Noch liebenswerte Marotte oder doch schon Zwangsstörung? / Pro Psychotherapie e.V. bietet auf therapie.de einen Überblick zu zwanghaftem Verhalten und Auswege daraus
ID: 600129
dabei? Ist der Herd aus? Habe ich das Auto abgeschlossen? Gedanken,
die wir jeden Tag haben. Wenn aber aus dem sinnvollen Nachsehen ein
beherrschendes Kontrollieren wird, liegt vermutlich eine psychische
Erkrankung vor. Diese erkennt man an Handlungen, die immer wieder in
der gleichen ritualisierten Form wiederholt werden müssen: Hände
waschen oder die Wohnung penibel aufräumen. Diese bizarr anmutenden
Aktionen haben eine Ursache, die sich im Gespräch mit einem Arzt oder
Psychotherapeuten finden und mit geeigneten Methoden behandeln lässt.
Eine Zwangsstörung besteht, wenn bestimmte Gedanken und Handlungen
so beherrschend geworden sind, dass der Betroffene nichts mehr gegen
sie tun kann, obwohl er weder diesen Gedanken denken noch diese
Handlung ausführen möchte. Der Alltag ist dann bereits empfindlich
gestört. In der Diagnose wird zwischen Zwangsgedanken und
Zwangshandlungen unterschieden. Meistens jedoch gehen beide Hand in
Hand. Zusätzlich werden verschiedene Arten wie Kontroll-, Wasch- und
Ordnungszwang unterschieden. Auch Wiederholungen, ständiges Zählen
oder übermäßiges Sammeln gelten als Ausprägungen. Für alle
betroffenen Personen gilt jedoch gleichermaßen, dass sie die Gedanken
aus sich heraus empfinden und nicht als von außen aufgezwungen.
In Deutschland haben circa zwei Prozent der Bevölkerung
Zwangsstörungen. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. Die
Erkrankung beginnt in der Jugend oder vor dem 30. Geburtstag. Die
Symptome nehmen mit der Zeit zu und beeinträchtigen den Familien- und
Berufsalltag immer mehr. Die Krankheit kann genetisch bedingt sein,
auch psychische Faktoren oder Störungen im Hirnstoffwechsel haben
Einfluss. Ohne Therapie wird bei zwei Dritteln der Erkrankten das
Verhalten chronisch. Das andere Drittel kennt jedoch beschwerdefreie
Zeiten, die durch Stress oder psychische Belastungen beendet werden.
Therapeuten helfen mittels Fragebögen und Tagebuchführen, Zwänge
und eventuell tiefer liegende psychische Störungen wie z.B.
Depressionen oder Ängste zu erkennen. Der Erfolgversprechendste
Behandlungsansatz ist zumeist die Einnahme eines Antidepressivums bei
zeitgleicher Psychotherapie. Hilfreich ist beispielsweise, sich den
angstauslösenden Situationen zu stellen und zu erleben, dass die
befürchtenden Folgen nicht eintreffen. Auch Entspannungstraining und
Stressmanagement helfen. Generell gilt: je eher therapeutisch gegen
gesteuert wird, desto größer sind die Chancen, zu lernen mit dem
Zwang umzugehen und den Alltag wieder entspannt zu erleben.
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Datum: 21.03.2012 - 10:35 Uhr
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