Welt-Aids-Konferenz:Ärzte ohne Grenzen fordert schnellere Ausweitung der HIV/Aids-Behandlung - Finanzieller Beitrag der Bundesregierung unzureichend
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Bundesregierung und die Staatengemeinschaft auf, im Kampf gegen Aids
mehr Anstrengungen zu unternehmen. Eine Studie der Organisation
zeigt, dass in einigen Ländern noch immer nur eine Minderheit der
HIV-Infizierten behandelt werden kann. Das Gemeinsame Programm der
Vereinten Nationen zu HIV/Aids (UNAIDS) hat im Vorfeld der 19.
Internationalen Aids-Konferenz in Washington eine große Lücke bei der
Finanzierung des Kampfes gegen HIV/Aids festgestellt.
"Die wissenschaftlichen Fortschritte der Welt-Aids-Konferenz sind
ermutigend. Leider fehlt es in vielen Ländern am politischen Willen,
die Mittel bereitzustellen, diese neuen Erkenntnisse auch
anzuwenden", sagt Oliver Moldenhauer, der für Ärzte ohne Grenzen an
der Konferenz teilnimmt. "Die Bundesregierung fällt hier mit ihrem
Beitrag im Jahr 2011 leider deutlich hinter Länder wie Frankreich
oder Großbritannien zurück. Selbst die Niederlande stellen mehr Geld
für den internationalen Kampf gegen HIV/Aids zur Verfügung als
Deutschland." Das geht aus einer Untersuchung von UNAIDS und der
"Kaiser Family Foundation" hervor, die auf der Konferenz präsentiert
wurde.
Ärzte ohne Grenzen hat in Washington zwei Studien zur Behandlung
von HIV/Aids vorgestellt, die in Zusammenarbeit mit UNAIDS entstanden
sind. In "Speed up Scale-up" untersuchen die Autoren der
medizinischen Hilfsorganisation die Fortschritte bei der
HIV-Behandlung in 23 Ländern in Afrika, Asien, Südamerika und Europa
anhand von 25 Kennzahlen. In dieser Studie werden Fortschritte
deutlich, aber auch der weiterhin riesige Bedarf an HIV-Therapien: In
12 der 23 untersuchten Länder werden noch immer weniger als 60
Prozent der bedürftigen HIV-Infizierten behandelt, in vier Staaten
sogar weniger als 30 Prozent.
"Wir haben festgestellt, dass die Regierungen immer größere
Anstrengungen unternehmen, um die Menschen mit HIV-Medikamenten zu
versorgen und um die Behandlung immer näher am Zuhause der Menschen
verfügbar zu machen. Dadurch können mehr Menschen davon profitieren",
sagt Sharonann Lynch, HIV/Aids-Expertin von Ärzte ohne Grenzen. "Aber
es liegt noch immer ein weiter Weg vor uns. Mehr Länder müssen ihre
Behandlungsprotokolle ändern und auch Krankenschwestern und -pflegern
ermöglichen, Behandlungen zu initiieren. Nur so können wir die
Behandlung von HIV/Aids in jeder Klinik, in jedem betroffenen Dorf
möglich machen."
In einem zweiten Report mit dem Titel "Closer to Home" werden
dezentral organisierte Behandlungsmodelle von Ärzte ohne Grenzen
vorgestellt, die eine Therapie auch in abgelegenen Gebieten
ermöglichen oder die Behandlung erleichtern. In Mosambik schließen
sich etwa Patienten in Sechsergruppen zusammen, um abwechselnd die
Medikamente für die ganze Gruppe zu besorgen. In Südafrika werden
stabile Patienten in Gruppen von 20 Personen behandelt - wobei die
Behandlung und eine Untersuchung der ganzen Gruppe weniger als zwei
Stunden dauern.
Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit 220.000 HIV/Aids-Patienten in
23 Ländern.
Die Berichte können heruntergeladen werden unter:
http://aids2012.msf.org/reports oder
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/g7
Oliver Moldenhauer steht in Washington für Interviews zur
Verfügung.
Pressekontakt:
Stefan Dold, 030 700 130 239, 0163 765 8104,
stefan.dold@berlin.msf.org
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Datum: 25.07.2012 - 11:10 Uhr
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