Banken in Deutschland müssen beim Mobile Payment aktiver werden
ID: 39559
Von Gunnar Sohn
Augsburg/Düsseldorf - Einer der wichtigsten Hemmfaktoren im stationären Internet und auch bei den mobilen Diensten ist immer noch die Abwicklung der Bezahlvorgänge. Beim „Mobile Payment“ soll das EU-Projekt „Secure Mobile Payment Services“ (SEMOPS) http://www.semops.com positive Wirkungen bringen. „Bei der Anwendung von Mobilfunktechnologien hat Europa im Vergleich mit den USA bisher noch einen Vorsprung von etwa einem Jahr - ein Vorsprung, der früher doppelt so groß war und weiter schmilzt“, erklärt Dr. Key Pousttchi, Leiter der Arbeitsgruppe Mobile Commerce am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering der Universität Augsburg. Mit SEMOPS könnte ein universelles mobiles Bezahlsystem entstehen – sowohl für den E- und M-Commerce als auch für stationäre Händler und Automaten. Das System soll unabhängig von Endgeräten sein und setzt auf ein standardisiertes Verfahren zwischen Mobilfunkanbietern und Banken." Seit Januar 2007 befindet es sich in der Phase SEMOPS II. Dabei wird es auf Testmärkten in Italien, Griechenland und Ungarn eingesetzt. Parallel dazu werden M-Payment-Geschäftsmodelle untersucht und entwickelt. Als einziger deutscher Partner ist die Universität Augsburg mit der Geschäftsmodellforschung befasst.
In Europa gibt es in Spanien und neuerdings auch in Belgien nationale Kooperationslösungen zwischen allen Mobilfunkanbietern und marktführenden Banken. In Deutschland war ein entsprechender Ansatz mit dem „National Roundtable M-Payment" vor zwei Jahren gescheitert. „Wir haben die Modelle von 2005 inzwischen wesentlich weiterentwickelt und sind optimistisch, dass sinnvolle Lösungen möglich sind. Mehrere große Banken haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Mobile Payment beschäftigt, aber letztlich hat keine ein überzeugendes Konzept vorgelegt und den Wurf gewagt. Wir hoffen, dass sich auf dem deutschen Markt wieder etwas mehr bewegt, wenn im Januar zwei der vier Mobilfunkanbieter auch offiziell wieder im Mobile Payment aktiv werden“, spekuliert Pousttchi.
Fraglich ist nach Meinung von Omar Khorshed, Vorstandschef des Düsseldorfer Abrechnungsdienstleisters acoreus http://www.acoreus.de, ob es den Mobilfunkbetreibern und Banken gelingen wird, gemeinschaftlich ein standardisiertes Verfahren zu entwickeln. „Für den Handel dürfte diese Einigung zudem sehr teuer werden, wenn man sich an den derzeitigen Preisen für mobile Bezahlverfahren der Mobilfunkunternehmen orientiert – etwa bei Diensten wie Premium-SMS. Zudem werden sich proprietäre Verfahren nur schwer durchsetzen, wie die Vergangenheit gezeigt hat“, so die Bedenken von Khorshed.
Banken seien mit den wenig erfolgreichen mobilen Initiativen eher vorsichtig geworden und werden in diesem Prozess sicherlich keine Vorreiterrolle übernehmen, prognostiziert der Billing-Experte. Der Lindauer Mobilfunkkenner Michael Sander sieht das ähnlich kritisch: „Eigentlich war es ein großer Glücksfall, dass es Europa gelungen ist, mit GSM einen Weltstandard zu entwickeln. Vielleicht muss man sich dazu in Erinnerung rufen, dass GSM früher Groupe Spéciale Mobile hieß und es einige Visionäre wie den damaligen Postminister Schwarz-Schilling gab, die den Markt und die Voraussetzungen für digitalen Mobilfunk geschaffen haben. Eine solche Gruppe und derartig klare Visionen gibt es heute nicht. Stattdessen sollen bürokratische Forschungsprojekte und staatliche Hochschulen die Ideen generieren und Anschubkräfte auslösen, um ein neues Standardisierungsniveau zu erreichen. Das ist zum Scheitern verurteilt“, glaubt Sander, Geschäftsführer der Unternehmensberatung TCP http://www.terraconsult.de. Impulse könnten von Branchenaußenseitern wie Google oder Apple kommen. „Vielleicht auch aus Asien oder Afrika, da dort ohnehin eine viel höhere Präferenz für den Einsatz von Mobiltelefonen im Alltag herrscht“, weiß Sander.
