„Macht mal was mit KI“: IT-Experte erklärt, warum Unternehmen bei KI gerade ihre Digitalisierun

„Macht mal was mit KI“: IT-Experte erklärt, warum Unternehmen bei KI gerade ihre Digitalisierungsfehler wiederholen

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(ots) - Künstliche Intelligenz soll jetzt alles richten. Schnellere Prozesse, weniger Kosten, bessere Entscheidungen. Doch in vielen Unternehmen läuft gerade derselbe Fehler wie früher bei der Digitalisierung: Die Geschäftsführung sagt „Macht mal was mit KI“, Fachbereiche testen eigene Tools und die IT soll am Ende alles sicher, sauber und sinnvoll zusammenführen. Nur fehlt oft das Wichtigste: ein klares Ziel.

KI scheitert selten zuerst an der Technik, sondern an fehlender Zusammenarbeit. Warum Unternehmen bei KI gerade alte Digitalisierungsfehler wiederholen und wie sie es besser machen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

KI wiederholt die Fehler der Digitalisierung

KI gilt derzeit als Schlüsseltechnologie für effizientere Prozesse, schnellere Entscheidungen und neue Geschäftsmodelle. Entsprechend groß ist der Druck auf Unternehmen, möglichst rasch erste Anwendungen einzuführen. Häufig beginnt der KI-Einsatz jedoch nicht mit einem konkreten Geschäftsproblem, sondern mit der Frage, welches Tool genutzt werden soll.

Genau darin zeigt sich ein Muster, das bereits viele Digitalisierungsprojekte ausgebremst hat. Die Geschäftsführung gibt das Ziel vor, möglichst schnell etwas mit KI zu machen. Fachbereiche testen eigenständig verschiedene Anwendungen, während die IT sie später integrieren, absichern und verwalten soll. Was dabei oft fehlt, ist eine gemeinsame Zielsetzung und vor allem die Kommunikation miteinander. Statt eines klar definierten Problems steht die Technologie im Mittelpunkt.

Organisation schlägt Technologie

Dabei sprechen die verfügbaren Studien eine eindeutige Sprache. Eine Untersuchung des MIT aus dem Jahr 2025 kommt zu dem Ergebnis, dass der Großteil generativer KI-Piloten keinen messbaren wirtschaftlichen Nutzen erzielt. Als Hauptursache nennen die Autoren jedoch nicht unzureichende Modelle oder fehlende Rechenleistung, sondern Defizite bei der organisatorischen Einbindung von KI in bestehende Prozesse.



Auch andere Analysen zeichnen ein ähnliches Bild. McKinsey und BCG sehen Kultur, Zusammenarbeit und klare Verantwortlichkeiten als entscheidende Erfolgsfaktoren erfolgreicher KI-Transformationen. Die häufig zitierte 10-20-70-Regel bringt dieses Verhältnis auf den Punkt: Nur ein kleiner Teil des Erfolgs entfällt auf Algorithmen und Technologie, während der größte Anteil durch Menschen, Prozesse und Organisation bestimmt wird.

Die Parallele zur Digitalisierung ist offensichtlich. Seit Jahren zeigen Studien, dass viele Transformationsprojekte ihre Ziele nicht erreichen, obwohl das notwendige Wissen vorhanden ist. Gescheitert wird häufig nicht an der Technik, sondern an unklaren Zielen, fehlender Abstimmung und einer mangelhaften Umsetzung. Genau diese Fehler wiederholen sich nun beim Einsatz künstlicher Intelligenz.

Schatten-KI schafft neue Risiken

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Viele Beschäftigte nutzen bereits heute private oder nicht freigegebene KI-Anwendungen, um ihre Arbeit effizienter zu erledigen. Offizielle Lösungen stehen häufig noch nicht zur Verfügung oder decken den Bedarf der Fachbereiche nicht ausreichend ab. Dadurch entsteht sogenannte Schatten-KI.

Diese Entwicklung ist weniger Ausdruck besonderer Innovationskraft als vielmehr ein Hinweis darauf, dass IT und Fachbereiche aneinander vorbeiarbeiten. Gleichzeitig wachsen die Risiken. Datenschutz, Informationssicherheit und Compliance lassen sich kaum gewährleisten, wenn Unternehmensdaten in nicht freigegebene Anwendungen gelangen. Mit dem EU AI Act gewinnen diese Anforderungen zusätzlich an Bedeutung, weil Unternehmen künftig stärker nachweisen müssen, wie KI-Systeme eingesetzt und überwacht werden.

Auch aktuelle Zahlen aus Deutschland unterstreichen die Herausforderungen. Laut Bitkom setzen bereits 41 Prozent der Unternehmen KI ein, weitere 48 Prozent planen oder diskutieren ihren Einsatz. Gleichzeitig berichtet jedes dritte Unternehmen von höheren Kosten als erwartet – ein Hinweis darauf, dass fehlende Zielklarheit und unkoordinierte Einführungen schnell teuer werden können.

Erfolgreiche KI beginnt vor der Tool-Auswahl

Deshalb sollten Unternehmen ihre Aufmerksamkeit zunächst auf die organisatorischen Voraussetzungen richten. Am Anfang steht nicht die Auswahl eines Sprachmodells, sondern die Frage, welches konkrete Geschäftsproblem gelöst werden soll. Erst wenn dieses Ziel feststeht, lässt sich entscheiden, ob und in welcher Form KI tatsächlich einen Mehrwert schafft.

Ebenso wichtig ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT. Beide Seiten müssen ein gemeinsames Verständnis der Anforderungen entwickeln, Verantwortung gemeinsam übernehmen und Informationen ohne Reibungsverluste weitergeben. Gleichzeitig sollten Datenschutz, Governance und regulatorische Vorgaben von Beginn an berücksichtigt werden, anstatt sie erst nachträglich zu ergänzen.

Fazit: Der Erfolg entscheidet sich lange vor dem KI-Tool

Künstliche Intelligenz macht Unternehmen nicht automatisch erfolgreicher. Sie macht vor allem sichtbar, wie gut die Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen bereits funktioniert. Fehlen gemeinsame Ziele, klare Verantwortlichkeiten und abgestimmte Prozesse, beschleunigt KI bestehende Probleme eher, als sie zu lösen.

Wer diese organisatorischen Grundlagen dagegen schafft, verbessert nicht nur die Erfolgschancen einzelner KI-Projekte. Gleichzeitig entsteht eine belastbare Basis, um neue Anwendungen sicher, wirtschaftlich und nachhaltig in den Unternehmensalltag zu integrieren. Damit entscheidet letztlich nicht das eingesetzte Modell über den Erfolg, sondern die Qualität der Zusammenarbeit davor.

Über René Schröder

René Schröder ist Gründer und Geschäftsführer der RegSus Consulting GmbH in München. Seit über 20 Jahren begleitet er IT-Transformationen im DACH-Mittelstand sowie in regulierten Branchen wie Energie, Pharma und Finanzdienstleistungen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereich. Er ist Autor mehrerer Bücher zu IT und Business, zuletzt „E-Mails über den Zaun werfen ist keine Kommunikation“ und „Wir irren uns gern gemeinsam“. Mehr Informationen unter: https://regsus.de/

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Datum: 13.07.2026 - 08:59 Uhr
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