BGA: Deutschlands Logistikkonkurrenz schläft nicht
ID: 700353
kein Weltuntergang. Allerdings zeigt das Abrutschen Deutschlands um
drei Plätze innerhalb von zwei Jahren hinter Singapur, Hong-Kong und
Finnland, dass weder die Konkurrenz aus dem europäischen Umfeld noch
aus Asien schläft! Deutschland als "Land der Ideen" muss sich auf
seine Stärken besinnen, um nicht weiter im Wettbewerb an Boden zu
verlieren." Dies erklärte Gerhard Riemann, Vorsitzender des
BGA-Verkehrsausschusses, heute anlässlich der
BGA-Jahrespressekonferenz Verkehr in Berlin.
Ohne Innovationen gehe es nicht. Doch seien inzwischen 10 Jahre
ins Land gegangen, seit er sich erstmals für den Praxistest des heute
sogenannten Lang-Lkw ausgesprochen habe, kritisierte Riemann. Trotz
des ideologisch motivierten Boykotts durch SPD und Bündnis 90/Die
Grünen könne von einem Scheitern des Feldversuchs keine Rede sein und
werde sich dank der ersten Änderungsverordnung die Teilnehmerzahl von
derzeit 20 Fahrzeugen noch erhöhen, zeigte er sich optimistisch. Das
ergänzte Positivstreckennetz habe auch das Problem der letzten Meile
gelöst. Erste Zwischenergebnisse konnte Riemann aus dem eigenen
Unternehmen berichten, da ein Tochterunternehmen sich im März 2012
über mehrere Wochen am Feldversuch beteiligt hatte. Hierbei stellten
sich bereits Vorteile gegenüber den herkömmlichen Sattelzügen heraus.
Das eingesetzte Fahrzeug hatte rund 50 Prozent mehr Ladevolumen bei
Kraftstoffeinsparungen von rund 30 Prozent. Im Gegensatz zu dem
konventionellen Sattelzug emittierte der eingesetzte Lang-Lkw rund 30
Prozent weniger CO2.
Güterverkehrsmobilität kein Selbstzweck, sondern Rückgrat der
deutschen Wirtschaft
"Der Wirtschaftsstandort Deutschland, der rund 70 Prozent der
Güter auf der Straße transportiert, läuft Gefahr, dass der LKW als
Hauptakteur der Gütertransporte in Deutschland seine tragende Rolle
verliert, ohne dass es dazu Alternativen gäbe. Güterverkehrsmobilität
ist kein Selbstzweck, sondern das Rückgrat der deutschen Wirtschaft",
warnte der Verkehrsexperte mit Blick auf die zum 1. August 2012 In
Kraft getreten Maut auf Bundesfernstraßen. Der Forderung vom
Deutschen Städte- und Gemeindebund und den Umweltverbänden,
mittelfristig alle Straßen zu bemauten, müsse eine klare Absage
erteilt werden. "Es ist schon merkwürdig, wenn die SPD und die
Automobilclubs nun fordern, die LKW-Maut auf alle Bundesstraßen
auszudehnen, hierbei aber kein Wort über die längst überfällige
Pkw-Maut im Rahmen des Finanzierungskreislaufes 'Straße finanziert
Straße' verlieren", so der Verkehrsexperte.
Positiv bewertete Riemann, dass Bundesverkehrsminister Ramsauer
trotz Wiederstand der Bundesländer den Feldversuch durchgesetzt habe,
dennoch fiel die Zwischenbilanz der Verkehrspolitik in den
vergangenen drei Jahre kritisch aus: "Die Bundesregierung hatte sich
im Koalitionsvertrag und dem überarbeiteten Aktionsplan Güterverkehr
und Logistik im Bereich Verkehr ehrgeizige Ziele gesetzt. Leider
fehlte die Courage, konstruktive Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln
und diese zeitnah umzusetzen. Die chronische Unterfinanzierung der
einzelnen Verkehrsträger ist nicht behoben worden. In Bezug auf den
gezielten Ausbau der Hafenhinterland-Anbindungen kann von einem
zügigen Ausbau absolut keine Rede sein. Ein Konzept, wie ausländische
Seehäfen, z.B. Rotterdam und Amsterdam angebunden werden sollen,
fehlt komplett."
"Das Rennen in der Welt macht der Logistikstandort, der am
flexibelsten und schnellsten auf die Bedürfnisse der Kunden und
Nutzer eingeht und wettbewerbsfähige Preise bietet. Hiervon sehe ich
in Deutschland leider nicht mehr viel, wobei, flexibel sind die
Deutschen - insbesondere, wenn es um die Verschiebung des
Eröffnungstermins des neuen Hauptstadtflughafens geht!", so Riemann
abschließend.
20, Berlin, 15. August 2012
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