BVDA warnt vor Minijob-Aus durch die Hintertür / Kostenlose Wochenzeitungen dürfen nicht zum Kollateralschaden der Rentenreform werden
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(ots) - Der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) warnt vor den Folgen der Empfehlungen der Rentenkommission für die Pressezustellung. Zwar unterstützt der Verband das Ziel, die gesetzliche Rentenversicherung zukunftsfest aufzustellen und soziale Absicherung zu stärken. Die vorgeschlagene Abschaffung des steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus geringfügiger Beschäftigung würde jedoch weit über eine rentenpolitische Korrektur hinausgehen.
Die Rentenkommission empfiehlt, Minijobs künftig verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen und ihren bisherigen Sonderstatus abzuschaffen. Ausnahmen sollen nur noch für Schülerinnen und Schüler gelten. Aus Sicht des BVDA würde damit der Minijob in seiner heutigen Form faktisch durch die Hintertür einkassiert.
"Wir unterstützen das Ziel einer stabilen und fairen Rentenversicherung. Aber eine Rentenreform darf nicht funktionierende Beschäftigungsmodelle zerstören, auf die ganze Branchen angewiesen sind", erklärt Alexander Lenders, Vorsitzender des BVDA. "Wenn der Minijob durch die Hintertür abgeschafft wird, werden kostenlose Wochenzeitungen, Gastronomie, Handel und viele weitere Bereiche zum Kollateralschaden einer Reform, die eigentlich soziale Sicherheit stärken soll."
Für die kostenlosen Wochenzeitungen hätte eine solche Änderung erhebliche Auswirkungen. Ihre Zustellung ist kleinteilig organisiert, lokal verankert und häufig auf wenige Stunden pro Woche begrenzt. Viele Zustellerinnen und Zusteller übernehmen diese Tätigkeit gerade deshalb, weil sie als Minijob einen unkomplizierten, flexiblen und gut kalkulierbaren Zusatzverdienst ermöglicht. Für Rentnerinnen und Rentner, Studierende, Menschen mit Familien- oder Pflegepflichten sowie Beschäftigte mit Hauptjob ist der Minijob zudem ein bewährtes Modell für einen begrenzten und verlässlichen Hinzuverdienst.
Kostenlose Wochenzeitungen erreichen Woche für Woche über 40 Millionen Haushalte. Sie schaffen Öffentlichkeit vor Ort, geben Vereinen, Kommunen und lokalen Unternehmen Sichtbarkeit und sind ein wichtiger Bestandteil demokratischer Teilhabe. Diese Infrastruktur dürfe nicht durch praxisferne Reformen beschädigt werden, betont Lenders. Wer Medienvielfalt, demokratische Teilhabe und soziale Sicherheit stärken wolle, brauche Lösungen mit Augenmaß und sollte den Minijob nicht pauschal abschaffen.
Nach Einschätzung des BVDA liegt das zentrale Risiko weniger in möglichen Kostenveränderungen auf Arbeitgeberseite. Entscheidend ist vielmehr, dass die Zustelltätigkeit für viele Beschäftigte deutlich an Attraktivität verlieren könnte, wenn Nettoverdienst, steuerliche Behandlung und einfache Handhabung des Minijobs wegfallen. Dadurch würde es noch schwieriger, ausreichend Zustellerinnen und Zusteller zu gewinnen und zu halten. In der Folge geriete die flächendeckende Versorgung mit kostenlosen Wochenzeitungen insbesondere in ländlichen und strukturschwächeren Regionen weiter unter Druck.
Der BVDA hat die möglichen Auswirkungen kurzfristig mit Expertinnen und Experten aus der Logistikpraxis bewertet und auf dieser Grundlage eine Risikobewertung sowie eine Branchenposition erarbeitet. Der Verband fordert praxistaugliche Regelungen, die soziale Absicherung stärken, ohne funktionierende Zustellstrukturen, lokale Medienvielfalt und bewährte Hinzuverdienstmöglichkeiten zu gefährden. Denkbar sind insbesondere Übergangsregelungen, Ausnahmen oder branchenspezifische Lösungen für kleinteilige Zustelltätigkeiten.
Über den BVDA: Der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen e. V. (BVDA) vertritt als Spitzenorganisation seit seiner Gründung am 3. Juli 1987 die Interessen der Verlage kostenloser Wochenzeitungen in Deutschland. Dem BVDA gehören 103 Verlage mit insgesamt 312 Titeln und einer Wochenauflage von 23,3 Millionen Exemplaren an.
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Datum: 29.06.2026 - 15:11 Uhr
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