Getreideernte: Mageres Ergebnis für die Bauern

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Getreideernte: Mageres Ergebnis für die Bauern



(pressrelations) - hätzt Getreideernte 2011 auf 39 Millionen Tonnen

Mit einer Getreideernte von rund 39 Millionen Tonnen und einer Rapsernte von 3,7 Millionen Tonnen liegt die diesjährige Ernte in Deutschland deutlich unter dem Vorjahresergebnis. Die Getreide- und Rapsernte des Jahres 2011 fällt äußerst mager aus, teilte der Deutsche Bauernverbandes (DBV) in seiner abschließenden Erntebilanz mit. Die Erntemenge bei Getreide entspricht einem Rückgang von nahezu 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Raps sind es sogar 34 Prozent, so der DBV. Auch im langfristigen Vergleich fällt die Ernte klein aus. "Die extrem ungünstige Witterung während der gesamten Vegetationsphase hat unsere diesjährige Ernte auf das Niveau des extrem trockenen und heißen Jahres 2003 fallen lassen" berichtete Dr. Klaus Kliem, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses für Getreide und Präsident des Thüringer Bauernverbandes, auf der Ernte-Pressekonferenz des DBV in Berlin.

Im Einzelnen erklärte Kliem: "Die Aussaat in 2010 war nässebedingt äußerst unbefriedigend. Der Winter brachte vor allem Rapsbeständen Frostschäden. Das Frühjahr wurde durch Hitze und Trockenheit von März bis Mai zum Sommer und die Erntezeit ab Ende Juni fiel buchstäblich ins Wasser, vor allem im Nordosten Deutschlands. Noch immer laufen dort die Mähdrescher. Wir kämpfen um jeden Doppelzentner Getreide und Raps".

Für etwas Entspannung bei den Ackerbauern sorgen die aktuellen Erzeugerpreise. Mit derzeit 190 Euro pro Tonne Brotweizen bewegen sie sich auf dem Niveau des Vorjahres. Die Rapspreise liegen mit 423 Euro pro Tonne sogar knapp 70 Euro pro Tonne oberhalb des Preises von vor einem Jahr. "Das hört sich zunächst besser an, als es für viele Betriebe ist" kommentierte Kliem die wirtschaftliche Situation. "Denn Einkommen erzielen können nur die Landwirte, die auch etwas zu verkaufen haben. Oft bereitet es aber schon größte Mühe, die geschlossenen Vorverträge einhalten zu können". Zudem erreiche Brotgetreide vielfach nur noch die Qualität von Futtergetreide. Auch haben die schlechten Erntebedingungen die Kosten, vor allem durch zusätzliche Trocknung, erheblich steigen lassen.



Hinsichtlich zu erwartender Verbraucherpreise wies Präsident Kliem daraufhin, dass auch die weltweit knappe Versorgungslage bei Nahrungsmitteln und spürbare Kostensteigerungen (z. B. für Düngemittel und Energie) zwangsläufig zu höheren Nahrungsmittelpreisen führen werden. Der Anstieg dürfte aber im Rahmen der allgemeinen Inflationsrate bleiben.

Bei den einzelnen Kulturen kommt der DBV zu folgenden Ergebnissen:

Winterweizen ist mit einer Anbaufläche von 3,19 Millionen Hektar die wichtigste Getreidekultur in Deutschland. Trotz der widrigen Witterungsverhältnisse konnten die Weizenflächen in vielen Regionen Deutschlands schon zu einem großen Teil abgeerntet werden. Eine Ausnahme bilden hier Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern sowie Teile Niedersachsens. Nach den bisherigen Ernteergebnissen ist eine Weizenernte von rund 21 Millionen Tonnen zu erwarten. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von gut 2 Millionen Tonnen bzw. 12 Prozent. Da Weizen vielfach mit Feuchtegehalten von bis zu 20 Prozent geerntet und anschließend getrocknet wurde, hielten sich die Qualitätseinbußen bisher in Grenzen. Bei den noch zu erntenden Partien werden jedoch nur noch Futterqualitäten erwartet.

Die Erntemenge der Wintergerste beträgt in diesem Jahr nur 6,4 Millionen Tonnen. Damit liegt das Ergebnis knapp 26 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Dies ist auf einen erneuten Rückgang der Anbauflächen um mehr als 8 Prozent auf 1,19 Millionen Hektar zurückzuführen. Zusätzlich sind die Hektarerträge im Bundesdurchschnitt um fast 19 Prozent auf 5,4 Tonnen pro Hektar zurückgegangen.

Die Anbaufläche der Sommergerste wurde im Vergleich zum Vorjahr um knapp 22 Prozent auf 421.500 Hektar ausgedehnt. Ein hoher Anteil umgebrochener Rapsflächen und deutlich bessere Braugerstenpreise haben die Attraktivität des Sommergerstenanbaus gesteigert. Das Ertragsbild fällt äußerst heterogen aus. Während in Niedersachsen ein Ertragszuwachs gegenüber dem Vorjahr von über 20 Prozent und niedrige Proteingehalte erzielt werden konnten, fielen in Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt die Erträge gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent, vereinzelt auch um 30 Prozent, ab. Hier fallen die Proteingehalte zudem vielfach zu hoch aus. Im Gesamtergebnis der Sommergerstenernte kommt die Flächenausdehnung aufgrund der teils deutlichen Ertragsrückgänge nur bedingt zum Tragen. Die Erntemenge der Sommergerste liegt bei 1,9 Millionen Tonnen und damit knapp 10 Prozent oberhalb des Vorjahresergebnisses.

