Börsen-Zeitung: Bis zur letzten Instanz, Kommentar zur Causa Leo Kirch von Bernd Wittkowski,
ID: 573400
jenseits der in der Erfolgsrechnung zu Buche stehenden Aufwendungen,
zulasten des Eigenkapitals für Rechtsrisiken reserviert.
Entsprechende Händel hat sie in Hülle und Fülle, aber nun scheint
klar, worauf sich der verklausulierte Hinweis von Vorstandschef Josef
Ackermann auf der Jahrespressekonferenz zumindest auch bezog: auf die
Causa Leo Kirch. Ein Vergleich in der Größenordnung von 800 Mill.
Euro mit den Erben des Medienunternehmers ist offenbar konkret im
Gespräch. Doch sollte sich niemand zu früh freuen: Noch ist nichts in
trockenen Tüchern, und sollte noch etwas dazwischenkommen, wäre es in
der vor zehn Jahren und zehn Tagen mit einem Interview des
Ackermann-Vorgängers Rolf Breuer losgetretenen Auseinandersetzung
nicht der erste gescheiterte Vergleichsversuch.
Wer hätte überhaupt Grund zur Freude? Die Kirch-Seite gewiss, auch
wenn 800 Mill. Euro weit weg wären von den einst geforderten
Milliardenbeträgen. Freuen würden sich - wenn sie nicht sogar
treibende Kräfte hinter den Einigungsbemühungen sind - Ackermanns
designierte Nachfolger Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Dass sie sich
nach Übernahme der Führung nicht noch weitere Jahre mit diesem nicht
nur Legionen von Juristen auslastenden, sondern auch jede
Hauptversammlung der Bank strapazierenden Thema herumschlagen wollen,
wäre zweifellos verständlich.
Aber was hätten die Aktionäre der Bank davon? Hat diese nicht
immer steif und fest behauptet, im Recht zu sein? Hat Ackermann nicht
stets betont, die Bank werde sich in solchen Fällen "mit allen
gebotenen Mitteln zur Wehr setzen"? Haben die Bank und Breuer, der in
seinem Interview 2002 ja tatsächlich etwas ausgesprochen hatte, das
man vorher in der Zeitung lesen konnte, in den Dutzenden von Kirch
angezettelten Prozessen nicht wichtige Etappensiege erreicht? Liefe
das Eingehen auf einen so teuren Vergleich dann nicht auf ein
Schuldeingeständnis und darauf hinaus, Geld zum Fenster rauszuwerfen?
Und welche Garantie hätte die Bank überhaupt, dass die Sache damit
wirklich ausgestanden wäre? Mit einem zivilrechtlichen Vergleich kann
sie sich nicht von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen
Ackermann und andere freikaufen. Sie wäre auch nicht dagegen gefeit,
dass Trittbrettfahrer, die angeblich gar nichts mit Kirch zu tun
haben, das Thema weiter für ihre eigenen Spielchen nutzen und allen
drei Organen der Bank auf die Nerven gehen.
Die Deutsche Bank muss die Causa Kirch, so lästig sie ist,
ausfechten - bis zur letzten Instanz.
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Datum: 13.02.2012 - 20:50 Uhr
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