Island vor Wiederaufnahme des Walfangs: Countdown für umstrittene Jagd läuft
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(ots) - Nach einer zweijährigen Pause steht die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs in Island unmittelbar bevor. Für die anstehende Saison wurden Fangquoten von 150 Finnwalen und 168 Zwergwalen festgelegt. Die geplante Jagd fällt in eine Zeit wachsender politischer Spannungen und anhaltender Kritik am Walfang.
Die Schiffe des isländischen Walfangunternehmens Hvalur hf. von Eigentümer Kristján Loftsson könnten aktuellen Erkenntnissen zufolge bereits in den kommenden Tagen erneut zur Jagd auf Finnwale auslaufen.
Finnwale sind die zweitgrößten Tiere der Erde und gelten als gefährdet - die Art ist einem hohen Risiko des Aussterbens in freier Wildbahn ausgesetzt.
Der IFAW (International Fund for Animal Welfare (http://ifaw.org/de)) kritisiert den Walfang als unnötig, unmenschlich und brutal. Die Tiere erleiden häufig langanhaltende Qualen: Nach einer erschöpfenden Verfolgung werden sie mit Explosivharpunen beschossen. Offizielle Untersuchungen zeigen, dass es in einzelnen Fällen bis zu zwei Stunden dauern kann, bis ein Wal stirbt. Zudem wurden Fälle dokumentiert, in denen schwer verletzte Tiere entkommen konnten.
"Es ist eine Katastrophe, dass die grausame Jagd auf Finnwale in Island erneut bevorsteht. Diese Praxis ist durch nichts zu rechtfertigen", sagt Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des IFAW in Deutschland. "Wir sind von der Industrieministerin Hanna Katrín Friðriksson schwer enttäuscht. Die Regierung hatte die Chance, den Walfang zu stoppen oder zumindest einzuschränken - und hat sie ungenutzt verstreichen lassen."
Die isländische Regierung hatte angekündigt, die Walfanggesetze zu überprüfen - mit dem Ziel, die Jagd langfristig zu beenden. Ein neuer Anlauf im Gesetzgebungsverfahren könnte bereits im Herbst erfolgen. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass mögliche Änderungen erst nach Ablauf der aktuellen Fünfjahreslizenz im Jahr 2029 in Kraft treten.
Der kommerzielle Walfang erfolgt vor dem Hintergrund einer sinkenden Nachfrage nach Walfleisch. Gleichzeitig steht Island vor einer politischen Richtungsentscheidung: Ende August soll per Referendum darüber abgestimmt werden, ob die Verhandlungen über einen EU-Beitritt wieder aufgenommen werden. Während die Europäische Union kommerziellen Walfang strikt ablehnt, betrachten einige ihn als Symbol nationaler Unabhängigkeit.
"Es ist zynisch, dass Kristján Loftsson erneut Finnwale töten will, obwohl sich das Fleisch weltweit kaum noch verkaufen lässt", so Dinkelmeyer. "Es drängt sich die Vermutung auf, dass der Walfang gezielt genutzt wird, um politische Debatten in Island zu emotionalisieren - mit den Tieren als Leidtragende."
Seit der Wiederaufnahme der Jagd 2009, hat Hvalur hf. mehr als 1.000 Finnwale getötet. Der Zwergwalfang ist in Island in den vergangenen Jahren nahezu zum Erliegen gekommen.
"Trotz der erwarteten Jagd in diesem Jahr gibt es Anlass zur Hoffnung", sagt Dinkelmeyer. "Die Mehrheit der Isländer:innen will den Walfang dauerhaft beenden - und langfristig wird das auch gelingen."
Der IFAW fordert die isländische Regierung auf, den Walfang umgehend gesetzlich zu beenden, keine weiteren Fanglizenzen zu erteilen und sicherzustellen, dass bestehende Vorschriften in der aktuellen Saison konsequent durchgesetzt sowie Verstöße wirksam sanktioniert werden.
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Datum: 10.06.2026 - 09:58 Uhr
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