Hauptstadtkongress 2026: Hormonelle Gesundheit ist wichtiger Longevity-Faktor

Hauptstadtkongress 2026: Hormonelle Gesundheit ist wichtiger Longevity-Faktor

ID: 2259929

(ots) - Wie können Menschen in Deutschland nicht nur länger, sondern vor allem länger gesünder leben? Dieser Frage widmete sich am 24.06.2026 die Veranstaltung "Longevity - Voraussetzungen für ein gesundes Altern" auf dem Hauptstadtkongress in Berlin. Im Mittelpunkt der Diskussion standen Prävention, Gesundheitskompetenz und die Bedeutung individueller Gesundheitsvorsorge. Einen besonderen Schwerpunkt setzte der Vortrag von Dr. Tobias Lüke, Head of Medical bei Besins Healthcare Germany. Er machte deutlich, dass die Rolle der Sexualhormone in der aktuellen Longevity-Debatte häufig unterschätzt wird, obwohl sie für zahlreiche körperliche und mentale Funktionen von zentraler Bedeutung sind.

Zu den Referierenden der Veranstaltung gehörten der Neurophysiologe und Buchautor Dr. Gerd Wirtz, Dr. Tobias Lüke, Andrea Galle, Vorständin der mkk - meine krankenkasse, sowie Dr. Ellis E. Huber vom Büro für Gesundheit und Prävention e. V.

Einen neuen Impuls zur Longevity-Diskussion lieferte Dr. Tobias Lüke. In der Longevity-Debatte - also der Frage, wie wir nicht nur länger, sondern auch länger gesünder leben können - werde häufig ein wesentlicher Faktor übersehen: die hormonelle Gesundheit. Sexualhormone wie Testosteron, Progesteron und Estrogene seien weit mehr als reine Fortpflanzungshormone. Sie beeinflussen neben der Sexualität unter anderem die Körperzusammensetzung, den Stoffwechsel, die Muskelmasse, die Knochengesundheit sowie die mentale Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden.

Anhand zweier Beispiele verdeutlichte Dr. Lüke diese Zusammenhänge. Er beleuchtete den Einfluss eines gestörten Testosteronhaushalts bei Männern mit Adipositas. Im übermäßigen Fettgewebe des Bauchraums wird Testosteron vermehrt in Estradiol umgewandelt. Die Testosteronspiegel sinken ab. Damit wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt: Es ist weniger Testosteron vorhanden, das führt unter anderem zu mehr Körperfett, weniger Muskelmasse und Antriebsschwäche. Steigt der Bauchfettanteil weiter an, wird noch mehr Testosteron in Estradiol umgewandelt. "Die betroffenen Männer verlieren Lebensjahre und Lebensqualität", so Dr. Lüke. Er ging auch auf die Situation von Frauen nach der Menopause ein. Mit dem Ende der hormonellen Aktivität der Eierstöcke sinken die Spiegel von Estradiol und Progesteron deutlich. Dieser Hormonmangel kann nicht nur typische Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Gelenkschmerzen auslösen, sondern erhöht auch das Risiko für Osteoporose. Die Erkrankung gilt als besonders tückisch, da sie lange unbemerkt bleibt und häufig erst durch Frakturen sichtbar wird. Dr. Lüke betonte, dass eine im Rahmen von Wechseljahresbeschwerden eingesetzte menopausale Hormontherapie auch positive Effekte auf die Knochengesundheit haben kann.



Vor diesem Hintergrund sprach sich Dr. Lüke dafür aus, hormonelle Faktoren stärker in Präventions- und Longevity-Konzepte einzubeziehen. "Longevity, also ein gesundes Altern, ist ohne hormonelle Balance nicht möglich", so Dr. Lüke. Eine frühzeitige Kontrolle relevanter Hormonwerte bei Männern und ein aktiver Umgang mit Wechseljahresbeschwerden bei Frauen, z. B. durch den Besuch bei einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen, können helfen, gesundheitliche Risiken besser zu erkennen und individuelle Maßnahmen zur Förderung eines gesunden Alterns einzuleiten.

Dr. Gerd Wirtz zeichnete ein kritisches Bild von Lebensstil und Gesundheitsversorgung in Deutschland. Nach seinen Angaben verschenken Männer in Deutschland durchschnittlich rund 18 Lebensjahre, Frauen etwa 15 Jahre. Viele Menschen suchten medizinische Hilfe erst dann auf, wenn sie Beschwerden haben, die sie einschränken. Zu den wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren zählten Rauchen, Adipositas und eine unausgewogene Ernährung.

Wirtz betonte, dass die deutsche Reparaturmedizin zwar auf hohem Niveau arbeite, die Prävention jedoch deutlich gestärkt werden müsse. Nach seinen Angaben würden jährlich pro Patient bzw. Patientin in Deutschland nur 8,49 Euro für Prävention ausgegeben (Stand 2023) - bei 4.126 Euro Behandlungskosten pro Patient bzw. Patientin.(1) Sein Appell: mehr Zeit für gute Medizin und mehr Eigenverantwortung für die persönliche Gesundheit.

Andrea Galle setzte in ihrem Vortrag einen gesundheitsökonomischen und gesellschaftlichen Fokus. Sie warnte davor, dass der Begriff Longevity aktuell häufig genutzt werde, um eine Vielzahl von Produkten und Trends zu vermarkten. Gleichzeitig unterstrich sie die Bedeutung einer fundierten Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung.

Für Dr. Ellis E. Huber steht bei dem Thema des gesunden Alterns nicht die individuelle Optimierung im Vordergrund, sondern die Gestaltung gesunder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Eine nachhaltige Longevity-Strategie müsse soziale Faktoren stärker berücksichtigen, anstatt Gesundheit als individuell konsumierbares Gut zu verstehen.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass gesundes Altern viele Einflussfaktoren umfasst. Neben Bewegung, Ernährung und Vorsorge spielt auch die hormonelle Gesundheit eine wichtige Rolle. Ebenso entscheidend sind eine gestärkte Gesundheitskompetenz und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die gesundes Leben ermöglichen.

Die Expertinnen und Experten gaben wichtige Impulse: Wer länger gesund leben möchte, sollte Prävention frühzeitig nutzen und die eigene Gesundheit aktiv mitgestalten. Gleichzeitig muss Prävention im Gesundheitssystem ein stärkeres Gewicht bekommen.

Hinweis: Besins Healthcare Germany ist Partner des Hauptstadtkongresses 2026

Quellen


1. BKK Dachverband. Prävention. Gesunderhaltung muss zum neuen Maßstab werden. https://ots.de/JhShM2, zuletzt abgerufen am 26.06.2026.



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