Neue OZ: Kommentar zu Gesundheit / Ministerkonferenz / Praxisgebühr
ID: 670024
Wer in der Gesundheitspolitik Zustimmung bekommen möchte, muss die
Abschaffung der Praxisgebühr fordern. Der Applaus ist sicher.
Richtig, diese Abgabe ist für Patienten lästig und für Ärzte mit
Bürokratie verbunden. Und Kritiker bemängeln, dass sie ihre
Lenkungsfunktion kaum erfüllt. Anfang 2004 von
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eingeführt, ist die
Praxisgebühr in die Jahre gekommen.
Tatsächlich stellt sich die Frage, ob zehn Euro pro Vierteljahr
sinnvoll sind. Denn hat ein Patient die Abgabe erst einmal gezahlt,
wirkt sie wie eine Flatrate: Jeder weitere Arztbesuch in diesem
Quartal ist kostenfrei. Dennoch wäre es falsch, die Praxisgebühr
gleich zu streichen, wie von den meisten Gesundheitsministern der
Länder gefordert. Dadurch entgingen den Krankenkassen Einnahmen in
Milliardenhöhe. Dieses Geld müssten sie auf andere Art und Weise
hereinholen, und den Versicherten wäre nicht geholfen. Daher ist es
gut, dass der Antrag gescheitert ist.
Denn der Grundgedanke bleibt richtig: Die Praxisgebühr ist eine
Selbstbeteiligung, die für die meisten Patienten zumutbar ist. (Für
Härtefälle gibt es Ausnahmen.) Sie erinnert daran, dass ein
Arztbesuch die Solidargemeinschaft Geld kostet und ein
verantwortungsvoller Umgang gefragt ist. Viel besser als die
Streichung wäre eine Feinjustierung. Denkbar wären etwa drei bis fünf
Euro für jeden Arztbesuch.
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Datum: 28.06.2012 - 22:00 Uhr
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