Integra fordert Nationalen Aktionsplan zum Schutz vor weiblicher Genitalverstümmelung
ID: 566954
Einwandererfamilien sind der Gefahr ausgesetzt, in Deutschland oder
während eines Aufenthalts im Heimatland der Eltern an ihren
Genitalien beschnitten zu werden. Diese Menschenrechtsverletzung ist
in vielen afrikanischen Ländern und Teilen Asiens noch immer
verbreitet und führt oft zu schweren körperlichen und seelischen
Schäden, im Extremfall sogar zum Tod. Deshalb fordert Integra, das
bundesweite Netzwerk zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung,
dringend einen Nationalen Aktionsplan zum wirksamen Schutz
gefährdeter Mädchen.
Integra-Sprecherin Barbara Schirmel: "Wir können nicht zulassen,
dass Mädchen hierzulande oder im Ausland an ihren Genitalien
verstümmelt werden und für ihren Schutz verantwortliche deutsche
Politikerinnen und Politiker weitgehend tatenlos zusehen. Neben einer
gesetzlichen Verankerung braucht es vor allem aktive Prävention." In
anderen europäischen Ländern wie z.B. Frankreich, den Niederlanden
und der Schweiz gebe es bereits entsprechende Nationale Aktionspläne
oder Präventionsprogramme. Darum fordere Integra, dass sich auch die
Bundesregierung dieser Herausforderung stellt. "Der Schutz
gefährdeter Mädchen darf nicht dem Sparzwang zum Opfer fallen."
Aufgrund eines Bundestagsbeschlusses (BT 16/9420, S. 6) wurde 2009
unter Federführung des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe
zur Beendigung weiblicher Genitalverstümmlung gegründet. Diese sollte
gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen Maßnahmen zum Schutz
gefährdeter Mädchen in Deutschland und in den Herkunftsländern
entwickeln. Integra hatte hierzu konkrete Vorschläge erarbeitet - wie
die Fortbildung von Fachkräften und Präventionsarbeit mit
MigrantInnen in Deutschland - und setzt sich für einen Nationalen
Aktionsplan zum Schutz gefährdeter Mädchen ein. Die Vorschläge von
Integra sind unter www.netzwerk-integra.de zu finden.
2010 zog sich das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung aus der Koordinierung der
Bund-Länder-AG zurück. Integra fordert dringend die sofortige
Wiederaufnahme der Arbeitsgruppe und die Umsetzung des
Parlamentsbeschlusses.
INTEGRA ist ein Netzwerk von derzeit 24 deutschen Organisationen,
die sich weltweit für eine Überwindung der weiblichen
Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) engagieren.
Bundespräsident Christian Wulff hat die Schirmherrschaft von INTEGRA
übernommen. Weitere Informationen unter www.netzwerk-integra.de
Pressekontakt:
Für Rückfragen und Interviews erreichen Sie die
Integra-Sprecherschaft:
Barbara Schirmel
Tel: 0241/442364
Barbara.Schirmel@misereor.de
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Datum: 03.02.2012 - 09:44 Uhr
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