Blauem Herz Europas droht der Infarkt / Zwei aktuelle Studien belegen erstmals Naturwerte der Balkan-Flüsse / Ausbau für Wasserkraft in großem Stil geplant
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Herz Europas" und damit ein über Jahrmillionen gewachsenes,
einzigartiges europäisches Naturerbe mit einem Schlag zerstört wird",
warnt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der europaweit tätigen
Naturschutzstiftung EuroNatur. Nirgendwo sonst in Europa gibt es eine
vergleichbar große Zahl natürlicher und unzerstörter
Flusslandschaften wie auf dem Balkan. Bisher waren diese Naturschätze
selbst unter Experten unbekannt. EuroNatur und die österreichische
Naturschutzorganisation ECA Watch haben zwei Studien in Auftrag
gegeben, welche die ökologische Bedeutung der Flüsse auf dem Balkan
erstmals belegen. Zum Untersuchungsgebiet zählten sämtliche Länder
des ehemaligen Jugoslawien, Albanien sowie die grenzübergreifenden
Fluss-Einzugsgebiete im Dreiländereck zwischen Bulgarien,
Griechenland und der Türkei. Knapp ein Drittel dieser Lebensadern
sind noch in einem ursprünglichen Zustand und von Menschen so gut wie
nicht verändert. In Albanien und Mazedonien beträgt der Anteil der
natürlichen Flüsse sogar zwei Drittel. Zum Vergleich: In Deutschland
gelten nur noch zehn Prozent der Flüsse als naturnah, 60 Prozent sind
dagegen stark reguliert.
Noch zählt das "Blaue Herz Europas" zu den Hotspots der
Biodiversität. Unter anderem kommen hier mehr als die Hälfte aller in
Europa gefährdeten Süßwasser-Mollusken und 28 Prozent sämtlicher in
Europa gefährdeten Süßwasser-Fischarten vor - darunter die
Adria-Muschel und die Adria-Forelle. Zudem zeichnet die Region eine
besonders große Dichte endemischer Fischarten aus: Allein 69
Fischarten gibt es nur auf dem Balkan (südlich der Donau und nördlich
von Griechenland). Einige davon kommen dort wiederum nur in wenigen
Flüssen vor. Für diese höchst sensiblen Perlen der europäischen
Naturschatzkiste können selbst geringfügige Eingriffe in ihren
Lebensraum schnell das Aus bedeuten. Doch genau dieser sensiblen und
einzigartigen Vielfalt droht jetzt ein Generalangriff der
Wasserbaulobby.
Nahezu alle Balkan-Flüsse sollen für die Wasserkraftnutzung
ausgebaut werden. Nach Recherchen von EuroNatur und ECA Watch sind
derzeit 573 große Wasserkraftwerke (mit mehr als einem Megawatt
Leistung) geplant. Hinzu kommt ein Netz aus unzähligen kleineren
Anlagen. Selbst hochrangige Schutzgebiete bleiben von den Plänen
nicht verschont. So will die Europäische Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung (engl.: EBRD) mitten im zweitältesten und größten
Nationalpark Mazedoniens, dem Mavrovo-Nationalpark, den Bau eines
großen Staudamms zur Stromgewinnung fördern. Zu den besser bekannten
Opfern der Ausbaupläne zählt unter anderem auch die Save und damit
eines der letzten natürlichen Flusssysteme Mitteleuropas. Mehr als
100 Wasserkraftwerke und Staustufen sind hier vorgesehen - sowohl am
Hauptfluss als auch an den Nebenflüssen. "Wenn diese intakten
Flusssysteme einmal zerstört sind, lässt sich der damit verbundene
Verlust für die Biodiversität in Europa niemals rückgängig machen,
auch nicht durch Ausgleichsmaßnahmen!", sagt Ulrich Eichelmann,
Koordinator von ECA Watch.
Hintergrundinformationen:
Die mit finanzieller Unterstützung der Schweizer Mava-Stiftung
durchgeführten Studien "Balkan Rivers - The Blue Heart of Europe.
Hydromorphological Status and Dam Projects" und "Threatened
freshwater molluscs of the Balkan - Potential impacts of hydropower
projects) stehen zum Download bereit unter:
http://www.euronatur.org/Blaues-Herz-Europas.1325.0.html
Pressekontakt:
EuroNatur, Konstanzer Str. 22, 78315 Radolfzell,
Tel.: 07732 - 92 72 10, Fax: 07732 - 92 72 22,
E-Mail: info@euronatur.org, Internet: www.euronatur.org,
Ansprechpartner: Gabriel Schwaderer, Pressekontakt: Katharina Grund
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Datum: 16.05.2012 - 10:23 Uhr
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Kategorie:
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