Kulturstaatsminister Bernd Neumann: Weitere Stärkung der Provenienzrecherche im Bereich NS-Raubkunst
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Kulturstaatsminister Bernd Neumann: Weitere Stärkung der Provenienzrecherche im Bereich NS-Raubkunst
In Anwesenheit von Kulturstaatsminister Bernd Neumann sind am (heutigen) Mittwoch im Centrum Judaicum Berlin 13 NS-verfolgungsbedingt entzogene Bücher durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) an die Jüdische Gemeinde Berlin zurückgegeben worden. Die Restitution erfolgte im Rahmen eines von der "Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/ -forschung" (AfP) geförderten Projektes.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann zog dabei eine erste Bilanz der 2008 vom BKM initiierten AfP: "Die Arbeitsstelle hat ihren Auftrag nicht nur voll erfüllt, sondern alle Erwartungen übertroffen. Die bundesdeutsche Provenienzforschung nimmt inzwischen im internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein. Mit den vom BKM bisher zur Verfügung gestellten Mitteln in Höhe von insgesamt 3 Millionen Euro konnten in 58 öffentlichen Einrichtungen fast aller Bundesländer 69 Projekte gefördert werden. Von den zumeist mehrjährigen Projekten wurden 28 abgeschlossen.
Fünf geförderte Einrichtungen führten Restitutionen durch, zahlreiche weitere Verdachtsfälle wurden an die lostart-Datenbank gemeldet. Durch die Maßgabe der Mitfinanzierung durch die Projektträger ist es gelungen, weitere 1,2 Millionen Euro aus den Budgets der Länder und Kommunen für die Provenienzrecherche einzusetzen. Der Erfolg der Arbeit der AfP hat mich bestärkt, der dezentralen Herkunftsforschung auch in den nächsten drei Jahren jeweils eine Million Euro zur Verfügung zu stellen. Ich rufe insbesondere kleine und kommunale Einrichtungen auf, die Beratung und Förderung der AfP in Anspruch zu nehmen."
Zur Bedeutung der restituierten Bücher betonte Bernd Neumann weiter: "Die 13 Bücher, die heute zurückgegeben werden, bewahren das Andenken an die Berliner Jüdische Gemeinde, die im Nationalsozialismus ausgelöscht und deren Mitglieder getötet oder vertrieben wurden. Sie erinnern an die Schuld, die Deutschland mit der Verfolgung und Ermordung der Juden Europas auf sich geladen hat. Gerade die Alltäglichkeit dieser Bücher ist es, die uns an die schreckliche Realität der Judenverfolgung in der Nazidiktatur erinnert. Insbesondere deshalb sind solche Projekte heute und in Zukunft so wichtig."
Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Lala Süsskind, bedankte sich beim BKM und bei der ZLB und sagte: "Die Rückgabe dieser Bücher ist ein Zeichen nach innen, das der Zentral- und Landesbibliothek zur Wiederherstellung der eigenen Würde dient. Und es ist ein Zeichen nach außen, an die jüdische und an die nichtjüdische Gesellschaft. Dabei spielt es keine große Rolle, dass es keine spektakulären Werke sind. Diese Übergabe erinnert uns alle daran, dass Unrecht auch nach so vielen Jahren nicht verjährt."
Die Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/ -forschung ist Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Der BKM stellt der AfP seit 2008 jährlich eine Mio. Euro für die projektbezogene, dezentrale Provenienzrecherche/ forschung zur Verfügung. Die Kulturstiftung der Länder trägt mit 200.000 Euro jährlich den Unterhalt der AfP-Geschäftsstelle.
Die ZLB forscht seit 10 Jahren nach NS-Raubgut. Mehr als 200.000 Bücher müssen einzeln auf Spuren der Vorbesitzer überprüft werden. Es schließt sich die komplexe Suche nach den rechtmäßigen Eigentümern oder deren Erben an. Bisher wurden 25.000 Exemplare bearbeitet und 5.100 als verdächtig eingestuft. 1.500 Fälle von NS-Raubgut wurden in der Datenbank lostart gemeldet, mehr als 100 Bücher konnten restituiert werden.
Kontakt:Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/ -forschung beim Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Bodestraße 1-3, 10178 Berlin, Tel.: (030) 2090 6215, E-Mail: afp@smb.spk-berlin.de, Internet: http://www.arbeitsstelle-provenienzforschung.de/
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Datum: 13.04.2011 - 15:45 Uhr
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