Offener Brief an Bundeskanzler Merz: Rentenreform darf selbständige Sorgearbeit nicht gefährden
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(ots) - Der Notmütterdienst Familien- und Seniorenhilfe e.V. hat heute einen Offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz gerichtet. Darin warnt der gemeinnützige Träger vor den Folgen einer pauschalen Rentenversicherungspflicht für selbständige Alltagshelfer:innen - und schlägt konkrete Alternativen vor.
Wachsender Bedarf, fragile Strukturen
In Deutschland sind zehntausende Menschen selbständig als Alltagshelfer:innen tätig: in der Kinderbetreuung, der Seniorenbegleitung, der Haushaltshilfe und in akuten Notsituationen von Familien. Viele von ihnen arbeiten bewusst flexibel - weil sie studieren, bereits in Rente sind oder nur phasenweise tätig sein können. Genau diese Flexibilität macht es möglich, Menschen kurzfristig und passgenau zu unterstützen.
"Wer selbständige Sorgearbeit pauschal erschwert, schwächt Familien, Pflegebedürftige und am Ende den Sozialstaat selbst. Eine Reform mit Augenmaß ist möglich - sie muss nur gewollt sein", sagt Ingrid Damian, Ehrenvorsitzende des Notmütterdienst e.V. und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.
Fünf konkrete Forderungen
Der Offene Brief benennt fünf Punkte, die bei der weiteren Ausgestaltung der Reform berücksichtigt werden müssen:
- Einkommensabhängige und sozial gestaffelte Beitragspflicht
- Übergangsfristen und Bestandsschutz für bereits tätige Selbständige
- Wahlfreiheit bei nachweislich verlässlicher Altersvorsorge
- Eine besondere Lösung für gemeinwohlorientierte Sorgearbeit - etwa in Form einer "Pflegesozialkasse" nach dem Vorbild der Künstlersozialkasse
- Rechtssicherheit statt weiterer Verunsicherung durch Statusfeststellungsverfahren
Hintergrund: Das Modell der Pflegesozialkasse
Die Idee einer Pflegesozialkasse ist nicht neu: Bereits im April 2025 hatte der Notmütterdienst in einem Kommentar zum Koalitionsvertrag auf diese Lücke im Sozialsystem hingewiesen. Eine solche Kasse würde selbständigen Betreuungspersonen Zugang zu Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung ermöglichen - bei paritätischer Finanzierung durch Bund und Auftraggeber, analog zur Künstlersozialkasse.
Über den Notmütterdienst Familien- und Seniorenhilfe e.V.
Der Notmütterdienst e.V. wurde 1969 von den Eheleuten Hesser gegründet - aus der eigenen Erfahrung heraus, was Familien in Notsituationen brauchen. Heute wird er bereits in der dritten Generation geführt und betreut laufend bis zu 800 Familien und Senioren bundesweit, mit eigenen Büros in Frankfurt, Berlin, Hamburg, Köln und weiteren Standorten. Als gemeinnütziger Träger vermittelt er selbständige Alltagshelfer:innen und ermöglicht auch in schwierigen familiären Situationen den Verbleib im vertrauten Zuhause - für Jung und Alt.
Im Jahr 2024 feierte der Verein sein 55-jähriges Jubiläum. Für sein Engagement wurde der Notmütterdienst mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Walter-Möller-Plakette der Stadt Frankfurt am Main, dem Elisabeth-Norgall-Preis, dem Bürgermeister-Wilhelm-Fay-Preis sowie dem Bundesverdienstkreuz für Gründerin Charlotte Hesser und Ehrenvorsitzende Ingrid Damian.
LINK ZUM OFFENEN BRIEF: OFFENER BRIEF (PDF) (https://nmdev1-my.sharepoint.com/:b:/g/personal/oliver_damian_notmuetterdienst_de/IQAAw5rnmsNuTYf0i5FLYEh0Act9d_QH8NEo6ZVH8HB3W5M?e=jMtT4e)
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Datum: 29.06.2026 - 10:13 Uhr
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