"Manchmal fühle ich mich auch schon um den Schlaf gebracht" / Martin Schulz in 3sat über die europäischen Idee, die Griechenlandhilfe und sein Leben in Brüssel
ID: 592530
Erstausstrahlung
"Ein Problem des europäischen Parlaments ist, dass unsere
tatsächlichen Machtbefugnisse in keinem Verhältnis zu unserer
öffentlichen Wahrnehmung stehen. Ich habe mir die Aufgabe gestellt,
dies zu ändern. (...) Das beschäftigt mich jeden Tag - von morgens
bis abends." Martin Schulz, Präsident des EU-Parlaments, ist am
Montag, 12. März, 22.25 Uhr, zu Gast in der 3sat-Sendung "Vis-à-vis"
mit Frank A. Meyer.
In dem einstündigen Fernsehgespräch äußert sich Schulz zum Zustand
der Europäischen Union und seiner Institutionen, zur
Griechenlandhilfe, bei der die Deutsche Bundesregierung nicht
ausreichend deutlich sage, dass "wir nicht als der reiche Onkel
Almosen geben", sondern dass die Stabilisierung der Eurozone die
Stabilisierung des Hauptabsatzmarktes der deutschen Exportindustrie
sei. (...) "Das ist ja kein Akt karitativer Mildtätigkeit, sondern
unter anderem eine Investition in unser eigenes Interesse."
"Europa ist für mich eine emotionale Angelegenheit", sagt Schulz.
Er fühle sich der Idee Europas mit dem staatenübergreifenden
Zusammenleben verpflichtet. "Das ist ein Stück meiner eigenen
Identität."
Heute befürchtet er, "dass der Kontinent inzwischen dabei ist,
sich auseinander zu dividieren, dass die Dämonen des 20. Jahrhunderts
wieder hochkommen - wie Verachtung anderer Völker, Rassismus, offene
Fremdenfeindlichkeit, die Lust wieder Grenzen einzuführen. (...) Die
wirtschaftliche Krise, die Abstiegsängste, die sich mit dieser Krise
verbinden, führen zu einem Anwachsen eines Phänomens, von dem wir
glauben, es überwunden zu haben. Und das gefährdet die Europäische
Union (...) Manchmal fühle ich mich auch schon um den Schlaf
gebracht."
So sei die Rettung Griechenlands "ein Abwehrvorgang gegen die
Spekulation von milliardenschweren Anlegern, Investmentfonds,
Hedgefonds vor allen Dingen, die auf das Auseinanderbrechen der
Eurozone und die Wiedereinführung nationaler Währungen und der damit
verbundenen Spekulation wetten", argumentiert der
EU-Parlamentspräsident. "In Griechenland geht es auch ein Projekt
insgesamt, um die zweite Leitwährung der Welt zu zerstören." Er
unterstreicht, dass ohne die jetzigen Hilfen der Zusammenbruch des
europäischen Finanzsystems drohe und Millionen von Menschen in den
Abgrund reißen würde. "Es geht um konkrete Arbeitsplätze, es geht um
konkrete Lebensentwürfe." An die Adresse mancher griechischer
Demonstranten sagt er: "Und den Griechen muss man umgekehrt sagen,
die Solidaritätsleistung, die die deutschen Steuerzahlerinnen und
Steuerzahler erbringen, kann man nicht mit Nazi-Karikaturen über
Angela Merkel beantworten."
In Bezug auf sein Leben in Brüssel fügt er hinzu, "dass man sehr,
sehr aufpassen muss, nicht zu glauben, dass dieses Leben in diesem
multinationalen Rahmen mit Menschen aus aller Herren Länder, mit
täglichen Besuchern von Botschaftern, Ministern, Regierungschefs, mit
den hoch vermögenden Persönlichkeiten dieser Erde, dass dies der
Normalfall des Lebens ist. (...) Das normale Leben ist das Leben der
Menschen, die in meinem Stadtviertel um mich herum sind."
Der Sozialdemokrat Martin Schulz, ist ein begeisterter Europäer
und gehört dem Europa-Parlament seit 1994 an. Seit 2004 führte der
heute 56-Jährige die Fraktion der Sozialisten und Sozialdemokraten.
