Autoindustrie steigt in aufgeheizte Klima-Debatte ein – Hybrid ist nicht der Weisheit letzter Schlus
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(firmenpresse) - Von Ansgar Lange
Bonn/Wolfsburg – In der aufgeheizten Klima-Debatte gehen jetzt auch die Vertreter der deutschen Automobilindustrie in die Offensive. Im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel http://www.spiegel.de fragte VW-Chef http://www.volkswagen.de Martin Winterkorn provokativ: „Sollen wir alle Trabi fahren?“ Die deutschen Hersteller seien keineswegs Bremser beim Umweltschutz. Winterkorn hält die früheren EU-Pläne für abwegig, den CO2-Ausstoß für alle Hersteller verbindlich auf 120 Gramm pro Kilometer festzulegen. Denn dann gäbe es bald keine großen Autos mehr: „Profitieren würden die Produzenten aus Italien und Frankreich, die fast nur noch Kleinwagen anbieten. Da betrieben einige knallharte Industriepolitik zu Lasten Deutschlands. Sollen wir uns dagegen nicht wehren?“
Der Manager, der ab 2002 die Marke Audi http://www.audi.de und seit dem 1. Januar 2007 den gesamten VW-Konzern führt, erinnert daran, dass man den „Vorsprung durch Technik bereits in den neunziger Jahren mit dem Audi duo präsentiert“ habe – dem ersten Hybrid-Serienfahrzeug der Welt. Aber damals sei der Markt offenbar dafür noch nicht reif gewesen. Bei aller Begeisterung müsse man bedenken, dass sich der große Run auf die Hybriden in Grenzen halte. Die Kunden hätten nämlich längst gemerkt, dass ein Hybridmotor zwar im Stadtverkehr Vorteile bringe, doch bei der Fahrt auf der Autobahn nicht. Der Hybrid könne eben nicht alle Probleme lösen, wie es interessierte Kreise, geschickte Marketingleute und nicht besonders faktenkundige Politiker gerne suggerieren: „Der Hybridantrieb kostet viel Geld, und die Kunden sind kaum bereit, so viel mehr für ein Auto zu zahlen. Die Japaner haben einen Riesenvorteil. Der niedrigere Yen-Kurs verbilligt jedes Auto, das sie in Japan bauen, um 3.000 bis 4.000 Euro. Sie können in ihre Modelle entsprechend viele Extras einbauen, ohne den Preis zu erhöhen.“
Uwe Röhrig, Inhaber des Hannoveraner Beratungsunternehmens International Car Concept (ICC) http://www.icconcept.de, hält Winterkorns Argumentation für nachvollziehbar: „Die Automobilhersteller bauen die Autos, die ihre Kunden gern fahren möchten. Und sie müssen das zu bezahlbaren Preisen tun. Zurzeit wird der Eindruck erweckt, als würden die Deutschen für mehr Umweltschutz deutlich höhere Pkw-Preise in Kauf nehmen. Wenn man sich an die Preisschlachten erinnert, die Ende des vergangenen Jahres wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer in unseren Autohäusern angezettelt wurden, kann man daran jedoch zweifeln. Außerdem sollten wir die Situation der heimischen Automobilindustrie nicht ganz außen vor lassen: Im Januar hatten wir schon ein kräftiges Minus bei den Neuzulassungen. Und im Februar ging es noch einmal deutlich zurück. Mit rund 215.460 Neuzulassungen mussten wir ein Minus von fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr feststellen.“ Es sei kein vorgeschobenes Argument, wenn Industrievertreter angesichts der hitzigen Diskussion über CO2 auf die zahlreichen Arbeitsplätze aufmerksam machten, die mit der deutschen Autoindustrie zusammenhängen. Außerdem sei es auch falsch, den Herstellern pauschal Untätigkeit beim Thema Umweltschutz vorzuwerfen.
Winterkorn warnt ebenfalls: „Die jetzt vorgesehenen Grenzwerte hätten definitiv Arbeitsplätze bedroht, vor allem in Deutschland. Die Europäische Kommission war drauf und dran, die Zukunft einer ganzen Industrie zu gefährden.“ Immerhin solle es nun eine Regelung geben, nach der der CO2-Ausstoß nicht für jeden Hersteller, sondern für jede Fahrzeugklasse festgelegt werde. VW werde sich dem Wettbewerb um die beste technische Lösung stellen. Die Reduzierung von Emissionen und Verbrauch bleibe eine zentrale Herausforderung für den Wolfsburger Konzern. Winterkorn kündigte an, dass es bei jeder Modellreihe von VW ein Eco-Modell geben werde. Diese Modelle hätten beispielsweise besonderes effiziente Motoren, Leichtlaufreifen sowie ein anders übersetztes Getriebe. Ziel sei es, mit ihrem niedrigen Verbrauch in ihrer Klasse führend zu sein.
Ähnlich äußerte sich auch Porsche-Chef http://www.porsche.de Wendelin Wiedeking gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) http://www.faz.net. Würden die 130 Gramm generell für jeden Hersteller Pflicht, dann könnte Porsche die Produktion einstellen und die Werkstore schließen. Deutsche Hersteller könnten dann höchstens Kleinwagen produzieren: „Die Trabi-Dominanz hatten wir doch schon einmal in einem Teil Deutschlands; der Sozialismus würde dann auf unseren Straßen wieder fröhliche Urständ feiern.“
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Datum: 06.03.2007 - 15:43 Uhr
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