Neue OZ: Kommentar zu Bundespräsident / Zapfenstreich
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Stell Dir vor, es ist Großer Zapfenstreich, und kaum einer geht
hin. So sieht es jetzt aus, denn es ist ganz, ganz einsam um
Christian Wulff geworden. Der niedersächsische Ministerpräsident
nimmt an der Verabschiedung der Bundeswehr ebenso wenig teil wie die
Hälfte des Bundeskabinetts und die ehemaligen Bundespräsidenten.
Kaum vorstellbar, dass es morgen zu einer würdevollen
Veranstaltung kommen wird. Als Ministerpräsident war Wulff zeitweilig
in Umfragen einer der beliebtesten Politiker Deutschlands, nun ist er
zur unerwünschten Person geworden, mit der sich kaum jemand
öffentlich blicken lassen will. Eine Entwicklung vom "Hosianna" zum
"Kreuzige ihn". Neid, Spott, Hass und Häme sind die Begriffe, die mit
ihm in Verbindung gebracht werden.
Wulff selbst hat zum Ruf als Schnäppchenjäger beigetragen, hat
ungeschickt auf Vorwürfe reagiert. Und mit Unverständnis nehmen die
meisten Bürger zur Kenntnis, dass er wohl den Ehrensold annehmen
will. Unter diesen Umständen wäre es klüger gewesen, wenn er auf den
Zapfenstreich zumindest so lange verzichtet hätte, wie Staatsanwälte
gegen ihn ermitteln.
Dennoch: Wenn jetzt sogenannte frühere Freunde und Weggefährten
dem Zapfenstreich fernbleiben, handeln sie unanständig. Gerade jene,
die Wulff hofiert haben, solange er noch ein begehrter
Gesprächspartner war. Nun wird er gemieden, als sei er ein
Serienmörder. Bei allen Fehlern, das hat er nicht verdient.
Christof Haverkamp
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Datum: 06.03.2012 - 22:00 Uhr
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