Schiffsbeteiligungen
ID: 527625
Tonnagesteuer wird zum Bumerang
Von der Finanzverwaltung droht weiteres Ungemach für gebeutelte Investoren
Zur Erinnerung: Im Jahr 1999 hat der Gesetzgeber die Tonnagesteuer als versteckte Förderung der Schifffahrtsbranche eingeführt. Wirkungsweise: Nicht der tatsächliche Gewinn einer Fondsbeteiligung auf Grundlage der Steuerbilanz wird dem Zugriff des Finanzamts unterworfen, sondern lediglich ein pauschaler Wert. Dessen Höhe hängt ab von der Größe und den Betriebstagen eines Schiffes. Mit erfreulichen Folgen für Investoren. Denn „die Tonnagesteuer ist so gering, dass Fondsanleger so gut wie keine Steuerbelastungen hatten und haben“, erläutert Jan-Henning Ahrens, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Bank- und Kapitalrecht sowie Partner der KWAG – Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht in Hamburg und Bremen.
Nach einer gängigen Faustregel beträgt der so genannte Tonnagegewinn rund 0,1 Prozent vom jeweiligen Schiffswert. Beispiel: Fährt ein Containerschiff im Wert von 25 Millionen Euro einen tatsächlichen Gewinn von 1,2 Millionen ein, wuerde der für die Besteuerung ausschlaggebende Tonnagegewinn lediglich bei etwa 30.000 Euro liegen. Dies bedeutet: 1,17 Millionen Euro brauchen Investoren nicht zu versteuern.
Überdies waren und sind spätere Veräußerungsgewinne ebenfalls vollständig durch die geringfügige Tonnagesteuer abgegolten oder aber es kam der sogenannte Unterschiedsbetrag zum Ansatz. „Ein blendendes Argument für die Emissionshäuser und deren Vertriebe“, erklärt Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens. Denn mit dem Hinweis, dass Ausschüttungen und mögliche spätere Verkaufsgewinne nahezu unbesteuert bleiben, hätten die Emissionshäuser alles in allem weit mehr als zehn Milliarden Euro für ihre Schiffsbeteiligungen bei Investoren eingeworben.
Was viele Anleger nicht wissen: Die Tonnagesteuer wirkt in guten wie in schlechten Zeiten. Dies bedeutet: „Selbst wenn die Schiffsbeteiligung einen Verlust macht, besteuert das Finanzamt den Tonnagegewinn“, erklärt Jan-Henning Ahrens. Zudem sei auch ein möglicher Veräußerungsverlust, den seit Ausbruch der Finanzkrise im Herbst des Jahres 2008 immer mehr Schiffsinvestoren beklagen, durch den (theoretischen) Tonnagegewinn abgegolten. „Ob auf dieses Risiko von den Emissionshäusern und Vertrieben bei der Einwerbung ausreichend hingewiesen wurde, dürfte fraglich sein“, sagt Ahrens.
Wie groß der finanzielle Schaden für Investoren im Einzelfall sein kann, zeigt das Beispiel des „DS-Rendite-Fonds Nr. 111“ des Emissionshauses Dr. Peters. Hier droht der Totalverlust des Eigenkapitals in Höhe von rund 45 Millionen Euro. Bei der herkömmlichen Einkommensbesteuerung, also ohne Berücksichtigung des Tonnagegewinns, hätten Investoren diesen Verlust mit Gewinnen Steuern sparend verrechnen können. Doch hier „wirkt die Tonnagesteuer wie ein Verlustturbo“, sagt Rechtsanwalt Ahrens.
Regelbesteuerung
Tonnage-besteuerung
Tatsächlicher Verlust in Mio. Euro
-45,0
-45,0
Anzusetzender Tonnagegewinn in Mio. Euro
entfällt
+0,1
Steuereffekt, 45 % auf -45,0 bzw. +0,1 Mio. Euro
+20,3
0,0
Kapitalverlust nach Steuern in TEUR
-24,7
-45,0
Der Vergleich zeigt: Bei der so genannten Regelbesteuerung hätten Anleger das Finanzamt mit mehr als 20 Millionen Euro an den Verlusten ihres Schiffsfonds beteiligen können. Entsprechend niedriger würde der finanzielle Schaden nach Steuern ausfallen. Aufgrund der Tonnagesteuer kommt dies allerdings nicht in Betracht. „Investoren müssen den Verlust ohne steuerliche Verrechnungsmöglichkeiten ungeschmälert tragen“, sagt Ahrens.
