Rote Liste: 45 Prozent der Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet
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Rote Liste: 45 Prozent der Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet
45 Prozent der Tier- und Pflanzenarten in Nordrhein-Westfalen sind gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Rote Liste, die Umweltminister Johannes Remmel heute vorgestellt hat. "Die Rote Liste zeigt: Wir löschen zur Zeit die Festplatte unserer Erde ? auch in Nordrhein-Westfalen", sagte Remmel. Die Rote Liste ist für NRW zum vierten Mal aufgestellt worden, zum letzten Mal 1999. In den vergangenen elf Jahren wurde die Entwicklung von etwa 12.000 Arten beobachtet. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat die Daten gesammelt und ausgewertet. Die Gesamtbilanz ist im Vergleich zu 1999 zwar konstant, es gibt aber bei einigen Arten deutliche Veränderungen.
"Endlich zeigen sich erste Erfolge einzelner Maßnahmen beim Natur- und Artenschutz und durch die Renaturierung von Gewässern. Wir sehen aber auch, dass wir noch weit davon entfernt sind, Tiere und Pflanzen landesweit zu schützen. Sie brauchen wieder Platz in unserer Umgebung: auf unseren Feldern, im Umfeld der Städte, in Gewässern und Wäldern. Wir werden dazu eine Biodiversitätsstrategie für NRW erarbeiten, die sich mit Zielen und Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt in unserem Land beschäftigt", so Remmel. Weitere Maßnahmen sind ein Netz von Wildnisgebieten, das wertvolle alte Laubholz-Bestände in Wäldern schützt. Mit der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie wird die Landesregierung in die Qualität der Gewässer investieren. Der Flächenverbrauch soll nachhaltig verringert werden und die Umwandlung von Grünland zu Ackerfläche nur noch durch Ausgleichsmaßnahmen möglich sein. Die geplante Einrichtung eines Nationalparks in der Senne soll die dortige seltene Artenvielfalt schützen.
Einzelne Arten der Roten Liste im Überblick
Stärkere Gefährdung gegenüber 1999:
Vor allem für Arten, die in der Agrarlandschaft leben, hat sich die Situation deutlich verschlechtert: Feldlerche, Kuckuck und Feldsperling, bekannte und früher häufig gesehene Arten, sind heute stärker gefährdet als 1999. Auch bei Arten, die auf blütenbunte Feld- und Wegesränder angewiesen sind, sind Rückgänge zu verzeichnen. Dazu zählen zum Beispiel einige Wespen, Bienen und Schmetterlinge. Bei den Pflanzen ist unter anderem die Wiesen-Schlüsselblume stärker gefährdet. "Diese Arten stehen für ganze Gruppen an Tieren und Pflanzen, die unter der intensiven Landwirtschaft leiden", sagt Umweltminister Remmel. "Für den Erhalt der Feldlerche haben wir ein eigenes Programm aufgelegt und fördern Landwirte, die der Feldlerche helfen. Aber das reicht nicht. Wir müssen der Natur wieder mehr Platz einräumen. Wir brauchen mehr Grünland und weniger Flächenverbrauch. Sonst haben diese Arten keine Überlebenschance."
Geringere Gefährdung gegenüber 1999:
Bei einigen Arten, die im Vergleich zum Jahr 1999 weniger gefährdet sind, zeigen sich erste Erfolge der vom Land NRW ergriffenen Naturschutzmaßnahmen. So profitieren der Fischotter, der seit einigen Jahren wieder in NRW heimisch ist, und die Bachforelle von der Renaturierung vieler Gewässer. Der Lachs ist wieder häufiger in den Flüssen zu finden, nachdem er in den vergangenen Jahren wieder erfolgreich angesiedelt wurde. Auch für die beliebten Arten Weißstorch, Uhu und Biber haben wir spezielle Artenschutzprogramme erstellt, die sich jetzt auszahlen. Vögel wie die Heidelerche profitieren von der Ausweisung von Schutzgebieten. Auch der Feldhase ist wieder häufiger in Nordrhein-Westfalen zu sehen. "Die Ergebnisse motivieren, weil sie zeigen, dass Naturschutz etwas bewegt. Sie zeigen aber auch, dass wir bisher vor allem regional Erfolg haben. Wir brauchen den Artenschutz aber in der gesamten Fläche, das gilt für ganz NRW."
Hintergrund zur Roten Liste:
Die aktuelle Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere Nordrhein-Westfalens ist die vierte Gesamtfassung nach 1979, 1986 und 1999. Zur Mitte dieses Jahres wird die Liste mit ausführlicher Kommentierung als Buch veröffentlicht. Sie besteht aus 23 Einzellisten verschiedener Artengruppen. Verantwortlich für die Inhalte der Einzellisten sind Autorenteams aus insgesamt etwa 90 Personen aus dem ehrenamtlichen und amtlichen Naturschutz. Systematische Funddaten und Naturbeobachtungen von über 1000 weiteren Personen wurden berücksichtigt. "Die Rote Liste ist ein Gemeinschaftswerk. Viele ehrenamtlich tätige Experten haben daran mitgearbeitet, ohne deren großes Engagement eine solche Arbeit nicht möglich gewesen wäre", sagt Heinrich Bottermann, Präsident des LANUV.
Die Listen sind im Internet abrufbar unter www.lanuv.nrw.de
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Datum: 14.02.2011 - 14:15 Uhr
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