Wenn der Materialfluss stockt - Die Verkehrslogistik leidet unter ihrem eigenen Boom
ID: 52521
von Patrick Schroeder
In Deutschland bleibt der Lkw dabei Transportmittel Nummer eins - Tendenz steigend. Laut Verkehrsprognose des Bundesministeriums für Verkehr http://www.bmvbs.de wird im Jahr 2015 der Straßengüterfernverkehr 70 Prozent der gesamten Verkehrsleistung ausmachen.
„Bis zum Jahr 2050 wird das Güterverkehrsaufkommen von heute gut 3,7 Milliarden Tonnen um knapp die Hälfte auf fast 5,5 Milliarden Tonnen zunehmen“, so Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee während der Eröffnung der „transport logistic 2007“ in München. Wo heute auf Autobahnen eine Fahrspur von LKWs genutzt wird, wären in knapp 20 Jahren zwei Spuren nötig, um das gestiegene Güteraufkommen bewältigen zu können, so ein Bericht von Logistik Inside http://www.logistik-inside.de.
„Die Logistik beruht auf einem Dreiklang aus Technik, Informatik und Betriebswirtschaft. Die technische Sicht der Logistik stellt den Materialfluss als eine Verkettung aller Vorgänge bei der Verteilung von Gütern in den Vordergrund“, so Professor Michael ten Hompel im Buch „Materialflusssysteme“. Um diese logistischen Anforderungen überhaupt bewältigen zu können, wird die Technik vor neue Herausforderungen gestellt. „Moderne Waagen beispielsweise ermitteln heutzutage das Gewicht über die Frequenz einer schwingenden Saite. Dadurch arbeiten sie besonders schnell und präzise“, erklärt Reto Gianotti, Vice Managing Director Sales and Marketing bei PESA http://www.pesa.ch.
Auf lange Sicht kann der Güterverkehr aber nur dann reibungslos rollen, wenn man Straße, Wasser, Schiene und Luft besser miteinander vernetze, berichtet die Financial Times Deutschland http://www.ftd.de. Doch hier bemängeln Experten oftmals das Zusammenspiel der einzelnen Verkehrsträger. „Wir haben in der Verkehrslogistik heute den Status eines Schwellenlandes, weil wir in der Zusammenführung der Verkehrsträger nicht weit genug gekommen sind“, klagt Helmut Baumgarten, Professor für Logistik an der TU Berlin gegenüber der FTD. Bereits 2006 berichtete das Handelsblatt http://www.handelsblatt.de von den Problemen der Branche. Sie leide unter dem eigenen Boom. Auf der Sonnenseite stünden Milliardenumsätze, auf der Schattenseite verlängerte Lieferzeiten durch anschwellende Warenströme.
„Aus unserer Sicht ist es nicht fünf vor, sondern zehn nach zwölf für eine substanzielle Steigerung der Investitionen in das Schienennetz und eine Konzentration auf die Schaffung von Kapazität“, so Günter Elste, Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen http://www.vdv.de, anlässlich der Jahrestagung seines Verbandes in Nürnberg. Zu allem Überfluss wird es laut Jens Baganz, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium von NRW, spätestens im Jahr 2011 zu Flächenengpässen in den Binnenhäfen kommen. Um zukünftigen Aufgaben gerecht werden zu können, benötigen die 23 öffentlichen Häfen landesweit in den kommenden 15 Jahren rund 325 Hektar zusätzliche Flächen, sagte Baganz während des Logistikkongresses Log:08 in Köln. Nur durch solche Investitionen könne eine optimale Arbeitsteilung und Güterversorgung in Deutschland und Europa gewährleistet werden.
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Datum: 01.07.2008 - 08:32 Uhr
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