Beim Roggen sind ebenfalls deutliche Ertragseinbußen zu verzeichnen. Die Ursache hierfür ist weniger in der Frühjahrstrockenheit, sondern vielmehr in den zu nassen Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst zu sehen. Vor allem in den östlichen Bundesländern liegen die Mindererträge in einer Größenordnung von 25 bis 30 Prozent. In Niedersachsen konnte dagegen auch beim Roggen ein Ertragszuwachs von gut 11 Prozent erzielt werden. Insgesamt wurde somit eine Roggenernte von 2,4 Millionen Tonnen eingebracht. Dies entspricht einer um knapp 16 Prozent geringeren Roggenernte.

Der Anbau von Winterraps ist gegenüber dem Vorjahr um knapp 10 Prozent auf 1,3 Millionen Hektar zurückgegangen. Durch die schlechten Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst hatten sich viele Bestände vor Einsetzen des Winters nur unzureichend entwickelt. Zusätzlich hatte der recht harte Winter mit Wechsel- und Kahlfrösten den Rapsbeständen zugesetzt. Viele Bestände mussten daher umgebrochen werden. Aber auch die übrigen Bestände konnten sich nicht vollständig erholen, so dass die Erträge etwa 27 Prozent hinter dem Vorjahresniveau zurückbleiben. Insgesamt beläuft sich die Winterrapsernte damit auf 3,7 Millionen Tonnen
(-34 Prozent), 2010 waren es 5,7 Millionen Tonnen. Die Ölgehalte fallen mit weniger als 40 Prozent bis zu 44 Prozent sehr heterogen aus.

In einem guten Entwicklungsstand befinden sich derzeit die Zuckerrüben. Gute Aussaatbedingungen im Frühjahr und eine ausreichende Wasserversorgung in den letzten Wochen lassen eine gute Zuckerrübenernte erwarten. Besonders haben die Maisbestände von der feucht-warmen Witterung profitiert, was zu einer Entspannung der Situation der Futterbaubetriebe führte. Diese fürchteten aufgrund deutlicher Ertragseinbußen beim ersten Grünlandschnitt noch um die Grundfutterversorgung ihrer Tierbestände. Auch das Grünland hat sich durch die Sommerniederschläge erholt.

Die Kartoffelanbaufläche in Deutschland liegt weiterhin auf niedrigem Niveau, auch wenn sich diese im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent auf 259.400 Hektar ausgeweitet hat. Den anfänglich guten Pflanz- und Aufwuchsbedingungen folgten Phasen der Frühjahrstrockenheit, wodurch die Kosten für die Beregnung in die Höhe getrieben wurden. Mit Beginn der Niederschläge wurden dann in Teilen Deutschlands die Rodebedingungen aufgrund der Unbefahrbarkeit der Flächen zunehmend schwierig. Die Qualitäten der gerodeten Frühkartoffeln sind gut. Im Vergleich zum Vorjahr weisen die Erträge eine größere Schwankungsbreite auf. Für die Haupternte wird mit einem nicht unerheblichen Anteil an Übergrößen gerechnet.

Die Obsternte fällt in diesem Jahr erneut gut durchschnittlich aus. Bei der wichtigsten Kultur, dem Apfel, haben Frost, Hagel, Trockenstress und Junifruchtfall dazu geführt, dass die Apfelernte kaum höher liegen wird als letztes Jahr. Aufgrund der Witterung im Juli und August geht die Fruchtgrößenentwicklung beim Apfel jedoch weiter. In Deutschland wächst nach derzeitiger Kenntnis eine Apfelernte von rund 896.000 Tonnen heran (im Vorjahr 835.000 Tonnen). Das bedeutet eine um 7 Prozent größere Erntemenge als im vergangenen Jahr.

Die Kirschenernte wird sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahres bewegen. Die Süßkirschenernte fällt nur leicht höher aus als im letzten Jahr und dürfte bei knapp 33.000 Tonnen liegen. Bei Sauerkirschen wird die diesjährige Erntemenge bei rund 20.000 Tonnen liegen und damit wiederum nur das mengenmäßig schlechte Ergebnis des Vorjahres erreichen. Fröste und weitere Rodungen haben zu der geringen Erntemenge beigetragen. In diesem Jahr ist aufgrund der wiederum kleinen Ernte eine Vermarktung zu akzeptablen Preisen möglich gewesen.

Die Erdbeerernte wird im Bereich von 160.000 Tonnen gelegen haben, nach 157.000 Tonnen im Vorjahr. Dabei hat die Ernte aufgrund der warmen Witterung deutlich früher begonnen. Ein gleichmäßiger Saisonverlauf hat zu einer guten Marktverteilung und einer ausgeglichenen Versorgungslage über die gesamte Saison geführt.

Im Gemüsebau begann die Erntesaison 2011 bei fast allen Kulturen im ersten Halbjahr deutlich früher als im langjährigen Durchschnitt und sorgte für einen guten Start. Allerdings waren bereits im Frühjahr die Bewässerungskosten extrem hoch. Die meisten Preise lagen dabei auf dem Vorjahresniveau. Mit dem 26. Mai 2011 (EHEC-Krise) hat sich die Situation allerdings grundlegend geändert. Konsum und Preise gingen deutlich zurück und haben sich bis heute, insbesondere bei Gurken, Tomaten und Blattsalaten noch nicht erholt.

Die Spargelernte 2011 dürfte knapp unter 100.000 Tonnen gelegen haben und damit etwa auf dem Niveau des Jahres 2009. Durch den früheren Beginn der Spargelsaison und die Möglichkeit der Erntesteuerung über die Folie war die Spargelsaison 2011 mit dem Enddatum 24. Juni in diesem Jahr etwas länger als sonst. Bei durchschnittlichen Preisen und kontinuierlicher Marktbeschickung ist die Spargelsaison als ordentlich zu bezeichnen.


Autor: Deutscher Bauernverband
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Datum: 25.08.2011 - 12:15 Uhr
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