Kein Einzelfall. Denn allein die Kanzlei KWAG kennt rund 280 Schiffsfonds, bei denen auf Veranlassung der jeweiligen Emissionshäuser, der finanzierenden Banken und/oder Wirtschaftsprüfer bereits Sanierungskonzepte durchlaufen werden oder noch anstehen. Überdies wird bei vielen dieser Schiffsbeteiligungen ein Verkauf erwogen, weil die Liquidität trotz Nachzahlungen von Investoren oder Rückforderungen bereits geleisteter Auszahlungen nicht reicht für die Fortführung des Schiffsbetriebs.
„Schiffsinvestoren sollten ihre Beteiligungen von unabhängigen Experten prüfen lassen“, rät eindringlich Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens. Dadurch gelinge es möglicherweise – etwa durch die Rückabwicklung oder den zügigen Verkauf – den finanziellen Schaden spürbar zu begrenzen.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Für Rückfragen:
Jan-Henning Ahrens, Partner
KWAG • Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht
Ahrens und Gieschen - Rechtsanwälte in Partnerschaft
Lise-Meitner-Straße 2
28359 Bremen
Tel.- Nr.: 0421 5209 480
Fax- Nr.: 0421 5209 489
bremen(at)kwag-recht.de
www.kwag-recht.de
Pressekontakt:
Hajo Simons| Partner
Siccma Media GmbH | Bonner Strasse 328 | D-50968 Köln
Telefon: 0221 348 038 – 12
Telefax: 0221 348 038 – 41
kwag(at)siccmamedia.de
www.siccmamedia.de
Datum: 25.11.2011 - 12:12 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 527625
Anzahl Zeichen: 5272
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Benedikt Bereuter
Stadt:
Köln
Telefon: 0221- 34 80 38 30
Kategorie:
Fonds
Meldungsart: bitte
Versandart: Veröffentlichung
Freigabedatum: 25.11.2011
Diese Pressemitteilung wurde bisher 492 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schiffsbeteiligungen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Siccma Media GmbH (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Köln, 5. März 2025 - Philipp J. Meckert, der langjährige Chefreporter und Redakteur im Newsroom von EXPRESS und Kölner Stadt-Anzeiger, hat seinen dritten Köln-Krimi geschrieben. Nach "Mond und die Bombe" und "Mond und das Aqua Christi" erscheint mit "Mond und die Villa
Digitale Atemtherapie: MyBreo unterstützt Menschen mit COPD, Asthma und Long-Covid durch innovative Lösungen ...
Berlin, 9. Oktober 2024 - Mehr als 750 Millionen Menschen leiden an Beeinträchtigungen ihrer Lunge; chronische Lungenerkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Auch in Deutschland sind schätzungsweise 14 Millionen Menschen von Volkskrankheiten wie COPD, Asthma, Long- und Post
Erster Köln-Krimi von Philipp Meckert ...
Köln, 23. Juni 2023 - Philipp J. Meckert, der langjährige Chefreporter und Redakteur im Newsroom von EXPRESS und Kölner Stadt-Anzeiger, hat seinen ersten Köln-Krimi geschrieben. Auf der Homepage https://www.rheinstrom.koeln/ veröffentlicht der 51-Jährige jeden Montag um 11.11 Uhr kostenlos
Weitere Mitteilungen von Siccma Media GmbH
S-UBG begleitet Nachfolge bei Albrecht-Automatik ...
Aachen, 11. Mai 2026 – Die regionale Beteiligungsgesellschaft S-UBG AG aus Aachen hat gemeinsam mit der ACT Holding (Advanced Clean Technologies) im Rahmen eines Management-Buy-In (MBI) 100 Prozent der Anteile an der Albrecht-Automatik GmbH aus Pulheim erworben. Das Maschinenbauunternehmen ist spe
EU-Taxonomie und AI: Automatisierte Compliance mit arXiv 2024 State-of-the-Art ...
