Hausfrauenrevolution: Sind Jungen die neuen „katholischen Arbeitermädchen vom Lande“?
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Mädchen haben es heute oft leichter
Schlechte Zeiten brechen für Deutschlands Männer an. Während die Altersbezüge männlicher Senioren immer weiter sinken, steigen die Bezüge der weiblichen. Ganze Landstriche in den neuen Ländern entvölkern sich. Die Frauen gehen oft in den Westen, um dort eine Arbeit und einen Partner zu finden. Zurück bleiben arbeitslose und frustrierte ostdeutsche Männer. Und jetzt schlägt auch noch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) unter Berufung auf Daten des Statistischen Bundesamtes Alarm: Deutschen Jungens geht es schlecht. Sie geraten immer stärker auf die Verliererstraße und werden von den Mädchen in der Schule, Ausbildung und später im Beruf abgehängt.
Wer heute ohne Schulabschluss dasteht, hat ganz schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt. Männliche Jugendliche an den Hauptschulen verlassen diese viel öfter ohne Abschluss als die Mädchen. Auch die „Sitzenbleiber“ sind in der Regel männlichen Geschlechts. Im Durchschnitt schneiden sie eine Note schlechter ab als ihre Sitznachbarinnen in der Schule. Ganz gravierend fallen ihre Schwächen beim Lesen aus, einer Schlüsselqualifikation, ohne die man in der heutigen Arbeitswelt nicht mehr weit kommt. Wer nicht gut lesen kann, hat Schwierigkeiten beim Bedienen eines Computers, beim Erlernen von Sprachen, beim Lesen von Unterrichtsmaterialien etc. Außerdem werden kommunikative Fähigkeiten heute immer wichtiger. Dort sind Mädchen traditionell stärker. Durch die Leseschwäche der Jungen vergrößert sich der Abstand weiter.
Es fängt schon vor der Schule an. 60 Prozent der Kinder, die von der Einschulung zurückgestellt werden, sind Jungen. Woran liegt das? Sind Jungen dümmer als Mädchen? Die Ursachen sind wohl eher an anderer Stelle zu suchen. Frauen dominieren mit über 95 Prozent in den Kindergärten. Es mangelt also an männlichen Rollenvorbildern. Manche Jungen bekommen zuhause, im Kindergarten und in der Grundschule (über 80 Prozent der Lehrer dort sind weiblichen Geschlechts) keinen Mann zu Gesicht. Vielleicht tritt ein Mann in Form des abwesenden Vaters, der von der alleinerziehenden Mutter getrennt lebt, oder als „cooler“ und gewaltverherrlichender „Gangster-Rapper“ ins Leben des Kindes. Nur an den Gymnasien ist das Verhältnis von weiblichen und männlichen Lehrkräften ungefähr ausgeglichen. An allen anderen Schulformen dominieren die Frauen.
Keine Frage, das heutige Schulsystem benachteiligt die Jungen. Vielleicht sollte man ernsthaft über den „Quotenmann“ an deutschen Grundschulen nachdenken. Dies wäre auch ein Beitrag zur Integration. Denn ein Junge, der in einem traditionellen südländischen Macho-Haushalt groß wird, könnte von der „guten“ Autorität eines männlichen Rollenvorbildes in der Schule nur profitieren. Es wäre sicher auch eine Überlegung wert, für mehr türkischstämmige männliche Lehrer an unseren Schulen zu sorgen, mit denen sich kleine türkischstämmige Buben identifizieren können. Selbst linke Zeitgenossen geben mittlerweile zu, dass Mädchen in der Schule oft besser wegkommen, weil sie angepasster und braver sind. Sie sind nicht so laut wie Jungen, sie raufen sich nicht unbedingt auf dem Schulhof, und sie brüllen nicht einfach in den Unterricht hinein. Überforderte Lehrerinnen neigen dazu, „typisch“ männliches Verhalten schon in der Grundschule zu dramatisieren. Wenn sie mit einem Jungen nicht fertig werden, schicken sie ihn halt zum Kinderpsychologen, geben ihm schlechtere Noten oder alarmieren die Eltern.
Die Schulen müssen weg von der falschen Gleichmacherei. Auch darin sind sich viele Experten und sogar Bildungspolitiker theoretisch einig. Warum sollten Mädchen und Jungen im Deutschunterricht nicht unterschiedliche Bücher lesen? Die Leseinteressen sind ja auch schließlich unterschiedlich. Auch der Sportunterricht eignet sich für die Getrennt-Erziehung. Jungen spielen lieber Fußball, Mädchen haben vielleicht mehr Lust auf Tanzen und Gymnastik. Dass auch Mädchen in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern von nach Geschlechtern getrennten Klassen profitieren würden, sollte auch nicht unerwähnt bleiben.
Jungen brauchen wieder ein Lobby. Dies war lange Zeit nicht populär, da die feministisch angehauchten Pädagogen und so genannten Experten uns gelehrt haben, dass Frauen prinzipiell benachteiligt werden. Es ist nur schade, dass alle Welt aufhorcht, wenn ein wirtschaftlicher Interessenverband wie der DIHK davor warnt, dass männliche Bildungsverlierer unsere Sozialkassen teuer zu stehen kommen können. Es wäre schön, wenn mal etwas für die Jungen getan würde, weil sie der Gesellschaft um ihrer selbst willen am Herzen liegen. Denn wer Jungen nichts zutraut, sie für aggressiv und blöd hält, wird genau die Männer bekommen, vor denen er immer Angst hatte.
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Datum: 01.10.2007 - 09:54 Uhr
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