Christian Haag & Florian Sondershausen: Warum viele bei Bitcoin als Altersvorsorge falsch rechne

Christian Haag & Florian Sondershausen: Warum viele bei Bitcoin als Altersvorsorge falsch rechnen

ID: 2267514
(ots) - Starke Kurssprünge, lange Seitwärtsphasen und teils deutliche Rückgänge – Bitcoin als Altersvorsorge wirft bei vielen Privatanlegern mehr Fragen auf, als einfache Renditerechner beantworten können. Florian Sondershausen und Christian Haag von der Haag Sondershausen Consulting GmbH kennen die typischen Denkfehler, die Anleger bei ihrer langfristigen Planung machen. Doch worauf müssen sie achten, damit die Rechnung am Ende tatsächlich aufgeht?

Auf den ersten Blick scheint die Rechnung simpel: regelmäßig Bitcoin kaufen, über viele Jahre einen Bestand aufbauen und daraus später einen Teil des Ruhestands finanzieren. Genau hier machen es sich viele Anleger allerdings zu einfach. Sie rechnen mit einem bestimmten Vermögen zum Renteneintritt und gehen davon aus, dass dieses Kapital dann schon ausreichen wird. Ob die Annahmen dahinter tatsächlich tragen, wird häufig kaum hinterfragt. Aus einer langfristigen Planung wird so schnell eine Rechnung, die auf dem Papier gut aussieht, mit der Realität aber nur bedingt etwas zu tun hat. „Viele schauen bei Bitcoin nur darauf, was ihr Bestand irgendwann einmal wert sein könnte. Für die Altersvorsorge reicht das aber nicht. Entscheidend ist, ob die gesamte Rechnung bis zum Renteneintritt und darüber hinaus funktioniert“, erklärt Florian Sondershausen, Krypto- und Trading-Experte und Geschäftsführer der Haag Sondershausen Consulting GmbH.

„Wer seine Altersvorsorge aufbaut, darf nicht einfach irgendeinen Bitcoin-Kurs in einen Rechner eingeben und davon ausgehen, dass das Thema damit erledigt ist“, ergänzt Christian Haag. Gemeinsam beschäftigen sich Florian Sondershausen und Christian Haag bei der Haag Sondershausen Consulting GmbH damit, wie Anleger Bitcoin und Börsenthemen nachvollziehbar einordnen und eigenständig umsetzen können. Gerade bei einem langfristigen Vorhaben wie der Altersvorsorge müssen die zugrunde gelegten Annahmen auch dann noch funktionieren, wenn die kommenden Jahre anders verlaufen als erhofft. Welche Punkte Anleger deshalb von Anfang an berücksichtigen sollten, zeigen die beiden Experten im Folgenden.



Die Rechnung beginnt nicht beim Bitcoin-Kurs: Was bis zur Rente wirklich zählt

Bevor überhaupt gerechnet werden kann, muss die persönliche Ausgangslage klar sein. Wie viele Jahre bleiben bis zum gewünschten Renteneintritt? Wie groß ist der vorhandene Bitcoin-Bestand? Und welcher Betrag kann jeden Monat tatsächlich investiert werden? „Viele machen den Fehler, zuerst auf einen möglichen Bitcoin-Kurs zu schauen. Dabei muss ich doch erst einmal wissen, wie viel Zeit ich habe, was ich heute schon besitze und was ich regelmäßig investieren kann“, erklärt Florian Sondershausen.

Gerade der Zeithorizont macht einen erheblichen Unterschied. Wer mit 30 Jahren beginnt, regelmäßig Bitcoin zu kaufen, hat deutlich mehr Zeit, unterschiedliche Marktphasen mitzunehmen, als jemand, der erst mit 55 Jahren startet. Ein Bitcoin-Sparplan kann dabei helfen, die Käufe über einen längeren Zeitraum zu verteilen. Statt das gesamte Kapital zu einem einzelnen Zeitpunkt einzusetzen, wird regelmäßig ein fester Betrag investiert. Bei niedrigeren Kursen werden dadurch für denselben Betrag mehr Bitcoin gekauft, bei höheren entsprechend weniger. Der Anleger macht sich damit weniger abhängig davon, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu erwischen.

Wichtig ist allerdings, dass die gewählte Sparrate auch langfristig durchgehalten werden kann. Wer jeden verfügbaren Euro investiert und bei der nächsten unerwarteten Ausgabe wieder Bitcoin verkaufen muss, hat wenig gewonnen. Neben dem Sparplan braucht es deshalb ausreichend liquide Rücklagen für laufende Kosten und finanzielle Überraschungen. Erst wenn Zeithorizont, vorhandener Bestand, monatliche Sparrate und Reserve zusammenpassen, lässt sich sinnvoll berechnen, welcher Bitcoin-Bestand bis zum Renteneintritt realistisch aufgebaut werden kann.

Der Bitcoin-Kurs läuft nicht nach Rentenplan: Warum ein Wunschkurs keine belastbare Rechnung ersetzt

Genau hier kommt eine Besonderheit von Bitcoin ins Spiel: Der Kurs entwickelt sich nicht Jahr für Jahr gleichmäßig nach oben, sondern bewegt sich in ausgeprägten Marktphasen. Auf Zeiten der Akkumulation und des Aufschwungs können Euphorie, deutliche Korrekturen und längere ruhigere Phasen folgen. Ein wichtiger Faktor ist dabei das Bitcoin-Halving. Ungefähr alle vier Jahre halbiert sich die Menge der neu erzeugten Bitcoin pro Block, wodurch das neu verfügbare Angebot langsamer wächst. In der Vergangenheit ließen sich rund um diese Ereignisse wiederkehrende Marktbewegungen beobachten. „Der Markt interessiert sich am Ende nicht dafür, wann jemand in Rente gehen möchte. Deshalb darf ich meine komplette Altersvorsorge nicht darauf aufbauen, dass Bitcoin genau zu diesem Zeitpunkt an einem bestimmten Kurs steht“, betont Christian Haag.

