Neue OZ: Kommentar zuÄgypten
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Langsam wird deutlich, dass dem ägyptischen Präsidenten Mohammed
Mursi ein echter Coup gelungen ist. Als er führende Militärs
absetzte, hielten alle den Atem an: Würden die Generäle es hinnehmen?
Und als Mursi sich neue verfassungsmäßige Rechte zusprach, kamen
ebenfalls Zweifel auf: Will er die Demokratie fördern oder eher sich
selbst?
Jetzt sieht es so aus, als habe die Welt das Land am Nil wie schon
vor dem Arabischen Frühling erneut unterschätzt. Das Militär fügt
sich in die neue Hierarchie, offenbar hat Mursi klug vorgesorgt. Auch
die USA geben sich nicht überrascht: denkbar, dass sie sogar Strippen
zogen, indem sie weitere Hilfe für die Armee an einen forcierten
demokratischen Übergang knüpften. Dies ist Spekulation, aber
realistisch allemal, und es wäre ein Hinweis, dass diskrete Politik
in Hinterzimmern mehr zu bewirken vermag als demonstrative
Entrüstung. Diplomatie der alten Schule, es gibt sie noch.
Für Ägypten stellt sich die Lage eineinhalb Jahre nach dem Umsturz
nun positiv dar. Das Militär ist eingebunden, aber nicht dominant.
Wirtschaftliches Potenzial hat das Land nach wie vor. Der wichtige
Tourismus erholt sich rasch. Und niemand sollte es beschreien, aber
bisher hat der frühere Muslimbruder Mursi politisch mehr von seinem
großen Vorgänger Anwar as-Sadat als von einem islamischen
Abschottungspolitiker. Bleibt er seiner Linie treu, sollte Ägypten
nicht abermals unterschätzt werden, so wenig wie Mursi selbst.
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Datum: 14.08.2012 - 22:00 Uhr
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