medienbüro.sohn/NeueNachricht/Bundesrat will härter gegen Telefonwerbung vorgehen
Schriftliche Bestätigung von Verträgen wäre eine Katastrophe für die Call Center-Branche
Berlin/Köln/Stuttgart - Bei der Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung will der Bundesrat härter durchgreifen. Das geht aus der vom Bundesrat beschlossenen Stellungnahme zu einem Entwurf der Bundesregierung hervor. Dieser soll unseriöse Geschäftspraktiken eindämmen und Verbraucher vor „untergeschobenen" Vertragsabschlüssen am Telefon und im Internet bewahren. Die Länderkammer fordert Änderungen. So soll die verpflichtend vorgesehene Einwilligung des Angerufenen in Werbeanrufe präzisiert werden: notwendig sei eine vorherige Einwilligung in Textform - eine mündliche Billigung reiche nicht aus. Verträge, die durch unerlaubte Telefonwerbung zustande kommen, dürften erst mit einer schriftlichen Bestätigung des Verbrauchers wirksam sein. Die Beweislast dafür, dass es gerade keine unzumutbare Belästigung gegeben hat, solle der Unternehmer tragen.
Man habe lange gebraucht, um das Call Center-Direktmarketing als eine elektronische Schnittstelle zur Vereinfachung des Auftragsmanagements einzuführen. „Ermöglicht wurde dadurch überhaupt erst das Pre-Selection-Modell in der Telefonie, das eine kostengünstige Alternative zum bestehenden Teilnehmeranschluss darstellt. Derartige Effizienzvorteile drohen nun durch eine Verkomplizierung des Prozesses wieder rückgängig gemacht zu werden. Viele Unternehmen werden das Marketinginstrument Telefonwerbung erneut auf den Prüfstand stellen. Wird es eingeschränkt, werden die geringen Margen der Call Center weiter schrumpfen, so dass die Expansionsbewegung der Branche erheblich gedämpft wird“, warnt VATM-Justiziar Ufer.
Der Grund für die Änderung des Telekommunikationsgesetzes beruhe auf einer Beschwerdequote von 1,5 Prozent der getätigten Umstellungen bei der Betreiberauswahl. „Bei 98,5 Prozent der Vorgänge arbeitet die Direktmarketing also zum Vorteil und zur Zufriedenheit der Verbraucher. Meiner Meinung nach sicherlich kein Anlass für eine solche einschneidende Gesetzesinitiative zum Nachteil der Branche“, kritisiert Ufer. Zudem würde sich etwa die Hälfte der Beschwerden gegen die Deutsche Telekom richten.
„Wenn das Abschließen mündlicher Verträge generell zu einem Vabanque-Spiel für Call Center wird, ist eine ähnliche Massenentlassungsrunde absehbar wie bei der Zementierung des staatlichen Sportwettenmonopols“, befürchtet Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days http://www.voicedays.de. Es sei doch sehr verwunderlich, dass solche Initiativen von Politikern wie Verbraucherminister Peter Hauk aus Baden Württemberg kommen. „Das Musterländle fördert einen wirtschaftsfeindlichen Aktionismus und bremst einen Wachstumsmotor für den deutschen Arbeitsmarkt aus“, moniert Steimel. Siehe auch: http://www.informationweek.de/news/showArticle.jhtml?articleID=210602831; http://www.handelsblatt.com/finanzen/steuerrecht/call-center-in-der-klemme;2041862; http://www.bmj.bund.de/enid/0,64f980706d635f6964092d0935323932093a0979656172092d0932303038093a096d6f6e7468092d093037093a095f7472636964092d0935323932/Pressestelle/Pressemitteilungen_58.html; http://www.main-netz.de/themen/geld-recht/dpa-serviceline/geld_recht/art7026,456100; http://www.doerre.com/aktuell/20080730_bmj_pm_uwg.pdf; http://handelsjournal2.mittelstandswissen.de/websrv/zcPDFgen/zcPDFgen.php?docType=ga&docID=3327. Zu diesem Themenkomplex findet am 15. Oktober 2008 auf dem Wiesbadener Fachkongress Voice Days ein Expertengespräch statt. Referenten: Gerald Schreiber (defacto-Gruppe), Dr. Andreas Albath (telegate), Elke Wieczorek (stellv. Präsidentin des deutschen Hausfrauenbundes), Renatus Zilles (Next ID) und Gülabatin Sun (Deutsche Bank).
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Datum: 23.09.2008 - 15:07 Uhr
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