MDC- und Charité-Forscher entwickeln Maus mit ?hochwirksamem? Bestandteil vom Immunsystem des Menschen
ID: 239297
MDC- und Charité-Forscher entwickeln Maus mit "hochwirksamem" Bestandteil vom Immunsystem des Menschen
Die T-Zellen des Immunsystems tragen auf ihrer Oberfläche Rezeptoren, mit deren Hilfe sie Bakterien, Viren, Pilze erkennen und dafür sorgen, dass das Immunsystem die fremden Eindringlinge bekämpft und zerstört. Gleichzeitig müssen T-Zellen aber fremde von körpereigenen Proteinen (Eiweißen) unterscheiden, damit das Immunsystem körpereigenes Gewebe toleriert. Kann das Immunsystem diese Unterscheidung nicht mehr treffen, attackiert es körpereigene Strukturen und es entstehen sogenannte Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes Typ 1 oder Multiple Sklerose.
Bei Krebserkrankungen jedoch scheint das Immunsystem an die Leine gelegt. Krebszellen stammen aus körpereigenem Gewebe, weshalb das Immunsystem sie offenbar nur schwer erkennt. Und das, obwohl Krebszellen häufig auch Merkmale (Antigene) (griech. von antigennan - dagegen erzeugen) tragen, die sie als Tumorzellen und damit als krankhaft veränderte Zellen kenntlich machen.
Diese Toleranz gegenüber Krebszellen wollen Prof. Blankenstein und seine Mitarbeiter im MDC und in der Charité jetzt durchbrechen. Sie nutzen dabei einen Prozess, der in Säugetieren automatisch aus unreifen T-Zellen reife Immunzellen macht. Unreife T-Zellen haben noch keinen T-Zell-Rezeptor. Sie müssen deshalb aus dem Knochenmark in den Thymus wandern. In dieser Drüse, die Teil des Immunsystems ist, lagern sich die Gene des T-Zell-Rezeptors, mit dem die T-Zelle das Antigen erkennt, nach dem Zufallsprinzip um.
Jede der millionenfach produzierten T-Zellen prägt nur einen T-Zell-Rezeptor auf der Zelloberfläche aus, mit dem ein Antigen erkannt wird. Im Thymus wird aber auch sichergestellt, dass alle T-Zellen, die körpereigene Strukturen erkennen, ausgeschaltet werden. T-Zellen, die spezifisch für fremde Antigene sind, werden von diesen Toleranzmechanismen verschont. Die Maus, beispielsweise, entwickelt keine Toleranz gegen Antigene menschlicher Krebszellen.
"Keine andere transgene Maus enthält vermutlich so viele menschliche Genabschnitte"
T-Zell-Rezeptoren bestehen aus einer alpha und einer beta Kette. Prof. Blankenstein und seine Mitarbeiter haben DNA-Bausteine des Menschen für diese Ketten mit Hilfe eines künstlichen Chromosoms (YAC - Yeast Artificial Chromosome) vermehrt und dann in embryonale Stammzellen der Maus geschleust. Insgesamt waren es circa 2 Millionen DNA-Bausteine, was 2 Megabasen oder rund 170 Gensegmenten entspricht. "Vermutlich enthält keine andere transgene Maus so viele menschliche Genabschnitte", sagt Prof. Blankenstein.
Transgene Maus mit humanen T-Zell-Rezeptoren
Mit den mit humaner DNA beladenen embryonalen Stammzellen züchteten die Forscher in Berlin in zehnjähriger Entwicklungsarbeit transgene Mäuse, die auf ihren T-Zellen alle möglichen T-Zell-Rezeptoren des Menschen bilden. "Diese humanen T-Zell-Rezeptoren in der Maus erkennen humane Antigene menschlicher Krebszellen. Für die Mäuse sind humane Tumorantigene fremd, erläutert Prof. Blankenstein das Ergebnis. "Solche hochwirksamen T-Zell-Rezeptoren gibt es beim Menschen nicht. Sie werden beim Menschen zerstört, um zu verhindern, dass sie körpereigene Strukturen angreifen. Übrig bleiben nur T-Zellen mit weniger wirksamen T-Zell-Rezeptoren", betont er.
Ziel ist, "hoch-affine" humane T-Zell-Rezeptoren der Maus, für die menschliche Krebs-Antigene fremd sind, zu isolieren und in die T-Zellen von Krebspatienten einzuschleusen. Dadurch sollen die wirkungslosen T-Zellen der Patienten hochwirksam für die Zerstörung der Krebszellen gemacht werden. Im Gegensatz zu einer Knochenmarktransplantation, bei der im Empfänger viele T-Zellen des Transplantats aktiviert werden, was zu lebensgefährlicher Zerstörung gesunder Zellen führen kann, ist dieser Therapieansatz sehr selektiv. Damit hoffen die Forscher eine überschießende Reaktion des Immunsystems zu vermeiden.
