Studie zu sozioökonomischen Kosten von Cr(VI)

Studie zu sozioökonomischen Kosten von Cr(VI)

ID: 2269978

(PresseBox) - Eine von ZVO und VECCO initiierte sozioökonomische Untersuchung zeigt erstmals auf Basis konkreter Unternehmensdaten, welche wirtschaftlichen Folgen der Nicht-Einsatz von Chrom(VI) für Unternehmen und nachgelagerte Wertschöpfungsketten haben könnte. Das Ergebnis ist deutlich: Die tatsächlichen Kosten reichen weit über die unmittelbar betroffenen Oberflächenbetriebe hinaus. Für die untersuchte Stichprobe summieren sich die potenziellen Auswirkungen auf rund 1,65 Milliarden Euro.

Im laufenden europäischen REACH-Restriktionsverfahren zu Chrom(VI) kommt der Bewertung der sozioökonomischen Folgen eine zentrale Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund haben der ZVO und VECCO die EPPA mit einer Untersuchung der wirtschaftlichen Folgen beauftragt, die mit einem möglichen Nicht-Einsatz von Cr(VI) verbunden wären.

Grundlage der Untersuchung sind aggregierte Unternehmensdaten von 35 teilnehmenden Unternehmen aus Deutschland und Österreich. Diese beschäftigen zusammen rund 6.000 Vollzeitäquivalente und erzielten 2025 einen kombinierten Umsatz von rund 625,8 Millionen Euro. Mehr als 3.300 Kunden werden von diesen Unternehmen mit chrombeschichteten Bauteilen beliefert – rund 79 Prozent davon sind kleine und mittlere Unternehmen.

1,65 Milliarden Euro potenzielle Gesamtkosten

Die Untersuchung betrachtet nicht nur die unmittelbar bei den Beschichtungsunternehmen entstehenden wirtschaftlichen Belastungen. Berücksichtigt werden vier wesentliche Kostenblöcke:

252 Millionen Euro wirtschaftliche Auswirkungen, insbesondere durch erwartete EBIT-Verluste,

57 Millionen Euro soziale Kosten, insbesondere infolge möglicher Arbeitsplatzverluste,

18 Millionen Euro Netto-Kosten für Rückbau und Stilllegung von Anlagen sowie

rund 1,3 Milliarden Euro Auswirkungen bei nachgelagerten Unternehmen und Wertschöpfungsketten.

Insgesamt ergeben sich damit für die untersuchte Stichprobe potenzielle Kosten von rund 1,65 Milliarden Euro.



Besonders bemerkenswert ist dabei die Größenordnung der Downstream-Effekte. Die Oberflächentechnik steht nicht am Ende einer Wertschöpfungskette. Sie ist vielmehr integraler Bestandteil industrieller Produktionsprozesse und liefert funktionale Oberflächen unter anderem für Maschinenbau, Verteidigung, Medizintechnik, Lebensmittelindustrie und zahlreiche weitere Anwendungen. Die untersuchten Unternehmen sind in mehr als 20 unterschiedlichen Sektoren aktiv.

Blick auf einzelnen Arbeitsplatz greift zu kurz

Die Studie macht damit zugleich auf eine grundlegende Schwäche einer zu eng gefassten sozioökonomischen Betrachtung aufmerksam.

Unter Einbeziehung der Auswirkungen entlang der Lieferkette ergeben sich rechnerisch Kosten von rund 5,4 Millionen Euro je unmittelbar exponiertem Beschäftigten. Die Studie stellt diesem Wert einen Kostenansatz von 0,13 Millionen Euro pro Arbeitnehmer im SEAC-Ansatz gegenüber. Damit liegen die in der Untersuchung ermittelten Kosten entlang der Wertschöpfungskette um den Faktor 41,5 höher.

Gerade dieser Unterschied zeigt, warum die sozioökonomische Bewertung einer Cr(VI)-Restriktion nicht an den Werkstoren der Galvanikunternehmen enden darf.

Galvanische Oberflächen sind häufig nur ein kleiner Teil des wirtschaftlichen Wertes eines Bauteils – für dessen Funktion, Lebensdauer, Korrosions- und Verschleißbeständigkeit können sie jedoch entscheidend sein. Fällt die entsprechende Beschichtung aus, können die wirtschaftlichen Folgen deshalb ein Vielfaches des eigentlichen Beschichtungswertes erreichen.

Produktionsverlagerungen statt Risikoreduktion?

Die Untersuchung zeigt darüber hinaus ein weiteres industriepolitisches Risiko. Die befragten Unternehmen nennen Werksschließungen und die Verlagerung von Produktion in Staaten außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums als wahrscheinliche Szenarien im Falle einer entsprechenden REACH-Restriktion.

Besonders kritisch ist dies bei Anwendungen für strategisch relevante Branchen wie Verteidigung, Energie, Pharma und Lebensmittelindustrie. Eine Verlagerung solcher Produktionskapazitäten aus Europa würde nicht nur Wertschöpfung und Beschäftigung treffen, sondern könnte zugleich die industrielle Resilienz und strategische Autonomie Europas schwächen.

Die Studie weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass die ermittelten Werte als Untergrenze zu verstehen sind. Eine größere Unternehmensstichprobe sowie die Berücksichtigung weiterer Kostenbestandteile würden den ermittelten wirtschaftlichen Gesamteffekt voraussichtlich weiter erhöhen.

ZVO: Regulierung muss die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigen

Für den ZVO ist klar: Der Schutz von Beschäftigten und Umwelt vor Cr(VI)-Expositionen hat eine hohe Bedeutung. Eine europäische Regulierung muss jedoch zugleich technisch umsetzbar, verhältnismäßig und industriepolitisch verantwortbar sein.

Die nun vorgelegte Untersuchung liefert dafür eine wichtige zusätzliche Datengrundlage. Sie verdeutlicht insbesondere, dass die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen regulatorischer Entscheidungen nicht allein anhand der unmittelbar mit Cr(VI) arbeitenden Beschäftigten oder der einzelnen Beschichtungsunternehmen bewertet werden können.

Wer die sozioökonomischen Folgen einer Cr(VI)-Restriktion realistisch beurteilen will, muss die gesamte industrielle Wertschöpfungskette betrachten.

Denn Oberflächentechnik ist keine isolierte Branche. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil industrieller Produktion in Europa.

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Datum: 01.09.2026 - 09:00 Uhr
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