77 Tage nach der Berliner Sudan-Konferenz: Zivilbevölkerung in El Obeid braucht jetzt Schutz
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(ots) - Islamic Relief warnt vor humanitärer Katastrophe in der sudanesischen Stadt El Obeid und fordert konsequentes internationales Handeln
77 Tage nach der Internationalen Sudan-Konferenz in Berlin droht sich im Sudan erneut eine humanitäre Katastrophe vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu entfalten. Während die Konferenz Hilfszusagen mobilisierte und den Schutz von Zivilisten sowie den humanitären Zugang in den Mittelpunkt stellte, berichten Mitarbeitende von Islamic Relief aus El Obeid von täglichen Drohnenangriffen, wachsender Angst und immer knapper werdenden Vorräten.
El Obeid, die Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Kordofan, steht faktisch unter teilweiser Belagerung. Drohnenangriffe auf Lastwagen, die Hilfsgüter, Treibstoff, Lebensmittel und andere lebenswichtige Waren in die Stadt bringen sollen, gefährden die Versorgung von Hunderttausenden Menschen. Viele Vorräte könnten innerhalb weniger Wochen aufgebraucht sein.
Kämpfer der Rapid Support Forces (RSF) haben die Stadt nahezu vollständig eingekreist. Die Vereinten Nationen warnen vor einem möglichen Großangriff. Die Sorge ist groß, dass sich in El Obeid ähnliche Gräueltaten wiederholen könnten wie zuvor in El Fasher in Darfur.
"Die Berliner Sudan-Konferenz hat wichtige politische Aufmerksamkeit geschaffen. Doch Aufmerksamkeit allein schützt keine Kinder vor Drohnenangriffen, füllt keine Wasserkanister und öffnet keine blockierten Straßen", erklärt Michael Pfaff, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland. "El Obeid zeigt, wie groß die Lücke zwischen internationalen Zusagen und der Realität für Zivilisten im Sudan weiterhin ist. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt diplomatischen Druck erhöhen, Angriffe auf Zivilisten stoppen und helfen, einen sicheren humanitären Zugang durchzusetzen."
In El Obeid leben inzwischen fast 600.000 Menschen, darunter mehr als 105.000 Vertriebene, die vor Gewalt und Hunger aus anderen Teilen des Landes geflohen sind. Drohnenangriffe haben auch Strom- und Versorgungsinfrastruktur getroffen. Dadurch verschärfen sich Wasser- und Treibstoffmangel dramatisch. Der Preis für einen Wasserkanister hat sich in den vergangenen Wochen verdoppelt, auch Lebensmittelpreise steigen rasant.
Mitarbeitende von Islamic Relief berichten, dass bei einem jüngsten Drohnenangriff im größten Lager für Binnenvertriebene der Stadt zahlreiche Menschen getötet wurden. Dort suchen mehr als 72.000 Menschen Schutz; Islamic Relief unterstützt sie unter anderem mit Nahrungsmitteln.
Dawelbeit Elzein Abdalla, Einsatzkoordinator von Islamic Relief in El Obeid, sagt:
"Die Menschen hier sind zunehmend verängstigt durch die ständigen Drohnenangriffe und die wachsenden Engpässe bei Nahrung, Wasser, Treibstoff und Strom. Die Drohnen treffen Tankstellen, Tanklastwagen und die Hauptstraße, die die Stadt mit der Außenwelt verbindet. Unser Team in El Obeid versorgt Tausende Vertriebene mit Nahrungsmitteln und Ernährungsunterstützung. Doch die Bedingungen werden immer schwieriger, weil Vorräte zur Neige gehen und Preise steigen."
El Obeid ist ein strategisch wichtiger Handels- und humanitärer Knotenpunkt zwischen Darfur, Kordofan und dem Rest des Landes. Eine weitere Eskalation hätte daher nicht nur verheerende Folgen für die Stadt selbst, sondern für große Teile Kordofans, wo viele Familien bereits Hunger leiden und kaum Zugang zu Lebensmitteln und Medikamenten haben.
Shihab Mohamedali, Leiter der Programme von Islamic Relief im Sudan, sagt:
"Wir befürchten, dass die eskalierende Gewalt in und um El Obeid zu einer humanitären Katastrophe führen könnte. Es ist aber noch nicht zu spät, die Warnungen ernst zu nehmen und eine Katastrophe zu verhindern. Wir fordern die Konfliktparteien auf, Blutvergießen zu vermeiden, Zivilisten zu schützen und humanitäre Hilfe zu allen Bedürftigen durchzulassen. Und wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, El Obeid nicht aus den Augen zu verlieren und jetzt zu handeln, um weitere Gräueltaten zu verhindern."
Islamic Relief arbeitet seit 1984 im Sudan. Seit Ausbruch des Krieges im April 2023 hat die Hilfsorganisation mehr als zwei Millionen Menschen mit Nothilfe erreicht, darunter Lebensmittel, Gesundheitsversorgung, Wasser und Bargeldhilfen. In El Obeid und Nord-Kordofan unterstützt Islamic Relief 56 Gesundheits- und Ernährungseinrichtungen und versorgt 72.000 Vertriebene in El Obeid mit Lebensmitteln.
Forderungen von Islamic Relief
Islamic Relief fordert die Konfliktparteien auf, Zivilisten und zivile Infrastruktur zu schützen, Angriffe auf humanitäre Transporte sofort zu unterlassen und sicheren, ungehinderten Zugang für Hilfsorganisationen zu gewährleisten.
Die internationale Gemeinschaft muss ihre Zusagen aus der Berliner Sudan-Konferenz nun mit konkretem politischen Handeln untermauern. Dazu gehören verstärkte diplomatische Bemühungen für eine Deeskalation in El Obeid, der Schutz humanitärer Korridore und eine konsequente Finanzierung lebensrettender Hilfe.
Interviewangebot für Medien
Islamic Relief kann kurzfristig Interviews mit Mitarbeitenden im Sudan vermitteln, die direkten Einblick in die Lage in El Obeid haben. Sie berichten aus erster Hand über die Auswirkungen der Drohnenangriffe, die zunehmenden Engpässe bei Wasser, Lebensmitteln, Treibstoff und Strom sowie über die Angst der Zivilbevölkerung vor einer weiteren Eskalation.
Mögliche Themen sind die aktuelle Lage in El Obeid, die Situation vertriebener Familien, die Folgen blockierter Hilfswege und die Frage, warum die internationale Gemeinschaft dringend handeln muss.
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Datum: 01.07.2026 - 13:37 Uhr
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