorrang der Anlagenverfügbarkeit machen einen blinden „Rundumschlag“ nach klassischem IT-Vorbild unmöglich. Wer versucht, starre IT-Konzepte unüberlegt über die Produktion zu stülpen, riskiert im schlimmsten Fall teure Stillstände.
Wie sieht also eine effektive, praxisnahe OT-Absicherung aus, die reale Budget- und Personalrestriktionen berücksichtigt? Ein guter Ansatz, hier den Blickwinkel zu wechseln und die eigene Infrastruktur mit den Augen eines Angreifers – oder eines Pentesters – zu sehen.
?Der Blick aus dem Tagebuch eines Pentesters
Dass selbst gut gemeinte, oberflächliche Härtungsmaßnahmen ins Leere laufen können, zeigen zwei reale Fälle aus der Praxis, die unmissverständlich klarmachen: Cybersicherheit beginnt nicht erst in der Firewall, sondern am Werkstor.
?Fallbeispiel 1: In 20 Minuten zur Turbinensteuerung
In einem modernen Kraftwerk hatten die Betreiber bereits vorbildliche Hausaufgaben gemacht: Windows-Updates waren aktuell, Gruppenrichtlinien nach CIS-Benchmarks umgesetzt und starke Passwörter vergeben. Ein Pentest sollte die Wirksamkeit prüfen. Das Ergebnis war ernüchternd: Der Pentester gelangte unbemerkt in einem Fahrzeug auf das Gelände, fand einen offenen Schaltraum vor und steckte sein Notebook an einen zu Wartungszwecken offenen Port einer OT-Firewall. Über einen schlecht konfigurierten OPC-UA-Server der sich als unüberwachter, blinder Fleck herausstellte hatte er innerhalb von nur 20 Minuten uneingeschränkten Lese- und Schreibzugriff auf die sensiblen Turbinensteuerungen des Kraftwerks.
?Fallbeispiel 2: Die Hintertür im Leitsystem
Ein anderer Betreiber legte höchsten Wert auf ein transparentes Zugriffsmanagement und richtete für den Support eines Drittanbieters eine strenge Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) ein. Als ein Wartungsfall eintrat, erledigte der Techniker den Support jedoch komplett ohne die erforderliche Freigabe. Die Ursache? Der Leitsystemhersteller hatte, ohne Wissen des Kunden, ein 5G-Modem als permanente Hintertür direkt im System verbaut. Ohne VPN, ohne Verschlüsselung und rund um die Uhr geöffnet. Jedes Drittunternehmen hatte so unbemerkt freien Zugang direkt ins innerste OT-Netzwerk.
?3 Sofort-Maßnahmen für spürbar mehr OT-Sicherheit
Diese Beispiele zeigen: Die größte Gefahr in der OT sind blinde Flecken und mangelnde Sichtbarkeit. Um Ihre Infrastruktur effektiv und ohne Produktionsrisiken zu härten, sollten Sie folgende drei Schritte priorisieren:
Zuständigkeiten und Prozesse schärfen: Klären Sie eineindeutig, wer von IT- und OT-Seite für welche Komponente zuständig ist. Unüberwachte „Schatten-IT“ oder vergessene Systeme (wie der OPC-UA-Server) sind die Einfallstore Nummer eins.
Netzwerk segmentieren (Zones & Conduits): Trennen Sie konsequent die IT- Welt, die OT-Infrastruktur sowie Engineering- und Remote-Zugänge. Nutzen Sie gehärtete Firewalls zwischen den Zonen, um laterale Bewegungen von Angreifern im Keim zu ersticken.
Das Restrisiko mittels passivem Monitoring kontrollieren: Da 100%ige Prävention in der OT (aufgrund von Legacy-Systemen) eine Illusion ist, benötigen Sie ein Frühwarnsystem. Ein netzbasiertes Intrusion Detection System (NIDS) spiegelt die Kommunikation über einen Mirror-Port völlig rückwirkungsfrei. Es erkennt Anomalien, Protokollbrüche und Cyberangriffe in Echtzeit, ohne den industriellen Prozess auch nur im Geringsten zu belasten.
?Bereit für das vollständige Pentester-Playbook?
Die Absicherung Ihrer industriellen Infrastruktur ist kein unbezwingbares Mammutprojekt – man muss nur anfangen. Schritt für Schritt.
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Datum: 03.06.2026 - 15:50 Uhr
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