Börsen-Zeitung: Hürde genommen, Kommentar zu SAP von Stefan Paravicini
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SAP im zweiten Quartal ein Husarenritt gelungen. Mit den gestern
vorgelegten vorläufigen Zahlen überspringen die Walldorfer bei den
Lizenzerlösen alle von einschlägigen Diensten ausgewerteten
Analystenerwartungen und durchbrechen bei dieser für
Softwareunternehmen entscheidenden Kenngröße erstmals in einem
zweiten Quartal die Milliardenschwelle. Dies führte dazu, dass SAP am
Donnerstag im Dax zeitweise wieder an Volkswagen als zweitschwerstem
Wert hinter Siemens heranreichte.
Die Leistung ist vor dem Hintergrund der anhaltend dürftigen
konjunkturellen Rahmenbedingungen, die auch die
Investitionsbereitschaft für IT dämpfen, ein starkes Stück - selbst
wenn die Zahlen im Rahmen der Guidance ausgefallen sind. Zum
ehrgeizigen Ausblick hatte sich der Konzern nach dem enttäuschenden
ersten Quartal genötigt gesehen, um sich das Vertrauen seiner zuletzt
erfolgsverwöhnten Anleger zu sichern.
In den vergangenen Tagen hatte sich der Konsens der
Analystenerwartungen an das untere Ende des avisierten Korridors von
15 bis 20% Wachstum bei den Neulizenzen verschoben. Die Hoffnungen
der Marktbeobachter auf eine positive Überraschung im zweiten Quartal
ruhten auf großen Deals mit Volumen von jeweils mehr als 5 Mill.
Euro, die im Vergleichszeitraum nur 17% des gesamten Ordervolumens
ausgemacht hatten und damit eine vergleichsweise niedrige Hürde
schienen. Der jetzt ausgewiesene Lizenzzuwachs von 19% legt nahe,
dass SAP seit der vollmundigen Ankündigung im April auch jedes andere
Hindernis übersprungen hat, das es zu nehmen galt.
Wenn die Walldorfer in elf Tagen die detaillierten Zahlen zum
Quartal vorstellen, werden die Marktteilnehmer ihr Augenmerk freilich
schon auf die nächsten Hürden richten. In der langen Frist bis 2015,
wenn SAP mindestens 20 Mrd. Euro bei einer Marge von wenigstens 35%
erlösen will, sind es die Entwicklung der relativ jungen
Softwareangebote aus dem Internet, für mobile Endgeräte oder die
unter großen Erwartungen gestartete Datenbanksoftware Hana (High
Performance Analytic Appliance), die in Zukunft einen großen Teil des
Geschäfts tragen sollen.
Mit Blick auf das dritte Quartal besteht neben den Hürden im
konjunkturellen Umfeld jetzt aber auch der Verdacht, dass die von
Co-CEO Bill McDermott ausgerufene "High Performance Organisation" SAP
den Parforceritt im zweiten Quartal womöglich auf Kosten einer
auskömmlichen Pipeline für die nächsten Monate geschafft hat.
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Datum: 12.07.2012 - 20:50 Uhr
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