Statt einen möglichst hohen Wunschkurs in einen Rechner einzutragen, sollten Anleger deshalb verschiedene Entwicklungen durchspielen. Was passiert, wenn Bitcoin zum geplanten Renteneintritt gerade in einer Hochphase steht? Was bedeutet eine längere Seitwärtsbewegung für die Rechnung? Und reicht das aufgebaute Vermögen auch dann, wenn der Kurs deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurückbleibt? Sinnvoll ist deshalb, mit einem vorsichtigen, einem mittleren und einem optimistischen Szenario zu kalkulieren. Historische Marktzyklen können dabei eine Orientierung liefern, machen die zukünftige Entwicklung aber nicht exakt berechenbar.

Was von der Rechnung am Ende wirklich übrig bleibt: Inflation, Steuern und Gebühren mitdenken

Ein hoher Bitcoin-Bestand oder ein siebenstelliger Portfoliowert klingt zunächst beeindruckend. Für die Altersvorsorge zählt aber nicht nur, welche Zahl irgendwann auf dem Papier steht, sondern was sich davon tatsächlich finanzieren lässt. Genau hier wird die Inflation schnell zum Problem: Wer heute beispielsweise mit 3.000 Euro monatlich gut auskommt, wird in 20 oder 30 Jahren voraussichtlich einen höheren Betrag benötigen, um denselben Lebensstandard zu halten. „Viele rechnen sich aus, was ihr Bitcoin-Bestand irgendwann wert sein könnte, vergessen aber die entscheidende Frage: Was kann ich mir von diesem Geld zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch leisten?“, ordnet Florian Sondershausen ein. Deshalb sollte das gewünschte Einkommen im Ruhestand nicht einfach in heutigen Eurobeträgen fortgeschrieben werden. Maßgeblich ist vielmehr, welche Kaufkraft der geplante Betrag später tatsächlich noch hat.

Hinzu kommen Steuern und laufende Kosten, die den verfügbaren Betrag zusätzlich verändern können. Welche steuerlichen Folgen beim Verkauf von Bitcoin entstehen, hängt unter anderem von der individuellen Situation, dem Wohnsitz, der Haltedauer, der Art der Transaktion und der zum jeweiligen Zeitpunkt geltenden Rechtslage ab. Gerade bei einer Planung über mehrere Jahrzehnte wäre es deshalb ein Fehler, heutige steuerliche Regeln einfach unverändert bis zum Renteneintritt fortzuschreiben. Die persönliche Situation sollte regelmäßig mit einem Steuerberater geprüft werden. Auch Gebühren für Käufe, Verkäufe, Übertragungen oder die Verwahrung gehören in die Rechnung. Einzelne Kosten mögen zunächst gering wirken, können sich über viele Jahre aber spürbar summieren. Wer Bitcoin als Altersvorsorge plant, muss deshalb nicht nur fragen, wie stark der Bestand wachsen könnte, sondern auch, welcher Teil davon nach Inflation, Steuern und Kosten tatsächlich zur Verfügung steht.

Die entscheidende Rechnung beginnt erst im Ruhestand: Entnahmen müssen genauso geplant sein wie der Aufbau

Viele Anleger konzentrieren sich jahrelang darauf, möglichst viel Bitcoin aufzubauen, beschäftigen sich aber kaum damit, wie sie dieses Vermögen später tatsächlich nutzen wollen. Genau dort zeigt sich, ob die Rechnung im Ruhestand wirklich aufgeht. Wie viel Geld wird pro Jahr benötigt? Wie viele Bitcoin müssen dafür verkauft werden? Und was passiert, wenn der Rentenbeginn ausgerechnet in eine schwache Marktphase fällt? „Es bringt mir wenig, wenn mein Bestand auf dem Papier groß aussieht, ich aber im falschen Moment verkaufen muss und dadurch viel mehr Bitcoin abgebe als geplant“, so Christian Haag. Statt den gesamten Bestand zu einem bestimmten Zeitpunkt aufzulösen, können Teilverkäufe über mehrere Jahre die Abhängigkeit von einem einzelnen Kurs reduzieren. Gleichzeitig sollte ausreichend Liquidität vorhanden sein, damit laufende Ausgaben nicht automatisch zu Verkäufen während einer starken Korrektur führen.

Ebenso wichtig ist die Frage, wie lange das Vermögen überhaupt reichen muss. Wer seine Lebenserwartung zu knapp kalkuliert oder dauerhaft zu hohe Beträge entnimmt, riskiert, dass der Bestand schneller schrumpft als vorgesehen. Ein zusätzlicher Sicherheitspuffer sollte deshalb längere schwache Marktphasen, steigende Lebenshaltungskosten und unerwartet hohe Ausgaben abfedern. Am Ende zählt, wie viel Jahr für Jahr entnommen werden kann, ohne den Bestand zu schnell aufzubrauchen. Erst wenn Ansparphase und Entnahmephase gemeinsam betrachtet werden, wird aus einem hohen Portfoliowert eine belastbare Altersvorsorge.

„Am Ende geht es nicht darum, sich irgendeinen Bitcoin-Preis für die Zukunft auszumalen. Wichtig ist, dass Zeithorizont, Sparrate, Rücklagen und spätere Entnahmen zusammenpassen“, fassen Florian Sondershausen und Christian Haag zusammen. Mit der Haag Sondershausen Consulting GmbH unterstützen Florian Sondershausen und Christian Haag Anleger dabei, Bitcoin langfristig einzuordnen und den eigenen Vermögensaufbau fundierter zu planen.

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