Neue Roland Berger-Studie: Entwicklungsländer benötigen jährlich 851 Milliarden Dollar für wicht

Neue Roland Berger-Studie: Entwicklungsländer benötigen jährlich 851 Milliarden Dollar für wichtige Infrastrukturen, um weiter zu wachsen Privatinvestoren sind gefragt

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145 Länder mit niedrigem oder mittlerem Bruttonationaleinkommen benötigen größere Investitionen in wichtige Infrastrukturprojekte, um weiter zu wachsen Vor allem Infrastrukturen für Strom- und Wasserversorgung, Transport und Telekommunikation verlangen Investitionen in Höhe von insgesamt 851 Milliarden Dollar jährlich Aufgrund der mangelnden Infrastrukturen liegt der Produktivitätsverlust einiger Länder bei rund 45 Prozent Internationale Privatinvestoren fürchten jedoch meist die Risiken, die mit infrastrukturellen Großprojekten verbunden sind Doch diese Risiken werden oft falsch wahrgenommen und verdienen einen deutlich geringeren Zins-Risiko-Aufschlag als derzeitüblich Die Kosten der Fehleinschätzung, die dadurch entstehen, belaufen sich allein in Afrika auf rund 9 Milliarden Dollar jedes Jahr



(firmenpresse) - (ddp direct) München, 20. Juni 2012: Die Schwellen- und Entwicklungsländer brauchen moderne und effiziente Infrastrukturen, um weiter zu wachsen. Sei es im Bereich der Wasser- oder Stromversorgung, in der Telekommunikation- oder in der Transportbranche: 145 Länder mit niedrigem und mittlerem Bruttonationaleinkommen benötigen Investitionen in Höhe von 851 Milliarden Dollar jährlich, um ihre Infrastruktur zu modernisieren. Denn nur mit einer entsprechenden Infrastruktur kann sich die lokale Wirtschaft weiter entwickeln. Aus diesem Grund sind einige Länder heute nur halb so produktiv, wie sie eigentlich sein könnten. Helfen könnten vor allem internationale Privatinvestoren und so auch ihr eigenes Geschäft vorantreiben. Sie halten sich aber aus Angst vor Risiken zurück. Diese Angst ist oft unbegründet und basiert auf Vorurteilen und falschen Markteinschätzungen; eine trügerische Wahrnehmung der lokalen Risiken, die die Länder viel kostet und ihre Wirtschaftsentwicklung bremst. Dadurch verlor allein Afrika im Jahr 2011 ca. 9 Milliarden Dollar. Privatinvestoren sollten daher die Chancen und Risiken realistisch abschätzen, um vom Wachstum dieser Länder besser profitieren zu können. Das sind die Ergebnisse der neuen Roland Berger-Publikation aus der think:act CONTENT-Reihe "Profit through progress", die im Rahmen des G20-Gipfels in Mexiko exklusiv vorgestellt wurde.

"Internationale Privatinvestoren stehen in der Pflicht, die Modernisierung wichtiger Infrastrukturen in den Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Lateinamerika voranzutreiben", sagt Charles-Edouard Bouée, Partner und Mitglied der weltweiten Geschäftsführung von Roland Berger Strategy Consultants. "So können sie nicht nur das Wachstum aufstrebender Länder aktiv unterstützen, sondern auch wichtige Geschäftsfelder in neuen Märkten für sich erschließen. Denn nur durch Wachstum entsteht weiteres Wachstum."

Großer Infrastrukturbedarf in 145 Ländern der Welt
Der größte Wachstum fand in den vergangenen Jahren vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern statt. Wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Europas von 2005 bis 2010 lediglich um 0,8 Prozent jährlich, so nahm das BIP in Asien im gleichen Zeitraum um mehr als 5 Prozent, in Afrika, dem Nahen Osten und in Lateinamerika um ca. 4 Prozent jährlich zu. Doch die künftige Weiterentwicklung vieler Länder hängt nun vor allem vom Zustand ihrer Infrastruktur ab. Den größten Bedarf zeigen die 35 Länder mit einem niedrigen Bruttonationaleinkommen (bis 1.005 Dollar pro Kopf) sowie die 110 Länder mit einem mittleren Bruttonationaleinkommen (bis 12.275 Dollar pro Kopf). Hier fehlen insgesamt Investitionen von 851 Milliarden Dollar in wichtige Infrastrukturprojekte: für Stromversorgung (317 Milliarden Dollar), Wasserversorgung und Kanalisation (199 Milliarden Dollar), Transport (163 Milliarden Dollar), Telekommunikation (81 Milliarden Dollar) und das Bewässerungssystem (38 Milliarden Dollar).



