Ärzte ohne Grenzen: Novartis muss Klage in Indien zurückziehen - Medikamentenversorgung in ärmeren Ländern gefährdet
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protestiert zusammen mit anderen Organisationen anlässlich der
Hauptversammlung des Pharmaunternehmens Novartis in Basel gegen die
Patentpolitik des Unternehmens. Die Organisation ruft die Aktionäre
auf, den Schweizer Konzern dazu zu bewegen, seine Klage gegen die
indische Regierung zurückzuziehen. Ärzte ohne Grenzen befürchtet,
dass ein Erfolg der Klage dazu führen würde, dass lebenswichtige
Medikamente für Patienten in ärmeren Ländern nicht mehr bezahlbar
sind. Zehntausende haben in den vergangenen Tagen im Internet gegen
die Klage protestiert.
"Die Aktionäre müssen sich darüber im Klaren sein, was bei diesem
Verfahren auf dem Spiel steht", sagt Dr. Unni Karunakara,
internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen. "Wir fordern
Novartis auf, den Rechtsstreit in Indien ein- für allemal
einzustellen und diesen Angriff auf die Apotheke der Armen zu
beenden. Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie die Quelle für
bezahlbare Medikamente versiegt. Wir sind für unsere medizinische
Hilfe in mehr als 60 Ländern auf diese Medikamente angewiesen."
Die Anhörung im Prozess von Novartis gegen den indischen Staat vor
dem Obersten Gerichtshof Indiens ist für März angesetzt. Ein Urteil
im Sinne von Novartis würde dazu führen, dass die indischen
Patentämter schon für bloße Modifikationen existierender Medikamente
Patente erteilen, die andernfalls in Indien nicht unter Patentschutz
stünden. In diesen Fällen könnten in Indien künftig keine günstigen
Nachahmerpräparate etwa für die Behandlung von HIV oder Tuberkulose
produziert werden. 80 Prozent der HIV-Medikamente, die Ärzte ohne
Grenzen zur Behandlung von 170.000 Patienten verwendet, sind
generische Medikamente aus indischer Produktion.
Seit 2006 hat Novartis mehrere Klagen gegen Bestimmungen im
indischen Patentrecht angestrengt. Anlass des aktuellen Verfahrens
ist das Krebsmedikament Imatinib Mesylate, eine Variante des schon
bekannten Wirkstoffs Imatinib, dessen Patentierung von den indischen
Patentämtern abgelehnt worden ist.
"Die Bedeutung dieses Falles reicht weit über ein einzelnes
Medikament hinaus. Die Klage ist ein Beispiel dafür, wie
Pharmakonzerne mit allen Mitteln versuchen, der indischen
Generikaproduktion einen Riegel vorzuschieben", sagt Philipp Frisch,
Referent der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Aber
Millionen Menschen sind auf diese bezahlbaren Medikamente angewiesen.
Jeder Angriff auf die patientenfreundlichen Regelungen des indischen
Patentrechts ist gleichzeitig auch ein Angriff auf die Gesundheit und
das Leben dieser Patienten."
In den vergangenen Tagen haben Ärzte ohne Grenzen und andere
Organisationen mehrere Online-Kampagnen gegen die Klage von Novartis
gestartet. Zehntausende Internetnutzer haben den Konzern dazu
aufgerufen, die Klage zurückzuziehen. Allein über die Kampagnenseiten
von Ärzte ohne Grenzen haben mehr als 3.000 Personen
Protestbotschaften an Novartis über den Kurznachrichtendienst Twitter
verschickt.
Kampagnenseite im Internet: http://msf.de/dA
Pressekontakt:
Weitere Informationen und Interviews: Stefan Dold 030/700130-230;
0163/8808457; www.aerzte-ohne-grenzen.de
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Datum: 23.02.2012 - 10:20 Uhr
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