forsa-Umfrage: Gewalt in der Erziehung / Repräsentative Studie im Auftrag von ELTERN: Bestrafungen lassen leicht nach / Schlechtes Gewissen wächst leicht / Unterschiede zwischen Ost und West
ID: 593498
ein Kind demütigen, es klein halten und gleichzeitig die Autorität
der Eltern untergraben, gibt es nach wie vor Gewalt in der Erziehung
- allerdings weniger als noch vor fünf Jahren. Zu diesem Ergebnis
kommt die aktuelle forsa-Umfrage unter 1.003 Eltern im Vergleich zu
einer Vorstudie aus dem Jahre 2006/07. Vier von zehn Eltern bestrafen
ihr Kind mit einem "Klaps auf den Po", zehn Prozent geben eine
"Ohrfeige" und lediglich vier Prozent versohlen den Hintern. Vor fünf
Jahren gaben 46 Prozent den "Klaps auf dem Po" an, elf Prozent die
Ohrfeige und sechs Prozent das "Hinternversohlen". Aktuell bekommen
Jungen die Hand eher zu spüren als Mädchen: 39 Prozent der Eltern von
Mädchen geben einen Klaps auf den Po im Vergleich zu 45 Prozent der
Eltern von Jungs. Jungen bekommen doppelt so häufig den Hintern
versohlt wie Mädchen (Jungseltern sechs Prozent, Mädcheneltern nur
drei Prozent). Sind ausschließlich Töchter in der Familie, geben nur
31 Prozent einen Klaps, und lediglich ein Prozent gibt an, den
Hintern zu versohlen.
Mehr Kinder, mehr Schläge
Je mehr Kinder die Befragten haben, desto häufiger rutscht die
Hand aus: Eltern von mindestens drei Kindern ohrfeigen mehr als
doppelt so häufig wie Eltern von Einzelkindern. Spitzenreiter ist
auch hier der Klaps auf den Po: Rund die Hälfte aller Eltern mit
mindestens drei Kindern gibt einen Klaps auf den Po, während dies nur
34 Prozent der Einzelkind-Eltern angeben.
Der Osten straft anders als der Westen
Im Westen gibt es häufiger den Klaps, im Osten tendenziell
häufiger eine Ohrfeige: 42 Prozent der westdeutschen Eltern geben
einen Klaps, aber nur neun Prozent eine Ohrfeige, im Osten 32 bzw. 14
Prozent.
Das schlechte Gewissen nimmt leicht zu
Nach Klaps oder Ohrfeige haben 75 Prozent der Mütter und Väter ein
schlechtes Gewissen, vor fünf Jahren waren es 71 Prozent.
Westdeutsche Mütter und Väter plagen sich häufiger damit (77 Prozent)
als ostdeutsche (64 Prozent).
Grund für die Bestrafung: vorwiegend die "Unverschämtheit" der
Kinder
Als Anlässe für die Bestrafung gibt über die Hälfte der Befragten
an, dass die Kinder "unverschämt" waren. Mit jeweils 40 Prozent
werden das "Nicht-Gehorchen" und aggressives Verhalten den Eltern
gegenüber genannt. Vor fünf Jahren war "Ungehorsam" noch am
häufigsten als Auslöser genannt worden (56 Prozent).
Wirken körperliche Strafen? Eher selten!
17 Prozent der strafenden Befragten glauben, dass Strafen
"eigentlich gar keine Wirkung" haben. Und 37 Prozent sagen: Die
Wirkung hat nur "ein paar Stunden" oder "ein paar Tage" angehalten.
Lediglich ein Drittel ist der Meinung ihre körperlichen Strafen
hätten "ein paar Wochen" oder "ein paar Monate" angehalten. Im Osten
wird die Wirksamkeit ein wenig höher eingeschätzt als im Westen.
Ganz ohne Strafen kommt niemand aus
Laut werden (93 Prozent) und Verbote aussprechen (85 Prozent) sind
die häufigsten körperlosen Bestrafungen bei unerwünschtem Verhalten.
Mit großem Abstand folgen "eine Auszeit verordnen" (47 Prozent), "auf
den Tisch hauen" (43 Prozent), "das Kind kräftig anfassen/
festhalten" (38 Prozent) sowie "ignorieren" (26 Prozent) und
"niederbrüllen" (19 Prozent). Frauen werden häufiger laut und
verordnen eine Auszeit, während Männer häufiger handgreiflich werden.
Eltern, die mit dem Alltag unzufrieden sind, neigen deutlich häufiger
zu Handgreiflichkeiten, Ignorieren und Niederbrüllen.
Weitere Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe ELTERN 04/12 (ab
14.03. im Handel)
Die kompletten Studienergebnisse unter www.eltern.de/ohrfeige
Pressematerialien und aktuelle Fotos unter www.guj.de/eltern2012
Zur Studie:
Repräsentative Befragung von 1.003 deutschsprachigen Personen ab
18 Jahren mit mindestens einem eigenen Kind bis 14 Jahren im
Haushalt. Befragungszeitraum: 10. bis 24. November 2011, Institut:
forsa
Die Ergebnisse der Studien aus 2011 und 2006/07 sind bei
Quellen-Nennung von ELTERN und forsa zur redaktionellen
Berichterstattung frei verwendbar.
Pressekontakt:
Andrea Wagner
Kommunikation/PR
Gruner + Jahr AG & Co KG
Tel: 040/3703-2980
E-Mail: wagner.andrea@guj.de
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Datum: 12.03.2012 - 13:30 Uhr
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