Die EU-Taxonomie-Verordnung und die SFDR haben europaeische Fondsgesellschaften ab 2021 zu detaillierten Nachhaltigkeits-Berichten verpflichtet. Der manuelle Aufwand ist enorm: Taxonomy-Alignment-Reports erfordern die Bewertung jeder Investition gegen sechs Umweltziele, technische Screening-Kriterie
Computer Vision im Wald: Drohnen, CNN und Borkenkaefer-Frueherkennung ...
Drohnen-basierte Computer-Vision hat in der Forstwirtschaft in den letzten zwei Jahren den Uebergang von der Forschung zur operativen Praxis geschafft. Insbesondere die Frueherkennung von Borkenkaefer-Befall bei Fichten wird durch UAV-Systeme revolutioniert.**Nature-Studie 2024: AI-driven Drones**Ei
Generative AI im nachhaltigen Finanzwesen: Die Frontiers-Perspektive 2025 ...
Das Forschungsfeld "AI for ESG" hat sich seit 2023 zu einer eigenstaendigen Disziplin entwickelt. Frontiers in Environmental Science und Nature Climate Change veroeffentlichten 2024-2025 mehrere Editorials zum Stand der Technik. Die wichtigsten Befunde bestaetigen: Generative AI ist im nac
Biodiversitaet und KI: Bioakustik und eDNA revolutionieren Monitoring ...
Die Biodiversitaetskrise gilt neben der Klimakrise als zweites existenzielles Umweltproblem des 21. Jahrhunderts. Laut IPBES ist eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Klassische Biodiversitaets-Monitoring-Methoden (Feldbegehungen, manuelle Artenkartierung) sind kostenintensiv
AI-gestuetzte Due Diligence im Impact Investing: Der McKinsey-2024-Stand ...
Due Diligence war historisch ein arbeitsintensiver, manueller Prozess. Fuer Impact-Investments ist der Aufwand besonders hoch: Neben Finanz- und Rechtspruefung muessen ESG-Metriken, Additionalitaet, Theory-of-Change und SFDR-Konformitaet geprueft werden. Generative AI hat diesen Prozess ab 2024 grun
Predictive Analytics in der Forstwirtschaft: Klima-Risikomodelle fuer 2050 ...
Der Klimawandel stellt die europaeische Forstwirtschaft vor historische Herausforderungen. Laut der Bundeswaldinventur 2022 sind seit 2018 rund 461.000 Hektar Fichtenbestaende in Deutschland abgestorben. Machine Learning hat sich in den letzten Jahren als entscheidendes Werkzeug fuer die Risikomodel
Large Language Models als ESG-Analysten: Was BloombergGPT und ESG-BERT wirklich koennen ...
Large Language Models haben die Finanzanalyse 2023-2026 grundlegend veraendert. Bloomberg veroeffentlichte mit BloombergGPT im Maerz 2023 das erste domain-spezialisierte Finanz-LLM mit 50 Milliarden Parametern. Fuer ESG-Analysen haben sich kleinere, aber hochspezialisierte Modelle wie ESG-BERT etabl
Satellitendaten und KI: Plantagen-Monitoring mit Sentinel-2 und Deep Learning ...
Das europaeische Copernicus-Programm bietet mit Sentinel-1 und Sentinel-2 seit 2015 kostenfrei hochaufloesende Satellitendaten. In Kombination mit Deep Learning hat sich daraus der De-facto-Standard fuer Forstmonitoring entwickelt.**Deep Learning auf Zeitreihen**Aktuelle Studien zeigen, dass Modelle
Machine Learning fuer Carbon Credit Verifizierung: Der MRV-Standard der Zukunft ...
Die EU-Verordnung 2024/3012 (CRCF — Carbon Removal Certification Framework) verlangt seit 2024 verbindliche Qualitaetsstandards fuer CO2-Entnahme-Zertifikate. Zentral ist das Prinzip der robusten, replizierbaren Messung, Berichterstattung und Verifizierung (MRV). Machine Learning auf Remote-Sensin