Ob die hochgerüsteten humanen T-Zellen aus der Maus im Menschen ihre große Wirksamkeit behalten, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Derzeit bereiten die Forscher eine erste klinische Studie vor, in der sie die Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser T-Zell-Rezeptoren bei Krebspatienten erproben werden.
Prof. Blankenstein ist auch Sprecher des Transregio-Sonderforschungsbereich (SFB) "Grundlagen und Anwendungen der adoptiven T-Zell-Therapie" in Berlin und München. Dieser von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bis 2014 geförderte SFB erforscht neue Ansätze in der Krebstherapie unter Zuhilfenahme des Immunsystems. An dem Projekt sind in Berlin neben der Charité und dem MDC auch das Deutsche Rheumaforschungszentrum beteiligt, sowie in München das "Helmholtz Zentrum München Deutsches Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit" und die Technische Universität und die Ludwig-Maximilians-Universität.
*Transgenic mice with a diverse human T-cell antigen receptor repertoire
Liang-Ping Li1,2*, J. Christoph Lampert1,2*, Xiaojing Chen1,2, Catarina Leitao1,2, Jelena Popovi?1,2, Werner Müller3 and Thomas Blankenstein1,2
1 Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine, Robert-Rössle Strasse 10, 13092 Berlin, Germany
2 Institute of Immunology, Charité Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12200, Berlin, Germany
3 Bill Ford Chair in Cellular Immunology, University of Manchester, Faculty of Life Sciences, Oxford Road, Manchester, M13 9PT
*These authors contributed equally to this work
Ein Photo und Graphiken können Sie sich im Internet herunterladen unter:
http://www.mdc-berlin.de
Kontakt
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/de/news
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 06.08.2010 - 18:47 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 239297
Anzahl Zeichen: 7192
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 413 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"MDC- und Charité-Forscher entwickeln Maus mit ?hochwirksamem? Bestandteil vom Immunsystem des Menschen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Gesundheit Adhoc (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Tübingen - Seit April 2013 können die Versicherten der hkk aus Bremen ihre Leistungs- und Abrechungsdaten bequem über den Internetauftritt der Krankenkasse abrufen. Ermöglicht wird das über die elektronische Patientenquittung des Tübinger IT-Unternehmens careon. Die hkk ist damit die vierzeh
SoMa-Tec's PoDi als BEST OF 2013 des INNOVATIONSPREIS-IT 2013 ausgezeichnet ...
Berlin - Das Pulsoxymeter-Display "PoDi" - unsere neuartige und einmalige Lösung zum effizienten Patientenmonitoring im fachärztlichen und pflegerischen Praxisalltag - hat die unabhängige Fachjury aus Professoren, Wissenschaftlern, Branchenvertretern und Fachjournalisten besonders üb
Schwangerschaft und Rheuma. Zwischen Bangen und freudiger Erwartung ...
Bonn/Köln/Düsseldorf - Neun Monate ohne Medikamente - viele Frauen, die an Rheuma erkrankt sind, können sich kaum vorstellen, während einer Schwangerschaft auf ihre Arzneimittel zu verzichten. Die Rheuma-Liga bietet Frauen mit Kinderwunsch und schwangeren Rheumatikerinnen kostenlos Rat: Ein On
Weitere Mitteilungen von Gesundheit Adhoc
Massenpanik verhindern und Menschen retten ...
g>BMBF fördert "Forschung für zivile Sicherheit" mit rund 180 Mio. Euro Wie kann eine Massenpanik verhindert werden? Wie können Menschen möglichst schnell aus gefährlichen Situationen gerettet werden? Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert seit 2007 Projekt
Weitere elf Seniorenservicebüros starten in 2010 ...
Hannover - In Niedersachsen starten weitere elf Seniorenbüros. Sie werden in 2010 in den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Leer, Northeim, Nienburg/Weser, Harburg, Peine, Soltau-Fallingbostel, Vechta und Wesermarsch sowie in den kreisfreien Städten Delmenhorst und Wilhelmshaven eingerichtet. "
Schwarz-Gelb will schleichenden Ausbau der Selbstbeteiligung von Patienten ...
Berlin - Zu den bekannt gewordenen Plänen von Schwarz-Gelb, die gesetzlich Versicherten an Arztkosten zu beteiligen, erklärt Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Patientenrechte und Prävention: Der Vorschlag zeigt wohin die Gesundheitsreform von CDU und FDP zielt: Gehisst wird die Fahne der
Vergabekammer des Bundes bestätigt AOK-Ausschreibungsverfahren ...
Stuttgart - Die 5. Tranche der AOK-Arzneimittelrabattverträge kann in vollem Umfang zum 1. Oktober in Kraft treten. Die 1. Vergabekammer des Bundes hat das von einem Pharmaunternehmen angegriffene bundesweite Ausschreibungsverfahren des AOK-Systems für den Wirkstoff Betamethason in allen Punkten




