Neue OZ: Kommentar zu Piraten
ID: 581922
Menschen über 60 Jahre setzen auf Bewahrung des Erreichten. Junge
Menschen fordern ungezügelte Freiheit und lieben das Chaos, weil es
Machtstrukturen infrage stellt. So weit der bekannte
Generationenkonflikt. Weil aber die Älteren immer älter werden und
die Lebensphase der Jugend mit früherem Einsetzen der Pubertät und
der Etablierung neuer Lebensphilosophien länger wird, gewinnt er an
Schärfe.
Die neue Arena, in der dieser Konflikt ausgetragen wird, ist das
Internet: Heimvorteil für die Jungen. Während Ältere dort nur passiv
konsumieren, haben die Jungen das Netz zum aktiven Lebensmittelpunkt
erklärt. Neben der Selbstverwirklichung in sozialen Netzwerken
bringen sie als Plagiatjäger Politiker zu Fall, führen Geheimdienste
in Enthüllungsplattformen vor und organisieren erfolgreich Widerstand
gegen das ACTA-Abkommen, das ihr Wirken einschränken will.
Die Generation Internet hat Transparenz im öffentlichen Leben zum
Dogma erklärt - wobei sich ihre Kraft gerade aus der Anonymität und
Intransparenz des Netzes speist. Wer glaubt, dass sich die
Piratenpartei, politischer Arm der Bewegung, durch Personalrochaden
und Unorganisiertheit bald selbst beseitigen wird, verkennt ihr
verborgenes Unterstützerpotenzial. Weder die gern jugendlich
auftretenden Grünen noch die selbst erklärten Liberalen haben bisher
eine wirksame Strategie entwickelt, dieses Potenzial anzuzapfen -
ganz zu schweigen von den beiden Noch-Volksparteien.
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Datum: 26.02.2012 - 22:00 Uhr
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