In afrikanischen Ländern wie Nigeria oder Kamerun habe sich das Handy als bargeldloses Zahlungsmittel bereits fest etabliert, bestätigt Bernhard Steimel, Geschäftsführer der Düsseldorfer Unternehmensberatung Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net: „Hier hat man aus der Not eine Tugend gemacht, da es kein flächendeckendes Bankensystem gibt. Basis des afrikanischen M-Payments sind die Guthaben der Handybenutzer auf der SIM-Karte. Für bargeldlose Einkäufe überträgt der Kunde den gewünschten Betrag auf die SIM-Karte des Verkäufers. Dazu benötigt er nur die Telefonnummer des Verkäufers und den entsprechenden Systembefehl, den er dann mit der zu übertragenden Höhe der Überweisung’ in sein Handy eintippt. Und schon ist der gewünschte Betrag von seiner SIM-Karte auf die des Verkäufers übertragen“, erläutert Steimel. So könne man selbst in abgelegenen Dörfern Zentralwestafrikas mit Sicherheit eine ältere Dame finden, die unter einem schattigen Baum ihre eigene „Bank” betreibt: „Auf einem Stuhl sitzend, ein Schild mit den angeboten Bank- und Telekommunikationsservices vor sich, ist sie stets bereit und in der Lage, gegen Bargeld und eine kleine Gebühr Überweisungen in andere Landesteile vorzunehmen“, sagt Steimel.
Die bevorstehenden aktuellen Entwicklungen auf dem Mobile-Payment-Markt werden Diskussionsthema auf der 8. Konferenz Mobile Commerce Technologien und Anwendungen (MCTA 2008) http://www.mcta.de sein, die am 28. und 29. Januar 2008 von der Universität Augsburg veranstaltet wird.
Redaktion
medienbüro.sohn
Ettighoffer Straße 26 A
53123 Bonn
Tel: 0228 – 620 44 74
Fax: 0228 – 620 44 75
Mobil: 0177 620 44 74
medienbuero@sohn.de;
www.ne-na.de
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: cklemp
Datum: 05.12.2007 - 10:40 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 39559
Anzahl Zeichen: 0
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Gunnar Sohn
Kategorie:
Dienstleistung
Meldungsart: Unternehmensinformation
Versandart: Veröffentlichung
Freigabedatum: 05.12.07
Diese Pressemitteilung wurde bisher 914 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Banken in Deutschland müssen beim Mobile Payment aktiver werden"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
medienbüro.sohn (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Facebook-Browser könnte soziale Netzwerke umpflügen Berlin/München, 27. Februar 2009, www.ne-na.de - Millionen Deutsche sind mittlerweile in sozialen Netzwerken wie XING, Wer-kennt-wen, Facebook oder StudiVZ organisiert, haben ein Profil und präsentieren sich auf irgendeine Art im Web, ob mi
Finanzbehörden müssen mit Mittelstand innovativer umgehen ...
Schnelle Verfahren zur Stundung von Steuern und Anpassung von Vorauszahlungen Berlin, 26. Februar 2009, www.ne-na.de – Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) www.bvmw.de fordert die Finanzbehörden und Sozialversicherungen zu einem flexiblen und innovativen Umgang mit kleinen un
Kritik von Abfallexperten: Novellierte Verpackungsverordnung zementiert Grünen Punkt ...
Müllkonzern, fördert Preisdumping und unseriöse Recyclingmethoden Berlin/Bonn, 25. Februar 2009, www.ne-na.de - Einige Medien berichteten am Anfang des Jahres von der wundersamen Wiederauferstehung des Grünen Punktes http://www.gruener-punkt.de. So soll der frühere Müllmonopolist Duales Sys
Weitere Mitteilungen von medienbüro.sohn
Der Postmindestlohn, das Tarifkartell und die Monopolinteressen von Zumwinkel ...
Wettbewerber kündigen Rückzug an Von Gunnar Sohn Bonn/Berlin - Als Reaktion auf die Einführung des Mindestlohns für Briefzusteller hat die private Briefzustellergruppe Pin-Group http://www.pin-group.net die Entlassung von zunächst 1.000 Mitarbeitern angekündigt. Dabei liege der Schwerp
Weltweit umfassendste Studie zum globalen Pigment-Markt ...
„Farben sind das Lächeln der Natur“, schwärmte der englische Dichter Leigh Hunt. Farben machen aber nicht nur unser Leben bunter: Mehr als ein Drittel aller Informationen, die der Mensch aufnimmt, betreffen koloristische Eigenschaften der Umgebung. Kein Wunder, dass sich immer mehr Hersteller
Jackpot-Hysterie, Spielsucht und die Lotto-Steuer zu Lasten der Einkommensschwachen ...
Von Gunnar Sohn Düsseldorf/Hamburg, www.ne-na.de - Der Ansturm auf die bundesweit 24.500 Lottoläden kennt keine Grenzen. „Am vergangenen Samstag wurden rund 151,5 Millionen Euro eingesetzt - gut 90 Millionen Euro mehr als bei einer normalen Samstagsziehung. Mit der Rekordsumme von 43 Million
Produktivitätsmanagement ...
1 Es ist der Mensch, der Maßstäbe setzt Wissensarbeit sind geistig objektivierende Tätigkeiten, die neuartige und komplexe Arbeitsprozesse und -ergebnisse betreffen, die äußere Mittel zur Steuerung der Komplexität und ein zweifaches Handlungsfeld benötigen. Es ist der Mensch, der Maß