Der höchste gewählte Vertreter Europas träumte ursprünglich einmal
von einer Fußballkarriere. Hätte er sich nicht schwer verletzt, wäre
er wohl Profi-Spieler beim FC-Bellinzona in der Schweiz geworden.
Geboren ist Schulz 1955 in Hehlrath bei Aachen, einer deutschen
Kleinstadt nahe der deutsch-holländisch-belgischen Grenze, wo
Europafreundlichkeit Tradition hat.
Pressekontakt:
Presse und Öffentlichkeitsarbeit 3sat
Pepe Bernhard
Telefon: +49 (0) 6131 - 701 6261
E-Mail: bernhard.p@3sat.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 09.03.2012 - 17:01 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 592530
Anzahl Zeichen: 4371
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Mainz
Kategorie:
Außenhandel
Diese Pressemitteilung wurde bisher 326 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
""Manchmal fühle ich mich auch schon um den Schlaf gebracht" / Martin Schulz in 3sat über die europäischen Idee, die Griechenlandhilfe und sein Leben in Brüssel"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
3sat (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Schulbibliotheken waren in den USA jahrzehntelang ein sicherer Ort des Lesens und Lernens. Inzwischen jedoch ist an Amerikas Bücherregalen ein Kulturkampf entbrannt: Konservativen Aktivisten sind manche Werke ein Dorn im Auge. Alles, was ihrem Weltbild nicht entspricht, soll aus den Regalen verschw
3sat: Porträt des Schweizer Künstlers Roman Signer ...
Im Jahr 2002 beginnt eine ungewöhnliche Reise: Der Künstler Roman Signer hat die Idee, mit einem Ape-Fahrzeug eine alte Skisprungschanze nahe Zakopane in Polen zu befahren – und dies filmisch festzuhalten. Das Porträt "Roman Signer – Die ideale Reisegeschwindigkeit" von Aufdi Aufder
3sat-Wissenschaftsformate über Männlichkeit auf Abwegen ...
Toxische Männlichkeit ist auf dem Vormarsch. Machos aus Politik und Wirtschaft werden zu Role Models der Mannosphäre, Misogynie breitet sich aus und wird zum Social-Media-Trend. Die "NANO Doku: Männlichkeit auf Abwegen – Was tun gegen Frauenhass?" fragt am Donnerstag, 21. Mai 2026, 20
Weitere Mitteilungen von 3sat
Vorsprung bei Qualität, Nachholbedarf bei Vermarktung: Made in Germany am Golf / Trotz moderater Exporte bietet Golfregion viele Chancen ...
Die deutschen Ausfuhren in die Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) sind 2011 nur um moderate 4% gestiegen - ein unbefriedigendes Ergebnis. Zumal der Markt ein enormes Potenzial bietet: Schätzungen zufolge haben die GCC-Staaten 2011 insgesamt Waren im Wert von 388 Mrd. US$ importiert, 18% me
FT: Kommentar zu USA/Syrien ...
US-Präsident Obama signalisiert Bereitschaft, notfalls auch mit Gewalt die Bevölkerung vor den brutalen Übergriffen des syrischen Regimes zu schützen. Das ist die implizite Botschaft, die er dem Diktator in Damaskus sendet, wenn er dem Pentagon den Auftrag erteilt, entsprechende Optionen zu p
Landeszeitung Lüneburg: Europa hat das Zeug zum Vorbild -- Dr. Heumann, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitsüpolitik, zur Situation des alten Kontinents. ...
US-Außenministerin Hillary Clinton rief Ende 2011 "Amerikas pazifisches Jahrhundert" aus. Die finanziell klamme, militärische Hypermacht will ihren Blick auf die asiatische Wachstumsregion lenken. Was bedeutet das für Europa, das plötzlich vom Zentrum in eine Insellage rückt? Dr. H
Neue Presse Hannover: Präsident des Missvergnügens Ein Kommentar von Harald John ...
Als der letzte Trompetenstoß im Garten von Schloss Bellevue gestern Abend verklungen war, meinte man einen kollektiven Seufzer der Erleichterung vernommen zu haben. Mit dem pompösen Ritual des Großen Zapfenstreichs endet die Ära des Bundespräsidenten Christian Wulff offiziell, auch wenn die




