Neue OZ: Kommentar zu Sinus-Studie
ID: 606102
Ja, wie ticken sie denn nun, die Jugendlichen? Diese Frage
interessiert zweifellos: PISA- und Shell-Studien, das
Bertelsmann-Institut oder die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen - sie
alle haben die junge Zielgruppe schon unter das Mikroskop gelegt; die
Sinus-Studie ist nur die vorläufig letzte einer ganzen Serie. Und das
Ergebnis? Kann es diese nun so oft gestellte Frage eindeutig
beantworten? Nein. Das muss sie aber auch nicht.
Die befragten Jugendlichen erzählten von ihren Interessen,
Motivationen, Ängsten. Und so verschieden ihre Antworten waren -
eines lässt sich wohl aus ihnen herausfühlen: Erwachsen werden fängt
heute ziemlich früh an. Auf diese gewaltige Aufgabe reagieren die
jungen Menschen mit beeindruckendem Optimismus - teilweise aber auch,
indem sie kurzerhand Schwächere ausgrenzen, um das eigene Fortkommen
zu sichern.
Das Bedürfnis nach Sicherheit ist zwar verständlich. Es zeigt sich
auch darin, dass traditionelle Werte wie Pflichtbewusstsein und
Familie hoch im Kurs stehen. Es auf Kosten anderer befriedigen zu
wollen birgt aber erheblichen sozialen Sprengstoff. Ärmere
Jugendliche fühlten sich nicht selten chancenlos, besagt die Studie.
Sie stünden mit dem Rücken zur Wand.
Ihnen dieses Gefühl zu nehmen ist Aufgabe der Politik. Sie muss
Bildungschancen verbessern, Sprungbretter bieten. Ohne eine solche
Grundlage nützt auch der gesündeste Optimismus wenig.
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Datum: 28.03.2012 - 22:00 Uhr
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