E10-Trauerspiel zu Karneval
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E10-Trauerspiel zu Karneval
Berlin, 04.03.11: Angesichts der chaotischen Entwicklungen rund um den neuen Agrosprit E10 warnt der ökologische Verkehrsclub VCD vor weiteren Schnellschüssen zulasten von Umwelt und Verbrauchern. Der von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle geplante Benzingipfel müsse zu einer zukunftsfähigen Entscheidung führen, die nicht bei irgendwelchen selbstver-schuldeten Lieferengpässen wieder zum Chaos führe oder von der Informationspolitik der Autoindustrie abhänge.
Monika Ganseforth vom VCD-Bundesvorstand: *Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass nur solcher Sprit aus Biomasse beigemischt wird, der ökologisch und sozial verträglich produ-ziert wird. Er sollte nachweislich zu einem deutlich niedrigeren CO2-Ausstoß führen und darf nicht auf Flächen angebaut werden, die bisher der Produktion von Futter- und Lebensmitteln dienen, weil diese sonst in sensible Ökosysteme wie Wälder oder Moore vorrückt. Dann muss eine entsprechende Quote für die Nutzung von Kraftstoffen aus Biomasse neu verhandelt und festgelegt werden, die nach dem derzeitigen Stand wahrscheinlich zunächst unter zehn Pro-zent liegen wird. Diese Vorgabe muss allerdings auch durchgesetzt werden. Die Politik darf sich nicht länger von der Ölindustrie über den Tisch ziehen lassen."
Noch wichtiger sei es daher laut VCD, die Energieeffizienz von Fahrzeugen zu erhöhen und ihren CO2-Ausstoß zu senken. Die Bundesregierung und die Autoindustrie könnten ihren durch das E10-Chaos ramponierten Ruf dadurch reparieren, dass sie sich jetzt für ambitionierte CO2-Grenzwerte einsetzen. Die von der EU als Langfristziel für 2020 geforderte Obergrenze für Neuwagen von durchschnittlich 95 Gramm CO2 je Kilometer müsse mindestens erreicht wer-den.
Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: *Weniger CO2 bedeutet weniger Verbrauch. Jeder Kraftstoff, besonders der aus Biomasse ist zu kostbar, um in ineffizienten Maschinen verbrannt zu werden. Regierung, Autohersteller und Ölindustrie haben das Chaos rund um E10 gemeinsam verschuldet und bieten nun zur Karnevalszeit ein Trauerspiel sondergleichen. Die Ölkonzerne haben bei dem chaotischen Durcheinander der letzten Wochen als einzige ihre Ziele erreicht."
Die Konzerne hätten gegenüber der Politik zugesagt, über das von der EU als Mindest-zeitraum vorgeschriebene Jahr 2013 hinaus Kraftstoff mit einem Ethanolanteil von fünf Prozent anzubieten. Allerdings hätten sie sich dafür den teuren Super-Plus-Kraftstoff mit erhöhter Oktanzahl ausgesucht. Hier habe die Mineralölwirtschaft nicht nur die Politik über den Tisch gezogen. *Die verunsicherten Verbraucher, die statt E10 das bewährte Benzin mit einem Ethanol-Anteil von nur fünf Prozent tanken wollen, greifen auf das teurere Super Plus zurück. Das ist von der Ölindustrie so gewollt und bringt Extraprofite. Problematisch wird nun, dass unerwartet viele Autofahrer dank der chaotischen Informationspolitik den teuren Sprit tanken. Die Autoindustrie muss daher klarer als bisher informieren, welche Autos E10 vertragen, und klar für ihre Aussagen haften. Die völlig unzureichende Information der Autofahrer haben vor allem die Hersteller zu verantworten", so Lottsiepen.
In den Augen der Verbraucher sei jetzt jede Agrospritbeimischung diskreditiert, so der VCD, was den Mineralölkonzernen entgegenkomme, die sich nun weiter ihrem Kerngeschäft widmen könnten, viel Erdöl-Kraftstoff so teuer wie möglich zu verkaufen.
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Datum: 04.03.2011 - 16:01 Uhr
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