So verfügen lediglich 60 Prozent der Bevölkerung in Afrika über Zugang zu sauberen Wasserquellen. In Südostasien sind es 88 Prozent und in Zentralasien 95 Prozent der Bevölkerung. Mangelhaft ist auch die Elektrizitätsversorgung: In der Region südlich der Sahara haben nur 30 Prozent der Menschen einen Stromanschluss, in Südostasien 62 Prozent und in Lateinamerika 93 Prozent. "Länder, die solche Lücken in ihrer Infrastruktur aufweisen, stoßen irgendwann an ihre Wachstumsgrenzen", analysiert Roland Berger-Partner Hakim El Karoui die Lage. "Fehlen notwendige Voraussetzungen wie eine gute Stromversorgung oder ein effizientes Transport- und Telekommunikationsnetz kann die lokale Wirtschaft nicht mehr wachsen." So büßen schon heute viele Entwicklungsländer bis zu 45 Prozent ihrer Produktivität aufgrund einer schwachen Infrastruktur ein.

Privatinvestoren sind gefragt
Rund 70 bis 80 Prozent der großen Infrastrukturprojekte liegen weltweit in öffentlicher Hand. Aufgrund leerer Staatskassen geraten viele investitionsintensive Projekte ins Stocken: Die Weiterentwicklung der Infrastruktur lahmt, die Produktivität der Länder stagniert. So müssten die Länder mit niedrigem Bruttonationaleinkommen rund 7,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) in neue Infrastrukturen investieren; doch tatsächlich geben sie nur 2,5 Prozent ihres BIP dafür aus.

"Eine stärkere Beteiligung internationaler Investoren an wichtigen Infrastrukturprojekten ist dringend erforderlich, um Wachstum und Wohlstand vieler Länder zu garantieren", sagt Charles-Edouard Bouée. "Dabei sollten Unternehmen ihre Angst vor großen Risiken überwinden, die zum Teil vollkommen unbegründet ist."

Unternehmen müssen Risiken richtig einschätzen
Großprojekte setzen ein großes Startkapital voraus und Privatinvestoren fürchten in erster Linie die Langzeitplanung, die damit verbunden ist. Denn oft ändern sich die Marktbedingungen im Laufe des Projektes. Übermäßige Kosten sowie Verspätungen bei der Projektrealisierung kommen als wichtige Hürden hinzu. "Doch Geschäftsrisiken spielen hier eine wichtigere Rolle als Länderrisiken: Privatinvestoren lassen sich oft von Ratings und Markteinschätzungen ängstigen, die die Entwicklungsländer stark unterschätzen", so Hakim El Karoui.

So werden die Kreditkosten in Afrika auf der Basis von einem Anteil von 15 Prozent an notleidenden Krediten berechnet. Doch in Wahrheit werden lediglich 8 Prozent der Kredite nicht zurückgezahlt. Ein deutlicher Unterschied in der Risikowahrnehmung, die Afrika im Jahr 2011 rund 9 Milliarden Dollar gekostet hat. "Privatinvestoren sollten daher verstärkt darauf achten, die tatsächlichen Geschäftsrisiken in den jeweiligen Regionen richtig einzuschätzen. Das erfordert einen Mentalitätswandel", fasst Bouée zusammen.

Dabei können relativ einfache Instrumente Privatinvestoren helfen, sichere Investitionen in Infrastrukturprojekte zu tätigen. Dazu gehören traditionelle Mittel für das Risikomanagement wie etwa der Einsatz von Versicherungen und sonstigen Garantien. Durch die Einbindung von lokalen Partnern und Finanzinstituten können Unternehmen politischen und Währungsrisiken besser entgegenwirken. Außerdem können gezielte Bonds die Finanzierung solcher Projekte optimal unterstützen. "Das Modell der Privat-Public-Partnerships ist der beste Weg, den die Entwicklungsländer in Zukunft eingehen können, um wichtige Investitionen für ihre Infrastrukturen zu garantieren", sagt El Karoui. "Denn so kann mit kleineren Investitionen mehrerer Teilnehmer ein großer Nutzen für die Bevölkerung, die örtliche Wirtschaft und die Investoren selbst entstehen."


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