Verhaltensökonomie - Der Schubs in die richtige Richtung
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Verhaltensökonomie - Der Schubs in die richtige Richtung
Warum treffen wir falsche Entscheidungen? Die klassische Ökonomie versteht den Menschen als rationalen Akteur, der egoistisch aus allem den höchsten Gewinn ziehen will. Das gelingt ihm aber nicht. Die Verhaltensökonomie untersucht, wie der "Faktor Mensch" zu Fehlentscheidungen führt, die unseren eigenen Interessen sogar schaden. Brigitte Miksa, Leiterin International Pensions bei Allianz Asset Management AG und Executive Editor des preisgekrönten Magazins "PROJECT M" gibt einen Überblick.
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"Der konsequente homo oeconomicus gilt schon seit langem als reine Abstraktion", schrieb der renommierte amerikanische Wirtschaftswissenschaftler John Maurice Clark 1918 in The Journal of Political Economy, "auch wenn nicht jeder die Bedeutung der Faktoren erkannt hat, die dabei verloren gegangen sind".
So hat die Wirtschaftswissenschaft die Bedeutung des menschlichen Verhaltens im 20. Jahrhundert weitgehend verkannt. In der Finanzmathematik wurde der Faktor Mensch aus fast allen Berechnungen ausgeklammert. So ließen sich zwar prächtige mathematische Modelle schaffen, doch die klassische Wirtschaftswissenschaft stieß damit an ihre Grenzen.
Seit 1960 hat die Erkenntnis zugenommen, "dass die Dinge nicht perfekt sind, dass die Welt nicht perfekt ist, und das wir es auf dieser Welt mit Menschen aus Fleisch und Blut zu tun haben", wie es der Nobelpreisträger für Wirtschaft, Robert Shiller, formulierte.
Die Verhaltensökonomie will nun die Rolle, die das menschliche Verhalten spielt, stärker berücksichtigen. Während die klassische Ökonomie Menschen als rationale, egoistische Akteure versteht, die nur auf die Maximierung des eigenen Vorteils bedacht sind, untersucht die Verhaltensökonomie, wie die bedingte Rationalität des Menschen zu Fehlentscheidungen führen kann, die bisweilen seinen eigenen Interessen widersprechen.
In gewisser Weise haben die Ökonomen das schon immer gewusst. In The Theory of Moral Sentiments (1759) beschrieb Adam Smith menschliches Verhalten als alles andere als eigennützig. Vielmehr sei es von Leidenschaft getrieben. Wesley Mitchell, Irving Fisher, John Maynard Keynes, Friedrich von Hayek und andere betonten ebenfalls die Fehlbarkeit menschlicher Entscheidungen.
Jahrelang wurde die Verhaltensökonomie von der Wirtschaftswissenschaft skeptisch beäugt. Mittlerweile wird sie jedoch so sehr geschätzt, dass Richard Thaler, einer ihrer berühmtesten Vertreter, "den Untergang der Verhaltensökonomie als wissenschaftlichen Bereich" vorhergesagt hat.
Und zwar nicht, weil Theorien der Verhaltensökonomie entkräftet würden, sondern weil ihre Erkenntnisse bei Ökonomen mittlerweile eine solche Akzeptanz gefunden haben, dass sie sie automatisch in ihre Modelle integrieren.
Die aktuelle Ausgabe von PROJECT M zeigt, wie uns die Verhaltensökonomie helfen kann, die Abstraktion vom homo oeconomicus um wesentliche Aspekte zu bereichern und wie wir unserem Verhalten einen Schubs in die richtige Richtung geben können ? zu unserem eigenen Interesse.
Die neu gestaltete Webseite PROJECT M online zeigt außerdem, wie uns unsere Wahrnehmung immer wieder zu den gleichen Fehlern verleitet.
Sehen Sie dort außerdem weiterführende Video-Interviews mit den wichtigsten Vertretern der Verhaltensökonomie wie Shlomo Benartzi und Richard Thaler sowie wöchentlich neue Artikel zu aktuellen Themen rund um Altersvorsorge und Geldanlage.
Eine gedruckte Ausgabe von PROJECT M können Sie bei der Redaktion unter projectm@allianz.com bestellen.
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Michael Matern
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Datum: 02.04.2012 - 17:00 Uhr
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